Zwischenraeumliches bezieht sich nicht auf das Zwischenraeumliche in der Architektur, sondern nur auf die vielschichtige Struktur des Buches, die einen Versuch darstellt, unterschiedliche Thematiken von Raeumen, Prinzipien und Momenten in eine verflochtene und dennoch lose Verbindung zu bringen, die durch eine Abwechselung vermittelt wird. Der Zwischenraum innerhalb der Kapitel wird durch die Abwechselung unterteilt. Diese Zwischenraeume dienen als Bruecke, Ueberleitung und als Vorraum zur naechsten Abhandlung. Die eigentliche Thematik des Buches bzw. der Arbeit ist die Bewegung in der Architektur, was als Mittel dienen soll, die Temporalitaet und ihre Wirkung auf das Raeumliche zu untersuchen. Die Bewegung betont nicht nur die Problematik des Zeitlichen und des Raeumlichen, sondern sie impliziert zusaetzlich eine neue Sichtweise gegenueber der Generierung von Raeumen oder von Raumbegriffen, die aus dem Wunsch entstanden ist Raeume in komplexeren zeitlichen Zusammenhaengen zu untersuchen, wodurch zwei verschiedene Sichtweisen ermoeglicht werden von denen eine, den aus der Bewegung entstandenen Raum sowohl auf seine virtuellen als auch perzeptiven phaenomenologischen Eigenschaften zurueckfuehrt und die andere die Transformation eines Raumcharakters Zu einem anderen durch die kraftvolle Bewegung in dynamischer und physischer Form, betont. Durch Bewegungen entstandene, kinetische Prozesse generieren neue Raeume. Als ein Beispiel fuer solche Raeume werden der Tanz und der dabei entstehende Tanzraeume herangezogen, und aus einer raeumlich architektonischen Perspektive betrachtet. Dieser virtuelle Tanzraum, wird sichtbar gemacht durch bestimmte Techniken des Lichtes, der langsamen Photographie bzw. der Langzeitbelichtung. Die sichtbar gemachten Spuren weisen auf ein fluides, komplexes Raumgebilde, das die Konfiguration und das Verstaendnis der Architektur, das immer schon auf der sogenannten Stasis aufgebaut war, in einem neuen Licht erscheinen laesst. Der Biologe, D'Arcy Thompson, veranschaulicht durch sein System der kartesischen Transformationen, komplexe physische Transformationsmodelle von Lebewesen, deren alleinige Ursache physikalische Einfluesse der Umgebung, wie Krafteinfuehrung, Druck, Lichtverhaeltnisse, etc., sind. Das von ihm ausgewaehlte Beispiel des Marmorpapiers weist auf aehnliche Mechanismen der Deformationen und Reaktionen infolge von, wie auch immer beschaffenen, Krafteinfluessen. Analog dazu stellt sich die Frage, ob man mit architektonischen Raeumen aehnliche Vorgaenge der Transformationen, zur Schaffung neuer Raumarten, simulieren kann. Diese Deformationen und somit dieses Denkmodell verfuegen insofern ueber einen fluiden Charakter, da sie in ihrem Wesen aeusseren Einfluessen ausgesetzt sind. Die Problematik der Architektur der 90er Jahre, die die dynamische und fluide Transformation thematisiert, entsteht aufgrund der Virtualitaet der Computersimulationen, die das einzige vermittelnde Medium waren. Die fluide und bewegliche Architektur findet ihren Ausdruck nur in den computerunterstuetzten Methoden und kann sich nicht in der realen und physischen Gegebenheiten manifestieren bzw. war das real Manifestierte die erstarrte Form jener durchgefuehrten Transformationen, die urspruenglich natuerlich aus Bewegungen entstanden sind, die jedoch in gebauter Form nur wenig mit jener anfaenglichen Dynamik der Raumtransformation gemeinsam haben. Somit ist die Architektur wieder mit der Problematik der Stasis konfrontiert, weshalb sich neue Fragen, ueber die Handhabung der neuen Situation, stellen. Diese Dynamik soll nicht nur als ein Prozess fuer die Entstehung und Generierung von Formen dienen, sondern vielmehr