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The contemporary construction industry is shaped by a number of complex processes whose trajectories are often difficult to retrace. From material extraction to production, transport, assembly, maintenance, and eventual disposal, the journey is long, profit-driven, and resource draining. In academic contexts, one frequently encounters discussions around paradigm-shifting methods and pilot projects that challenge the status quo—whether in terms of materiality, climate, social, or spatial justice. Yet, most architectural practices continue to operate within inherited models, adjusting only slightly to a form of “green capitalism” rather than genuinely questioning or moving beyond exploitative models. By now, it is well established within a larger scope of the industry that the way we practice architecture today—consolidated within the last century—are profoundly harmful, both to the ecosystem and to the human communities involved at every stage of the production chain. In 2019, during a Studio excursion in Paris, we had the chance to meet Jean-Philippe Vassal at his office. When asked for advice on the project at hand, he responded with words that have remained with me ever since. To paraphrase: You start with what already exists—every blade of grass, every atmosphere, every quality is very important. When you’ve taken everything into consideration very precisely, you can start dreaming of something totally different, totally free. Then once this dream in the cloud finds its right place in the context, this collision of the two can produce something fantastic. These words continue to resonate with me, as time passes and they reinforce the belief that what we are in need of a radical shift in mentality and reinvention of the culture of architectural practice. These thoughts fuelled the work presented here, which attempts to address design challenges through a set of guiding principles: Our material resources are finite and must be treated with respect and used mindfully. What already exists is valuable and should be studied, understood, adapted, and maintained rather than casually erased. Local and natural resources must be explored for their material potential, yet always in balance with their regenerative cycles. Versatility in design is essential, spaces that allow multiplicity are able to accommodate shifting needs and are resilient to transformation over time. This approach finds its ground in the coastal town of Santa Pola located in southeastern Spain, in the province of Alicante. Historically a modest fishing village, Santa Pola underwent a radical transformation in the 1960s, when tourism-driven investments spurred sudden population growth and a construction boom. Today, its economy relies heavily on tourism, while many of its past industries have fallen silent.The project focuses on an area marked by two abandoned sites: a quarry and a demolished shipyard, both of which have left vast urban voids. The aim is to regenerate these exploited landscapes— left as scars in the urban fabric—and reintegrate them into public life.The aim is to regenerate these exploited landscapes—left as scars in the urban fabric—and reintegrate them into public life. To achieve this, the area is conceived as three interconnected sites—the quarry, the waterfront, and the street that connects them—each addressed individually yet always as part of a larger whole. The interventions unfold in phases, gradually inviting the community to rediscover and inhabit these spaces. The process begins by prioritising pedestrian mobility, as Almería and Cádiz streets are reimagined as pedestrian-only routes linking the quarry to the waterfront. In the quarry, the terrain is reshaped to open new spatial possibilities, while the remaining aggregate screening building is preserved and reimagined as a civic landmark housing flexible workspaces, leisure areas, and a cooling basin on its roof. The waterfront is redesigned as alternating bands of vegetation and terraces, creating shaded public spaces along the beach. At the former harbour, two pavilions face the sea, supporting larger-scale activities such as water sports. Together, these interventions reclaim neglected grounds, offering versatile and adaptable spaces that locals can make their own, writing a new chapter in the town’s collective public life.
