Gelbmann, F. (2025). Formular zur Schadensbewertung von Wiener Hochbauten nach Erdbebenereignissen [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2025.137743
Wien besitzt einen bedeutenden Bestand an historischen Gebäuden aus der Gründerzeit (1848-1918), die aufgrund ihrer Bauweise und ihres Alters besonders anfällig für Erdbebenschäden sind. Das Seebensteiner-Beben von 1972 mit einer Magnitude von 5,3 verdeutlichte bereits die Vulnerabilität der Wiener Bausubstanz, insbesondere die nichttragenden Bauelemente wie Gesimse, Schornsteine und Zierelemente [6]. Trotz der seismischen Gefährdung des Wiener Beckens existierte bislang kein standardisiertes Bewertungsformular in Wien für die schnelle Beurteilung von Hochbauten nach Erdbebenereignissen. Die vorliegende Diplomarbeit entwickelt ein praxisorientiertes Bewertungsformular zur strukturellen Ersteinschätzung von Wiener Hochbauten nach seismischen Ereignissen. Ziel ist es, die strukturelle Gebäudesicherheit rasch und nachvollziehbar zu beurteilen, Gefahren durch herabfallende Bauteile zu minimieren und eine sichere Wiederbenutzung zu ermöglichen. Die Methodik basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche internationaler Bewertungsverfahren aus Kroatien [3], Italien [12], Griechenland [10] und der Schweiz [13]. Die Arbeit analysiert typische Erdbebenschäden an Mauerwerks- und Stahlbetonkonstruktionen nach der EMS-98-Skala und leitet daraus ein auf Wiener Verhältnisse angepasstes Bewertungssystem ab. Das entwickelte Bewertungsformular umfasst vier Seiten mit sechs Abschnitten und ermöglicht eine Gebäudebewertung in etwa 30 Minuten. Es beinhaltet ein Ampelsystem (grün/orange/rot) für die Nutzbarkeitsklassifikation, berücksichtigt sowohl tragende als auch nichttragende Bauteile und integriert externe Risikofaktoren. Ergänzt wird das Formular durch einen Anhang mit Rissbreitentabellen und Beispielfotografien zur einheitlichen Schadensbewertung sowie durch Empfehlungen für kurzfristige Sofortmaßnahmen. Das Ergebnis ist ein fundiertes und praxistaugliches Instrument, das die postseismische Gebäudebewertung in Wien vereinheitlicht und beschleunigt. Damit leistet die Arbeit einen Beitrag zur Erdbebenvorsorge und zum strukturierten Katastrophenmanagement der Stadt Wien.
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Vienna has a large stock of historic buildings from the Gründerzeit period (1848–1918), many of which are vulnerable to earthquakes due to their age and construction methods. The 1972 Seebenstein earthquake (magnitude 5.3) already highlighted the risk of damage to non-structural elements such as cornices, chimneys, and decorative features. Despite the known seismic hazard in the Vienna Basin, there is still no standardised form for the rapid structural assessment of buildings following an earthquake. This thesis develops a practice-oriented assessment form for the initial structural evaluation of buildings in Vienna after seismic events. The research question focuses on how to design safety assessments efficiently, in order to minimise the risk of falling components and enable residents to return to their homes quickly. The methodology includes a literature review of international post-earthquake assessment procedures from Croatia [3], Italy [12], Greece [10] and Switzerland [13]. Typical earthquake damage to masonry and reinforced concrete buildings is analysed based on the EMS-98 scale [16], forming the basis for a system adapted to Viennese conditions. The resulting form consists of four pages structured into six sections and enables a complete building assessment in approximately 30 minutes. It uses a traffic light system (green/orange/red) to classify building usability, considers both structural and non-structural elements, and incorporates external risk factors. The form is supplemented by an appendix containing crack width tables and sample photographs for uniform damage assessment, as well as recommendations for immediate short-term measures. The outcome is a clear, user-friendly tool tailored to the specific characteristics of Vienna’s building stock. It enables standardised, time-efficient safety assessments and supports effective decision-making in emergencies-helping to protect both human life and valuable cultural heritage. This thesis makes a practical contribution to improving earthquake preparedness and disaster response in Vienna.