Wack, S. (2025). Tactical Urbanism in El Carmen de Viboral : partizipative Transformation öffentlicher Räume einer kolumbianischen Kleinstadt [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.125744
E260 - Institut für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen
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Date (published):
2025
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Number of Pages:
302
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Keywords:
Partizipation; Städtebau
de
participation; urbanism
en
Abstract:
Die hegemonial etablierten modernistischen Planungsparadigmen des 20. Jh. sind nicht mehr kompatibel mit den Herausforderungen heutiger Siedlungsformen. Die Folgen von Ressourcenausbeutung an Natur und Mensch äußern sich mittlerweile nicht nur in den Ländern des globalen Südens, sondern auch in Europa. In Kolumbien zeigen sich die gesellschaftlichen Konflikte um Grundbedürfnisse für ein würdevolles und sicheres Zusammenleben täglich und besonders im öffentlichen Raum. Tactical Urbanism dient als Sammelbegriff für alternative Ansätze der Gestaltung dieser Räume. Dort, wo Top-Down-Ansätze bei der Umsetzung planerischer Ziele scheitern, ermöglichen partizipative Transformationsprozesse Zugänge zur Dokumentation, Kommunikation und Bewältigung der Herausforderungen für die Bewohner*innen dieser Räume. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Auseinandersetzung mit den komplexen Verhältnissen Kolumbiens erweitern den Diskurs in Europa und Österreich und leisten einen wertvollen Beitrag zur Bewältigung negativer Entwicklungen im europäischen bzw. österreichischen Kontext. Diese Arbeit ordnet die Hintergründe für die aktuellen Herausforderungen Kolumbiens ein und zeigt auf, wie Tactical Urbanism in diesem Kontext eine hohe Effektivität entfalten kann. Durch die Arbeit engagierter lokaler Akteure in Architektur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wird deutlich, welche Handlungsprinzipien und Schlüsselelemente entscheidend für die Transformation öffentlicher Räume in kolumbianischen Kleinstädten sind. Darauf aufbauend werden diese Erkenntnisse konkret in El Carmen de Viboral, einer Gemeinde im Südosten Antioquias, angewendet. Mithilfe partizipativer Methoden wurden die Bewohner*innen der Gemeinde aktiviert und mehrfach direkt in die Gestaltung ihres öffentlichen Raums eingebunden. Fünf Monate kooperatives, experimentelles Arbeiten vor Ort im Rahmen des Forschungsaufenthalts führten zur Umsetzung mehrerer partizipativer Entwurfsmethoden und zum Konzept für die Gestaltung des Planungsgebiets um die Calle 37 in El Carmen de Viboral. Daraus entstehen neun einzelne Interventionen, die im Kontext des städtebaulichen Entwurfs für die Stärkung der Identität, eine Verbesserung der Infrastruktur und eine nachhaltige Integration natürlicher Grün- und Blauräume sorgen. Die Gemeinde erhält aufgrund ihrer intensiven Zusammenarbeit einen starken Impuls für ihre zukünftige Entwicklung, die sich nicht nur durch abstrakte Visionen und Konzepte auszeichnet, sondern auch direkte praktische Veränderungen vorlebt, welche die Sensibilität der Gemeinde für ihren öffentlichen Raum schärfen. Damit steigt das Nachnutzungspotenzial für die jeweiligen Interventionen nach ihrer Umsetzung deutlich. Der Prozess der Transformation des öffentlichen Raums in El Carmen de Viboral wird damit zukünftig bessere eigenständige Gestaltung ermöglichen.
de
The hegemonically established modernist planning paradigms of the 20th century are no longer compatible with the challenges of contemporary settlement forms. The consequences of resource exploitation affecting both nature and people are now manifesting not only in the countries of the Global South, but also in Europe. In Colombia, social conflicts over basic needs for dignified and safe coexistence are evident daily, particularly in public spaces. Tactical Urbanism serves as an umbrella term for alternative approaches to designing these spaces.Where top-down approaches fail to achieve planning objectives, participatory transformation processes enable access to documentation, communication, and solutions to the challenges facing the residents of these spaces. The experiences and insights gained from engaging with Colombia‘s complex conditions broaden the discourse in Europe and Austria and make a valuable contribution to addressing negative developments in the European and Austrian contexts.This thesis contextualizes the background of Colombia‘s current challenges and demonstrates how Tactical Urbanism can achieve high effectiveness in this context. Through the work of dedicated local actors in architecture, academia, and civil society, it becomes clear which principles of action and key elements are decisive for transforming public spaces in small Colombian towns.Building on this foundation, these insights are applied concretely in El Carmen de Viboral, a municipality in southeastern Antioquia. Using participatory methods, the municipality‘s residents were activated and repeatedly involved directly in shaping their public space. Five months of cooperative, experimental on-site work as part of the research stay led to the implementation of several participatory design methods and the concept for designing the planning area around Calle 37 in El Carmen de Viboral.This results in nine individual interventions that, within the context of the urban design, strengthen identity, improve infrastructure, and sustainably integrate natural green and blue spaces. Due to their intensive collaboration, the municipality receives a strong impulse for its future development, which is characterized not only by abstract visions and concepts but also demonstrates direct practical changes that sharpen the community‘s sensitivity to its public space. This significantly increases the potential for continued use of the respective interventions after their implementation. The process of transforming public space in El Carmen de Viboral will thus enable better independent design in the future.
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Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers