Title: Analytisch-empirische Vergleichsuntersuchung der Wachstumsparameter von transnationalen Konzernstrukturen und Tumoren in lebenden Organismen unter besonderer Berücksichtigung des Verkehrssystems
Language: Deutsch
Authors: Frey, Harald
Qualification level: Doctoral
Keywords: Konzernwachstum; Wirtschaft; Economy of scale; Tumorwachstum; Übertragbarkeit von Modellen; externalisierte Kosten von Konzernen
growth of corporations; economy; Economy of scale; tumor growth; assignability of models; externalised costs of corporations
Advisor: Knoflacher, Hermann
Assisting Advisor: Knöbl, Paul 
Issue Date: 2009
Number of Pages: 226
Qualification level: Doctoral
Abstract: 
In der Literatur finden sich mehrere Hinweise zu sprachlichen Metaphern, die das Wirtschaftssystem, Finanzinstitutionen und Konzerne hinsichtlich ihres Wachstumszwanges mit der Ausbreitung eines bösartigen Tumors vergleichen. Krebsmetaphern wurden bereits seit jeher für die Beschreibung des Nichteinhaltens von Grenzen und deren Überschreiten verwendet. Die metaphorische Logik kann dazu genutzt werden, Relationen zu beschreiben und damit helfen, Schwächen der traditionellen Wissenschaftssprachen zu überwinden. Die zu überprüfende zentrale These der Arbeit soll zwischen dem Wachstum von Konzernen und Krebs, wie er in lebenden Organismen metastasiert, nicht nur eine analytische Isomorphie aufzeigen, sondern diese empirisch belegen. Grundlage dafür bildet die Erfahrung der evolutionären Erkenntnistheorie, dass grundlegende Gesetzmäßigkeiten bereits in tiefer liegenden Schichten der Evolution vorhanden sind. Die einzige Verpflichtung der Konzerne besteht gegenüber ihren shareholdern im Streben nach maximalen Gewinn. Diesem permanenten Wachstumsdrang werden alle anderen Werte untergeordnet. Der Konzern bedient sich in diesem Ausbeutungsprozess nicht nur politischer und rechtlicher, sondern vorallem technischer Strukturen. Die transnationalen Konzerne sind bei ihrem Wachstum von den globalen Infrastrukturnetzwerken abhängig. Schnelle Verkehrsinfrastrukturen forcieren Konzentrationsprozesse und erhöhen den Radius der Erreichbarkeit sowohl für die Beschaffung von Rohstoffen als auch der Warenverteilung. Die Erhöhung der Transport- und Reisegeschwindigkeiten in den vergangenen Jahrzehnten hat zur Dominanz großer Konzernstrukturen über lokale Wirtschafts- und Ressourcenkreisläufe beigetragen. Kapital kann durch die weltweit elektronische Vernetzung ohne Reibungsverluste bewegt werden.
Zwingendes Wachstum als Charaktereigenschaft der Konzerne findet sich analog bei bösartigen Tumoren im menschlichen Organismus. Krebszellen lösen sich dabei aus dem Zellverband mit ihren Nachbarzellen heraus und verfolgen nur mehr unbegrenztes Wachstum als Ziel. Dafür benötigen sie sowohl Raum als auch Energie für ihre Versorgung. Krebszellen metastasieren deshalb und bauen ein eigenes Versorgungssystem auf (Tumorangiogenese). Unter Anwendung der Dynamic Energy Budget Theory (DEB) von Kooijman (2000) haben van Leeuwen et.al. (2003) ein Tumormodell entwickelt, welches speziell die Interaktion von Tumor und Wirt betrachtet. Dabei zeigt sich, dass der Tumor, ähnlich wie die Konzerne, sein Wachstum durch (im Vergleich zum Wirt) verringerte Wachstums- und Erhaltungskosten forciert. Diese Externalisierungsprozesse verhelfen auch den Konzernstrukturen zu ihrem Wachstum. Exemplarisch werden für Konzerne externalisierte Kosten dargestellt.