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Die heutige Bauindustrie ist ein Geflecht aus komplexen Abläufen, deren Wege sich nur schwer zurückverfolgen lassen. Von der Rohstoffgewinnung über Produktion, Transport und Montage bis hin zu Nutzung, Instandhaltung und schließlich Entsorgung: Der Prozess ist lang, profitorientiert und zehrt unaufhörlich an den Ressourcen. In der akademischen Welt wird viel über neue Methoden und Pilotprojekte diskutiert, die den Status quo infrage stellen – sei es im Hinblick auf Materialeinsatz, Klimagerechtigkeit oder soziale Gerechtigkeit. Doch in der Praxis arbeiten die meisten Büros weiterhin nach traditionellen Mustern, die lediglich oberflächlich einen „grünen Kapitalismus“ adaptieren, ohne die ausbeuterischen Strukturen tatsächlich zu hinterfragen oder zu überwinden. Längst ist in der Branche bekannt ,dass die gängigen Formen architektonischer Praxis – entstanden im Laufe des letzten Jahrhunderts – tiefgreifend schädlich sind, für unsere Umwelt und für die Menschen entlang der gesamten Produktionskette. Im Jahr 2019 haben wir im Rahmen einer Studio Exkursion nach Paris die Gelegenheit, Jean-Philippe Vassal in seinem Büro zu treffen. Auf die Frage nach einem Rat für unser damaliges Projekt antwortete er mit einem Gedanken, der mir bis heute präsent ist. Frei wiedergegeben: Wir beginnen mit dem, was bereits vorhanden ist – jeder Grashalm, jede Atmosphäre, jede Qualität ist wichtig. Wenn wir all das sorgfältig berücksichtigt haben, können wir anfangen, von etwas völlig Neuem, völlig Freiem zu träumen. Und wenn dieser Traum im Kontext seinen Platz findet, kann aus dieser Begegnung etwas Großartiges entstehen. Diese Worte begleiten mich seither. Mit den Jahren ist ihre Bedeutung noch gewachsen und sie bestärken mich in der Überzeugung: Wir brauchen einen radikalen Wandel im Denken – eine kulturelle Neuerfindung architektonischer Praxis. Aus diesem Verständnis heraus ist die vorliegende Arbeit entstanden. Sie orientiert sich an folgenden Leitgedanken: Ressourcen sind endlich. Wir müssen mit ihnen achtsam und respektvoll umgehen. Das Bestehende besitzt einen Wert. Es soll erforscht, verstanden, angepasst und weitergeführt werden – nicht bedenkenlos zerstört. Lokale und natürliche Materialien bieten Potenzial, doch nur, wenn wir ihre regenerativen Kreisläufe respektieren. Architektur braucht Vielseitigkeit: Räume, die offen sind für unterschiedliche Nutzungen, die wandelbar bleiben und so den Lauf der Zeit überdauern können. Diese Haltung wird in Santa Pola erprobt, einer Küstenstadt in der Provinz Alicante im Südosten Spaniens. Einst ein kleines Fischerdorf, veränderte sich Santa Pola in den 1960er Jahren grundlegend: Der aufkommende Tourismus brachte rasches Wachstum und eine Welle von Neubauten. Heute ist der Ort fast vollständig vom Tourismus abhängig, während viele frühere Wirtschaftszweige verstummt sind. Das Projekt widmet sich einem Gebiet, das von zwei verlassenen Orten geprägt ist: einem stillgelegten Steinbruch und dem Gelände einer abgerissenen Werft. Beide haben große städtebauliche Leerräume hinterlassen. Ziel ist es, diese Wunden im urbanen Gefüge nicht zu überdecken, sondern sie zu regenerieren und zurück ins öffentliche Leben zu führen. Ziel ist es, die ausgebeuteten Landschaften– als Narben im städtischen Gefüge zurückgelassen – zu regenerieren und wieder in das öffentliche Leben einzubinden. Um dies zu erreichen, wird das Gebiet als drei miteinander verbundene Teilräume gedacht: der Steinbruch, die Uferzone und die verbindende Straße. Jeder Bereich wird individuell bearbeitet, zugleich jedoch stets als Teil eines größeren Ganzen verstanden. Die Eingriffe erfolgen schrittweise und laden die Gemeinschaft nach und nach dazu ein, diese Orte neu zu entdecken und sich wieder anzueignen. Den Anfang bildet die Neuordnung der Mobilität: Die Straßen Almería und Cádiz werden zu Fußgängerzonen umgestaltet, die Steinbruch und Ufer miteinander verknüpfen. Im Steinbruch wird das Gelände neu modelliert, um neue räumliche Möglichkeiten zu eröffnen. Das verbliebene Siebgebäude wird erhalten und als städtisches Wahrzeichen neu interpretiert – mit flexiblen Arbeitsräumen, Freizeitbereichen und einem Kühlbecken auf dem Dach. Die Uferzone wird in abwechselnden Streifen aus Vegetation und Terrassen gestaltet, sodass entlang des Strandes beschattete öffentliche Räume entstehen. Am ehemaligen Hafentreten zwei Pavillons dem Meer entgegen und bieten Raum für Aktivitäten im größeren Maßstab, wie etwa Wassersport. In ihrer Gesamtheit reclaimen diese Eingriffe vernachlässigte Flächen und verwandeln sie in vielseitige, wandelbare Räume, die sich die Bewohnerinnen und Bewohner aneignen können – als ein neues Kapitel im kollektiven öffentlichen Leben der Stadt.
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