Burgenland; village planning; structure; relation public space - private buildings; floor plan system
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Abstract:
"Die Frage ob etwas paßt oder nicht, ist eine Frage der Struktur, und diese wandelt sich ständig." Das architektonische Abbild, das gesellschaftliche und technische Entwicklungen seit der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in burgenländischen Dörfern hinterlassen haben, hat sich jedoch weder an ehemals gegebenen Strukturen orientiert und demnach auch nie gepaßt, noch wurden dadurch neue Strukturen geschaffen, die die Qualitäten des alten Bestandes in die neue Zeit übersetzt hätten. Im Gegenteil, das verständliche Bedürfnis nach zeitgemäßem Wohnraum entlädt sich unverständlich und ungehemmt ohne den geringsten Ansatz einer weiteren Idee, die diesen neuen Mustern inhärent wäre. Dem Wachstum liegen keinerlei Ordnungskraft und kein kulturelles Moment mehr zugrunde. Aus der ehemals landwirtschaftlichen Zweckgemeinschaft des Dorfes ist eine gesellschaftlich weitgehend funktionslose Ansammlung individueller Schlafstätten geworden, die "(...) all das zu zerstören droht, wovon es sich genährt hat: das freie Land, die Unverwechselbarkeit des Ortes, die Traditionen der Gemeinschaft ...". Das ehemals natürliche Regulativ für das Wachstum der Dörfer, der begrenzte Ertrag einer limitierten landwirtschaftlichen Nutzfläche, hat ausgedient. Die Funktion Futterwiese wurde durch die Funktion Bauplatz ersetzt. Unser heutiges Gesellschaftsmodell kennt die Bindung an Grund und Boden nicht mehr, die so entstandenen Brüche im Übergang einer gesellschaftlichen Neuordnung haben jedoch zu keiner Neuordnung der Besitzstrukturen, -größen oder -funktionen alter landwirtschaftlich geprägter Nutzungssysteme geführt. Im Beibehalten dieser alten Ordnungen in der neuen Zeit haben die Flächenwidmungspläne der späten 70er Jahre einen Baulandüberhang für eine theoretische Vervielfachung der Ortsbevölkerung besiegelt, und so stülpt sich bei gleichbleibenden Einwohnerzahlen über das alte Dorf hinweg ein regellose Ansammlung peinlich wirkender Bauten bis weit nach außen in die Landschaft. Das Ziel dieser Arbeit ist es nach gestaltenden Kräften der ländlichen Siedlungsentwicklung zu suchen.Ausgehend von den historischen Strukturbildungen hin zu den aktuellen Musterbildungen sollen die gefundenen Ursachen mit dem Abbild der Bebauungen in einen kausalen Zusammenhang gestellt werden, um die Prozesse dahinter beschreiben und zukünftige Entwicklungen prognostizieren zu können. Auf dieser Basis soll ein Handlungsstrang formuliert werden, der für bestehende Lücken des Ortsverbundes und vor allem der zunehmend entvölkerten Ortskerne ein (Bau)System loser Kopplung entwickelt, das die Lücken zu schließen vermag und sich am Ende jeder Entwicklung immer wieder zu einer städtebaulich geschlossenen und weiter entwickelbaren Struktur verwandelt. Über einen anderes System, als jenes der ohnehin nicht vorhandenen Bebauungspläne, soll den Grundstücken ihre letztendliche Bestimmung als Teil eines übergeordneten Schemas vorwegprogrammiert werden. Das bedeutet, selbst wenn in der Mitte einer weiten Wiese begonnen würde, müssten sich schlußendlich die einzelnen Grundstücke und Bauten zu einem großen Ganzen fügen. Denn aus Sicht der Gemeinden weit schwerwiegender als der gedankenlos verschwenderische Bodenverbrauch ist die mentale und physische Absenz der Bewohner. Die dörfliche Struktur stirbt an der Verödung ihres Raumes, der nur mehr als Absprungrampe fungiert. Den konstituierenden Kräften moderner Siedlungsformen aber ist die Notwendigkeit der Bedachtnahme auf solche gemeinschaftlichen Funktionen nicht inhärent. Die so neu entstandenen Siedlungsmuster sind Inseln privater Abgeschiedenheit, von langen Privatstraßen erschlossen, von Öffentlichkeit keine Spur. Aufgabe ist es, dem losen Regelwerk zur Bau- und Siedlungstätigkeit ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Zweckgebundenheit einzuschreiben und diese auch jenen zu vermitteln, die davon betroffen sein werden. Für die Bebauung dieser Grundstücke muß folglich ein kleines beispielhaftes Repertoir an Grundrissen und Kubaturen entwickelt werden, das sich nicht nur der mangelnden Paßgenauigkeit widmet, sondern auch dem verloren gegangenen kulturellen Moment des Bauens. Dem Hornbach Baukünstler kann dies Anleitung, Inspiration oder Readymade sein, eine Hilfestellung jedenfalls, will er das Potential seines Grundes optimal nutzen.<br />