Dabei kann davon ausgegangen werden, dass nur ein Teilbereich dieser Kosten bekannt ist. Für die anderen Indikatoren der externalisierten Konzernkosten wurden Abschätzungen getroffen. Analog zum Tumormodell wurden diese Kosten den Kategorien von Wachstums- und Erhaltungskosten zugeordnet. Anschließend wurde das Tumormodell, das im Wesentlichen auf den Wachstumsgleichungen von Bertalanffy basiert, so modelliert, dass die Wachstumsverläufe des Gewinns, des Umsatzes und des Anlagevermögens der Konzerne abgebildet werden. Über die Abschätzungen zur Größenordnung der externalisierten Kosten werden die Parameter für Wachstums- und Erhaltungskosten entsprechend verändert und dargestellt, wie hoch der monetäre Anteil externalisierter Kosten am Gewinn bzw.
Anlagevermögen ist. Es zeigt sich, dass die jährlich erwirtschaften Gewinne der untersuchten Konzerne zwischen 68% bis über 110 % auf externalisierten Kosten beruhen. Eine Internalisierung dieser Kosten bedeutet durchschnittlich eine Stagnation des Anlagevermögens auf dem Niveau der 1970-1980er Jahre. Die 100 profitabelsten US-Konzerne haben 83% ihrer Wachstumskosten und 73% ihrer Erhaltungskosten nach der vorliegenden Abschätzung externalisiert. Unter Berücksichtigung der Wirksamkeit der Parameter ergibt sich, dass rund 130% ihrer jährlichen Gewinne externalisierte Kosten sind. Mit anderen Worten müssten diese Konzerne ihre jährlichen Gewinne und zusätzlich 30% an die Gemeinschaft abliefern. Eine Kosteninternalisierung bewirkt eine Begrenzung der Vermögenswerte auf dem Wert des Jahres 1969. Lösungen orientieren sich an der naheliegenden Internalisierung von Kosten durch Abgaben, Steuern, usw., dem Rückbau konzernrelevanter Verkehrsinfrastruktur, die Einführung der so genannten "Tobin-Steuer", der flächendeckenden Einführung lokaler Währungen und der Einführung neuer Indikatoren anstelle des BIP (z.B. Index of Sustainable Economic Welfare). Verstößt eine Kapitalgesellschaft gegen Regeln und Gesetze muss sie rechtlich ausgelöscht werden. Der Staat muss in der Lage sein, basierend auf nationalstaatlichen, demokratischen Prinzipien, Einfuhrverbote von Produkten, die Sozial- oder Umweltstandards widersprechen, zu verhängen. Es wurde dargelegt, dass zwischen dem Wachstum der Konzerne und jenem bösartiger Tumore eine nicht nur qualitativ-analytische sonder auch empirisch belegbare Analogie existiert. Die vorliegende Arbeit liefert einen Beitrag auf die verstärkte Berücksichtigung externalisierter Kosten von Konzernen. Die Verknüpfung von Erkenntnissen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen (Technik, Wirtschaft, Biologie, Medizin) liefert dafür notwendige Werkzeuge. Das Verantwortungsbewusstsein der Techniker in diesem Prozess, ist von relevanter Bedeutung für zukünftige Entwicklungen. Wissen über die Wirkungsmechanismen dynamisch rückgekoppelter Systeme und die Verknüpfung wissenschaftlicher Disziplinen im Sinne eines Erkenntnisgewinns sind von Bedeutung.

