dc.description.abstract
Diese Arbeit nutzt Werner Hamacher‘s Konzept der Für-Sprache als theoretischen Rahmen, um die Architektur neu zu denken. Sie schlägt vor, dass Architektur die strukturelle Logik der Für-Sprache teilt — des Sprechens für das, was nicht für sich selbst sprechen kann — indem sie einen Raum der Sprache offen hält und sich dem aussetzt, was sie nicht vollständig wissen, darstellen oder lösen kann. Es wird behauptet, dass die Für-Sprache bereits vor dem Beginn irgendeines Aktes des Für-Sprechens in der Architektur angelegt ist. Die Arbeit fragt: Wie wird diese Geste räumlich, und was bedeutet es, in der Architektur Für-Sprache zu praktizieren?Der erste Teil der Arbeit legt die konzeptionelle Grundlage in vier Kapiteln, im Gespräch mit unter anderem Werner Hamacher, Walter Benjamin, Georg Simmel, Gaston Bachelard und Edward Casey behandelt. Für-Sprache wird als eine relationale und räumliche Geste verstanden, bei der die Architektur zum Platzhalter für Wunden, Wünsche und das, was noch keine Form gefunden hat, wird. Innerhalb dieser Argumentation tritt die Schwelle als jene räumliche Figur hervor, in der Für-Sprache greifbar wird. Im Anschluss an Walter Benjamins Unterscheidung von Schwelle und Grenze wird sie nicht als zu überschreitende Linie verstanden, sondern als bewohnbare Zone — als räumliches Intervall, als Weite, in der Transformation und Begegnung Raum finden.Der zweite Teil stellt diese Frage in einem Plädoyer dar. Er übernimmt die Szene des Tribunals, ohne ihrem Verlangen nach einem endgültigen Urteil zu folgen. Vier architektonische Situationen werden als Zeugen herangezogen: Pomerium (Rom), Tarlabasi Bulvari (Istanbul), Gezi Park (Istanbul) und Torre David (Caracas). Jeder Zeuge erscheint als eine Schwelle, die unterschiedliche Bedingungen von Grenzbildung, Vertreibung, Versammlung und Besetzung bezeugt. Dann werden sie durch Hamachers „fourfold“ befragt – Substitution, Nutzen, Richtung, Leere. Die Arbeit, wie Schwellen weiterhin zwischen Trennung und Beziehung, Einfassung und Exposition, Regulation und Offenheit vermitteln.Es fällt kein abschließendes Urteil darüber, was Architektur sein soll. Es wird gezeigt, wie Für-Sprache an und um architektonische Schwellen bereits stattfindet. Architektur erscheint dann weniger als Objekt der Repräsentation oder Problemlösung, denn als räumliche Praxis, die jene Bedingungen offen hält, unter denen Für-Sprache überhaupt erst stattfinden kann.Die Form der Arbeit ist Teil der Argumentation. Anstatt das Für-Sagen von außen zu beschreiben, wird es durch Stimmungstexte, Plädoye, Zeugenschaft, Marginalien und Befragung inszeniert, wobei das Schreiben unter anderem als einer der Orte verstanden wird, an denen architektonische Akte stattfinden.Elif Sanem Özmen01629032
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