koennten sie auf eine Art weitergefuehrt und weiterentwickelt werden um ihre Entsprechung in der Realitaet und im realen Bild zu finden. Der Tanzraum eignet sich fuer solche Art von Raumexperimenten, bei denen die Bewegung und die Kinetik die Kunst der Architektur wesentlich mitbestimmen. Diese Experimente des dynamischen Tanzraums sollen anhand von zwei Buehnenprojekten, deren dynamische und bewegliche Realitaet in erster Linie im physischen Sinne ihren Ausdruck finden, naeher analysiert werden. Im weiteren werden gewisse Studentenprojekte angefuehrt, um genau jene Entwurfsprozesse der Generierung von dynamischen Formen zu veranschaulichen. Es gibt zwei Ebenen der Prozessualitaet, von denen eine sich mit der Generierung von Formen anhand parametrischer Arbeitsweise auseinandersetzt und die andere sich intensiv mit diesen Prozessen befasst, um sie in der Realitaet, im Sinne von tatsaechlicher Bewegung weiter fuehren zu koennen. Die Falte ist, indem sie eine Infinitaet darstellt, ein spezielles Modell dieser fluiden Transformationen. Die Infinitaet ist vor allem in der geschmeidigen Falte zu sehen, von der sich das andere Modell der Falte, naemlich die geknickte Falte darin unterscheidet, dass sie, im deleuzischen Sinne, einen gekerbten Raum impliziert, da die Knickungen durch ihre eindeutigen Spuren, Information, in Form von Koordinaten, von Modulationen des Materials, vermitteln. Das Material in dem Fall wird also soweit geknickt, bis es Territorien und Grenzen definiert und dadurch zu einem Informationstraeger wird, der sich in festen Geometrien praesentiert. Im Gegensatz dazu stellt eine fluide geschmeidige Falte ein glattes Raummodell dar, das sich nahezu richtungslos ins Unendliche ausdehnt. Das Raumgenre dieser geschmeidigen Form der Falte laesst immer einen neuen Raum entstehen, indem es AEusseres und Inneres ineinander fliessen laesst, und sich dadurch zu einem fliessenden Raummodell bekennt. In der folgenden Abhandlung vom Zwischenraeumlichen werden die zwei unterschiedlichen Faltmodelle anhand von zwei verschiedenen Buehnenbilder von Tanzauffuehrungen dargestellt. Hierbei wird sichtbar, dass diese geknickte Form auch eine Kurvelinearitaet veranschaulicht und eine hoehere Form von Dynamik und Kongruenz mit der menschlichen Bewegungsform aufweist. Es zeigt sich, dass obwohl beide Faltmodelle, das geknickte und das geschmeidige, vom Prinzip der Falte ausgehen, dennoch unterschiedliche Ergebnisse bezueglich der entstandenen Raeume, bei gleichzeitigem Erhaltenbleiben gewisser gemeinsamer Eigenschaften, aufweisen. Das geknickte Modell bezieht sich auf die Flaeche und das geschmeidige auf den Raum. Bei diesen Buehnenprojekten geht es nicht etwa um die Fluiditaet, denn die Fluiditaet ist ein blosses Ergebnis von Bewegungen. Eine fluessige Architektur deutet auf ein System von Ereignissen hin, in dem Raum und Zeit als offene, multiple Kategorien und als Vielfaeltigkeiten Organisierende, aber nicht gesteuert von einem Verlangen, nach Hierarchie oder Ordnung, sondern als kreative Kraefte diktierende Komposition, simultan vorhanden sind. Das Fluide ist nicht nur ein Materialzustand, sondern es impliziert vor allem eine Bewegung, indem es fliesst und dadurch Formen simuliert und generiert, und so eine Extension der Zeit betreibt. Aus diesen Ueberlegungen entsteht der Wunsch herauszufinden, wie die sogenannte fluide Form zustande kommt und wieweit sie das Ergebnis von aeusseren parametrischen Einfluessen, zu denen sogar wahrnehmungsphaenomenologische Zustaende gehoeren, ist. Im Sinne von einer Prozessualitaet kann eine komplexere Form von Architekturverstaendnis, die letztlich aus der Bewegung stammt, erreicht werden.