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Diese Arbeit erzählt die Geschichte von der Suche nach der Stille. Es ist die Geschichte des christlichen Mönchtums und der klösterlichen Askese, aber auch eine Geschichte durch Sprache und Kunst, in Bildern, Dichtung und Musik, und die Geschichte eines Gedankens, der im Ringen um Denkbares immer schon vorhanden war. Mit historischen Betrachtungen zur Ordnung monastischen Lebens allein, kommt man dem Thema nicht bei, ohne unversehens im Morast der teils etwas befremdlichen Äußerungen jener ungeheuren Massen zu versinken, die in diesem Bestreben mitgelaufen sind. Und doch kann an der Entstehung und Entwicklung des Mönchtums die Sehnsucht nach einem Augenblick des Schweigens in extremer und ungewöhnlich klarer Weise erzählt werden – eine Ordnung des Lebens nach asketischen Idealen, deren Ursprünge bis selbst weit vor die Zeit der griechischen Antike zurückreichen, die aber doch auch der griechischen Sprache wesentlich entspringt und den Geschichten des Pentateuch, des Alten und Neuen Testaments. Entlang der Zeitläufte des Klostergedankens ist in jeder neuen Bewegung, in jeder Ordensregel und den Arten der vitamonastica ein schattenhaftes Schemenwesen im Hintergrund der Entfaltung klösterlichen Lebens zu erahnen. Ein unbestimmtes, das nicht auf diese oder jene Regelsatzung, ja nicht einmal wirklich auf das Mönchtum oder die Klöster selbst zurückgeführt werden kann. Die Askese, ein so verschieden gedeuteter Begriff, ist im Grunde die Ordnung des Lebens zu einem Ziel hin. Ein Vorgang, der in allem menschlichen Zusammenleben stattfindet und doch viele verschiedenen Namen trägt. Warum und wofür, das sind immerzu die entscheidenden Fragen, die einen Blick darauf ermöglichen, worum es auch in der monastischen Askese wesentlich ging, und woraus vielleicht das asketische Ideal der Mönche selbst sich erst entwickelte. Ein Wesen, das in der Regel des Augustinus oder Basilius, in den Wehen des Lebens eines Franziskus von Assisi, der Weltflucht eines Grenouille in Patrick Süskinds Das Parfum, in den Klängen Arvo Pärts Lamentate: Fragile e conciliante, in Alban Bergs Oper Wozzeck nach Georg Büchner, oder in Die Toteninsel von Arnold Böcklin, ja, in den Tanzbewegungen von Andrey bei Pina Bausch, sich wiederfindet. Es ist die Geschichte eines tief menschlichen Suchens, und der Gefahr, der Versuchung, hinauf gen Abgrund zu stürzen. Gefahren, die auf sich genommen wurden, für etwas. Und um dieses warum und wofür geht es im Kern dieser Arbeit. Aus den Weichen heraus, die auch das klösterliche Leben und die monastische Askese – durch die das Kloster erst denkbar wurde – aus dem Streben nach Stille und Schweigen heraus, entstehen drei Entwürfe von Räumen des Zurückweichens von der Welt. Sie sind das Abbild der historisch-chronologischen Entwicklung klösterlicher Räume, und zugleich ein Zyklus existenzieller Notwendigkeit – bis heute: erst die Einsiedelei in absoluter Weltjenseitigkeit (I. Zelle), dann der Verbund mehrerer Zellen in die räumliche Ordnung des Klosters (II. Die Klausurmauer) und schließlich die Zelle inmitten der Ordnung eines gesellschaftlichen Miteinanders, wieder vereinzelt, aber geborgen im Schutz der anonymen Zwischenmenschlichkeit (III. Werkraum).
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