Aichinger, H. (2026). Abweichungen von der ÖNORM B 2110 im Bauvertrag – Analyse anhand von Einzelprojekten [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.127363
Bauvertrag; ÖNORM B 2110; Werkvertragsrecht; Vertragsanalyse; Normungsprozess
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construction contract; ÖNORM B 2110; law of contracts for work and services; contract analysis; standardization process
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Abstract:
Bauverträge bilden die rechtliche und organisatorische Grundlage für die Umsetzung von Bauprojekten. Sie bestimmen nicht nur die wirtschaftliche und technische Ausgestaltung, sondern auch das Risiko- und Verantwortungsgefüge zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern. Mit der ÖNORM B 2110:2023-05 existiert in Österreich eine standardisierte Vertragsgrundlage, die eine Balance zwischen den Parteien schaffen und durch klare Regelungen Rechtssicherheit ge-währleisten soll. In der Praxis ist jedoch zu beobachten, dass öffentliche Auftraggeber von diesen normativen Bestimmungen abweichen. Diese Abweichungen können Auswirkungen auf die Vertragsgestaltung, die Projektabwicklung und die Risikoverteilung haben.Die vorliegende Arbeit untersucht daher systematisch, inwieweit und aus welchen möglichen Gründen öffentliche Auftraggeber bei Bauverträgen, die auf der ÖNORM B 2110:2023-05 beruhen, von deren Inhalten abweichen. Der erste Teil der Arbeit beleuchtet die Grundlagen des österreichischen Normungswesens, den Entstehungsprozess der ÖNORMEN sowie die Rolle der beteiligten Interessengruppen. Dadurch wird nachvollziehbar, wie Konsensentscheidungen in einem komplexen normativen Umfeld zustande kommen und welche Zielsetzungen mit der Einführung der ÖNORM B 2110:2023-05 verbunden sind.Im empirischen Teil der Untersuchung werden aktuelle öffentliche Ausschreibungen analysiert. Auf Basis der Allgemeinen Vertragsbestimmungen werden die dort enthaltenen Klauseln mit den Regelungen der ÖNORM B 2110:2023-05 verglichen. Abweichungen werden systematisch erfasst und inhaltlich bewertet. Ergänzend erfolgt eine Auseinandersetzung mit einschlägiger Fachliteratur und juristischen Kommentierungen, um die möglichen Hintergründe und Motive der Auftraggeber zu ergründen.Die Ergebnisse zeigen, dass in zahlreichen Verträgen von den normativen Vorgaben abgewichen wird. Die Abweichungen folgen wiederkehrenden Mustern und deuten auf ein Streben der Auftraggeber nach einseitiger Risikoverlagerung hin. Gleichzeitig spiegeln sie auch projektindividuelle Besonderheiten wider, die nicht immer durch die standardisierte Norm abgedeckt werden können. Aus der Untersuchung wird deutlich, dass die ÖNORM B 2110:2023-05 zwar eine anerkannte und bewährte Grundlage darstellt, ihre praktische Anwendung jedoch von vielfältigen Interessen und Rahmenbedingungen geprägt ist.
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Construction contracts form the legal and organizational foundation for the implementation of construction projects. They determine not only the economic and technical framework but also the allocation of risks and responsibilities between clients and contractors. In Austria, the standard ÖNORM B 2110:2023-05 provides a standardized contractual basis intended to establish a balanced relationship between the parties and to ensure legal certainty through clear regulations. In practice, however, it can be observed that public clients often deviate from these normative provisions. Such deviations can have effects on contract design, project execution and risk distribution.This study systematically examines the extent to which and for what possible reasons, public clients deviate from the contents of the ÖNORM B 2110:2023-05 in construction contracts based on this standard. The first part of the thesis outlines the fundamentals of the Austrian standardization system, the process of developing ÖNORM standards and the role of the involved stakeholders. This provides insight into how consensus decisions are reached within a complex normative environment and what objectives underlie the introduction of ÖNORM B 2110:2023-05.In the empirical part of the study, current public tenders are analyzed. Based on the General Con-tract Conditions, the clauses contained therein are compared with the provisions of ÖNORM B 2110:2023-05. Deviations are systematically identified and assessed in terms of content. In addition, relevant literature and legal commentaries are examined to explore the possible background and motives of the contracting authorities.The results show that numerous contracts deviate from the normative provisions. These deviations follow recurring patterns and indicate a tendency among clients to shift risks unilaterally. At the same time, they reflect project-specific characteristics that cannot always be adequately covered by the standardized norm. The analysis demonstrates that while ÖNORM B 2110:2023 05 represents a recognized and proven contractual foundation, its practical application is shaped by a variety of interests and contextual factors.
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