dc.description.abstract
In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach agilen und reaktionsschnellen Robotersystemen erheblich gestiegen, was schnelle und zuverlässige Bahnplanungsalgorithmen erfordert. Die Bewegungsplanung von Robotern war Gegenstand umfangreicher Forschungsarbeiten, die zu verschiedenen Lösungen geführt haben. Trotz der Vielfalt der verfügbaren Bewegungsplanungsmethoden ist die Berechnung einer kollisionsfreien Bahn in Echtzeit unter systematischer Berücksichtigung von Zustands- und Stellgrößenbeschränkung je nach Anwendungsfall eine Herausforderung. Bei vielen industriellen Bewegungsplanungsaufgaben, wie z.B. Montage- oder Pick-and-Place-Aufgaben, treten wiederkehrende Bewegungen in sehr ähnlichen Szenarien auf, bei denen die Start- und Zielpositionen innerhalb vordefinierter Teilräume bleiben und nur kleine Abweichungen aufweisen. In solchen Fällen ist es nicht notwendig, die gesamte Trajektorie komplett neu zu berechnen, da die sich wiederholende Natur des Prozesses ausgenutzt werden kann. Diese Arbeit widmet sich diesem Thema und entwickelt rechnerisch effiziente Lösungen, die in Echtzeitanwendungen eingesetzt werden können.Die vorgeschlagenen Konzepte basieren auf physikalischen Modellen und nutzen fortgeschrittene Optimierungsmethoden, um Trajektorien zu generieren, die Hindernisse vermeiden mit der Systemdynamik konsistent sind. Die Konzepte werden durch Simulationen und Experimente auf verschiedenen Plattformen evaluiert, um ihre Effektivität bei der Erzeugung kollisionsfreier und dynamisch realisierbarer Trajektorien in Echtzeit zu demonstrieren. Dies trägt zur Verbesserung der Leistung von Robotersystemen bei und ermöglicht agilere und reaktionsfähigere Systeme, die sich an veränderte Umgebungen und Anforderungen anpassen können.In dieser Arbeit wird das folgende Szenario betrachtet. Ein 3D-Portalkran im Labormaßstab wird verwendet, um Güter oder Materialien von einem bestimmten Ort zu einem anderen Ort in einer statischen Umgebung mit bekannten Hindernissen zu transportieren. Ziel ist es, eine zeitoptimale Trajektorie von einem gegebenen Startpunkt zu einem gegebenen Zielpunkt zu planen, wobei sowohl Hindernisse als auch dynamische Beschränkungen für Zustandsvariablen und Stellgrößen berücksichtigt werden. Der Fokus der Arbeit liegt darin eine schnelle Trajektorienplanung in Echtzeit zu realisieren, wenn sich der Start- und/oder Zielpunkt ändert oder bewegt. Zu diesem Zweck werden zwei Konzepte für die Trajektorienplanung vorgeschlagen. Das erste, in dieser Arbeit vorgeschlagene Konzept basiert auf dem informierten optimalen Rapid Exploring Random Tree-Algorithmus (informierter RRT*). Mit diesem Algorithmus werden Trajektorienbäume erstellt, die für die Neuplanung wiederverwendet werden können, wenn sich der Start- und/oder Zielpunkt ändert. Im Gegensatz zu bestehenden Ansätzen enthält der vorgeschlagene Algorithmus einen lokalen Planer basierend auf einem linear quadratic minimum-time (LQTM) Algorithmus. Um die Effizienz des Algorithmus weiter zu verbessern, wird die Branch-and-Bound-Methode integriert. Dadurch werden Punkte im Baum eliminiert, die nicht dazu beitragen, bessere Lösungen zu finden, was den Speicherbedarf und die Rechenkomplexität reduziert. Simulationsergebnisse anhand eines validierten mathematischen Modells eines 3D-Portalkrans im Labormaßstab belegen die Brauchbarkeit des vorgeschlagenen Ansatzes. Die Ergebnisse zeigen, dass der vorgeschlagene Trajektorienplanungsalgorithmus nahezu zeitoptimale und kollisionsfreie Trajektorien generieren kann, während er gleichzeitig dynamische Beschränkungen und Änderungen der Zielzustände berücksichtigt. Insgesamt bietet das vorgeschlagene Konzept eine neue und innovative Lösung für eine schnelle und effiziente Trajektorienplanung in Umgebungen mit Hindernissen. Durch die Integration des lokalen LQTM Planers und der Branch-and-Bound-Methoden kann der Algorithmus dynamische Eigenschaften systematisch berücksichtigen und die Berechnungseffizienz verbessern, so dass er sich für eine schnelle Neuplanung eignet. Das erste Trajektorienplanungskonzept bietet eine gute Lösung für Online Neuplanungsaufgaben. Um jedoch ein sich dynamisch bewegendes Ziel zu berücksichtigen, muss der Trajektorienbaum neu berechnet werden, was die Echtzeitfähigkeit einschränkt. Daher wird ein zweites optimierungsbasiertes Konzept für die Trajektorienplanung entwickelt. Dieses besteht aus zwei Hauptkomponenten, nämlich einem Offline-Trajektorienplaner und einem Online-Trajektorienreplanner. In der Offline-Phase wird eine zeitoptimale, kollisionsfreie und dynamisch konsistente Trajektoriendatenbank erzeugt, indem alle möglichen Trajektorien berechnet werden, die den vordefinierten Unterraum der Startpunkt mit dem Unterraum der Zielpunkte verbinden. Die resultierende Trajektoriendatenbank wird dann für die Online-Nutzung gespeichert. In der Online-Phase nutzt der Trajektorienplaner diese Datenbank, um eine optimale Trajektorie in Echtzeit zu erzeugen. Der Online-Trajektorienplaner basiert auf einem linearen, beschränkten quadratischen Programm. Der Online-Planer berücksichtigt alle Änderungen des Zielzustands und stellt sicher, dass die generierte Trajektorie kollisionsfrei und dynamisch konsistent ist. Um eine genaue Bahnverfolgung zu gewährleisten, wird ein Trajektorienfolgeregler entwickelt, der die dynamischen Beschränkungen des Portalkrans berücksichtigt und Modellungenauigkeiten, Störungen und andere nicht modellierte Effekte kompensiert. Die Simulationen und experimentellen Ergebnisse zeigen die Brauchbarkeit des vorgeschlagenen Konzepts für die Trajektorienplanung und Regelung des 3D-Portalkrans. Das Konzept generiert glatte und zeitoptimale Trajektorien, die den dynamischen Einschränkungen des Systems genügen und Hindernissen in Echtzeit ausweichen.Aufgrund der Allgemeingültigkeit ist das vorgeschlagene optimierungsbasierte Trajektorienplanungskonzept nicht auf den 3D-Portalkran beschränkt und kann auf andere Robotersysteme angewandt werden. Um dies zu demonstrieren, wird der Algorithmus dazu eingesetzt, ein sphärisches Pendel mit Hilfe eines Roboters mit 7 Freiheitsgraden KUKA LBR 820 iiwa 14 von einer in einem bestimmten Arbeitsbereich beliebigen Ausgangslage in die obere Ruhelage auf zu schwingen. Die mit dem Algorithmus geplante Trajektorie wird mit einem zeitvarianten Riccati-Regler stabilisiert. Die Simulationen und die experimentellen Ergebnisse bestätigen die Funktionsfähigkeit des vorgeschlagenen Konzepts.
de