In literature there are serveral references on linguistic metaphors, which compare the economic system, financial institutions and corporations regarding their obligation to economic growth,with the proliferation of a malignant tumor. Cancer metaphors were used all times for the discription of breaking and overshooting constraints. The metaphorical logic can be used to describe relations and is therefore able to help, to overbear infirmities of the traditional scientific languages. The main thesis of this work to be verified should not only identify an analytical isomorphism between the growth of corporations and cancer (the way it metastazises in living organism), but also proof this empirically. The basis forms the experience with evolutionary epistemology, which shows that substantial regularities already exist in subjacent layers of evolution. Corporations are only commited to their shareholders and the pursuit of maximum profit. All other values become inferior related to this permanent push to growth. In this exploitation process the corporations attend not only political but particularly technical structures. The growth of transnational corporations depend specially on global infrastructure networks. Infrastructure for fast transport forces processes of economic concentration and increase the radius of accessibility for the procurement of raw materials as well as goods distribution. The dominance of large corporation-structures over local economic and ressource-circulations was mainly caused by the increase of transport- and travel-speed in the past decades. Funds can be moved by the worldwide electronic crosslinking without frictional losses. Compelling growth as a characteristic of corporations is analogously found at malignant tumors in the human organism. Cancer cells extract themselves from the united cell structure with their neighbouring cells and follow boundless growth as their only target. They need space as well as energy for their supply. Therefore metastazising cancer cells built up their own supply system (tumorangiogenesis).
Implementing the Dynamic Energy budget Theory (DEB) of Kooijman (2000), van Leeuwen et.al (2003) developed a tumor model which focuses especially at the tumor-host interaction. It shows, that the tumor forces his growth, analog to the corporations, by reducing growth- and maintenance costs (in comparison to the host). These externalisation-processes are mainly responsible for the growth of corporate structures. Paradigms for externalized costs of corporations are exemplarily described. Thereby it can be assumed that only a subrange of these costs is known. For the other indicators of externalized corporation-costs estimations were made. Analogue to the tumor model these costs were assigned to the categories by growth- and maintenance-costs. The tumor model which is based in the essentials on the growth equations of Bertalanffy was thus modeled that the growth courses of the profit, turnover and capital assets of the groups are illustrated. The parameters of the tumor model, which is based primarily on the growth equations of Bertalanffy, were diversified, so that the growth progression of profit, turnover and capital assets of the corporations were reproduced. Estimating the scale of externalized costs, the parameter for growth- and maintenance-costs were accordingly changed and the monetary part of externalized costs of proft and assetts is described. It is shown that the annually earned profits of the examined corporations are based between 68% to 110% on externalized costs. An internalization of these costs implies a stagnation of capital assets at a level of the years 1970-1980 on average. Evaluating the 100 most profitable US-corporations showed, that 83% of their growth- and 73% of their maintenance-costs were externalized. Regarding the effectiveness of the parameters, 130% of the annual profits of the 100 most profitable US-corporations, are based on externalized costs. In other words, these corporations would have to deliver their annual profits and, in addition, 30% to the community. An internalization of these costs would cause a limitation of assets on the value of the year 1969. Solutions should include the obvious internalization of costs by charges and taxation, etc., the deconstruction and redemensioning of corporation relevant transport infrastructure, implementation of the so-called "Tobin tax", the comprehensive initiation of local currencies and of new indicators instead of the BIP (e.g. Index of Sustainable Economic Welfare). If a corporation offends against rules and laws it must be liquidated juridically. A state must be able, based on democratic and national principles, to declare an embargo on imports of products which contradict social or environmental standards. It was demonstrated that there exists not only a qualitative-analytic but also an empirically provable analogy between the growth of corporations and malignant tumors. The present work delivers a contribution on the increased consideration of externalized costs of corporations. Linking the knowledge of different scientific disciplines (technology, economy, biology, medicine) prepares necessary tools. In this process the sense of responsibility of engineers is extremely important for future developments. Knowing and understanding the effect mechanisms of dynamic feedback systems and linking of scientific disciplines for the gain of scientific knowledge are significant.
URI: https://resolver.obvsg.at/urn:nbn:at:at-ubtuw:1-34663
http://hdl.handle.net/20.500.12708/13122
Library ID: AC07806801
Organisation: E230 - Institut für Verkehrswissenschaften 
Publication Type: Thesis
Hochschulschrift
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