Seiß, R. (2007). Politische und ökonomische Aspekte der Wiener Stadtentwicklung seit 1989 [Dissertation, Technische Universität Wien]. reposiTUm. http://hdl.handle.net/20.500.12708/181968
Gegenständliche Forschungsarbeit widmet sich der Stadtentwicklung Wiens seit der Ostöffnung 1989, die für Österreichs Bundeshauptstadt eine neue und bis dato andauernde Dynamisierung - sowie, damit einhergehend, einen Paradigmenwechsel in der Planungspolitik mit sich gebracht hat. Verstärkt durch den EU-Beitritt Österreichs 1995 und die fortschreitende Globalisierung stieg auch der Einfluss ökonomischer Interessen auf die Stadtentwicklung, sodass sich die Kommunalpolitik Wiens zunehmend und prioritär auf die Stärkung des Wirtschaftsstandorts ausrichtete. Die Untersuchung versucht, diese Entwicklung anhand der wichtigsten Planungen, Projekte und Baumaßnahmen der letzten knapp zwei Jahrzehnte zu belegen und das damit verbundene Abgehen von einer langfristigen, gesamtstädtischen und auf den Ausgleich von Disparitäten bedachten Stadtplanung hin zu einem - auf oft spontanen, relativ kontextlosen Einzelvorhaben basierenden - "Entwicklungsmanagement" darzustellen.<br />So verlief die faktische Stadtentwicklung ab Mitte der 1990er Jahre kaum mehr konform mit den übergeordneten Leitbildern: Eine Vielzahl vor allem großmaßstäblicher Baukomplexe entstand in deutlicher Abweichung von den geltenden planungs-, verkehrs- und grünraumpolitischen Grundsätzen - und zwar keineswegs im Widerspruch zum Rathaus, sondern mit dessen planerischer, infrastruktureller und finanzieller Unterstützung. Solches war und ist möglich, da Wien - als Gemeinde und Bundesland in einem - die einzige Stadt Österreichs ist, die sich keiner übergeordneten Planungsebene gegenüber verantworten muss. Ein weiterer Grund liegt in zahlreichen, über Jahrzehnte gewachsenen wirtschaftlich-politischen Verflechtungen, die zu wechselseitigen personellen wie institutionellen Abhängigkeiten zwischen der Stadt Wien und potenten Akteuren am Immobilienmarkt führten. Der international zu beobachtende Widerstreit zwischen den Interessen der Planungspolitik einerseits und den Begehrlichkeiten von Konzernen und Investoren andererseits wird in Wien daher vielfach nicht von Gegnern sondern von Partnern ausgetragen.<br />Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, konkret zu erforschen, welche politischen und ökonomischen Intentionen - im Widerspruch zu fachlichen Grundsätzen aber auch zu planungspolitischen Leitbildern und Ankündigungen - die Stadtentwicklung Wiens von 1989 bis heute bestimmten, respektive nachzuweisen, in welchem Ausmaß, mit welchen Motiven und mit welchen sozialen, gesellschaftspolitischen, urbanistischen, ökologischen und volkswirtschaftlichen Konsequenzen dies geschah. Damit will die Dissertation einen fundierten Input zum städtebaulichen und raumplanerischen Fachdiskurs in Wien und darüber hinaus liefern - und mittelbar zu einer demokratischeren und nachhaltigeren Stadtentwicklung beitragen.<br />Für eine konsistentere und - im Sinne von Demokratie und Nachhaltigkeit - bessere Planungskultur lassen sich aus dieser Arbeit fünf grundsätzliche Forderungen an die Wiener Kommunalpolitik ableiten:<br />* Seriöse Information und offene Diskussion statt Stadtmarketing und politischer PR * Stärkung der Kontrollfunktion der Medien durch Rücknahme städtischen Einflusses * Controlling der Stadtentwicklung durch Evaluierung weitgehend verbindlicher Pläne * Partizipation der Bevölkerung samt Aktivierung und "empowerment" durch die Stadt * Gleichbehandlung aller statt Begünstigung einzelner auf Kosten der Allgemeinheit
de
This dissertation is attended to Vienna's urban development since the break down of the communistic regimes in Middle Europe in 1989, which has caused a new and ongoing dy-namic sampling of Austria's capital as well as a paradigm shift in Vienna's planning policy.<br />Intensified by Austria's EU entry and the proceeding globalisation, also the influence of economic interests on the urban development has increased, so that Vienna's local affairs have focussed on the strengthening of the city as a business location. The detailed analy-sis tries to document that evolution on the basis of the most important plannings and build-ings of the last two decades - and to retrace the exit from a long-term, over-all and on the compensation of disparities intented urban planning to a "development management", based on spontaneous, more or less incoherent singular projects. The aim of the disserta-tion is, to research the political and economic motives behind that change as well as it's urbanistic, ecological, sociopolitical and macroeconomic consequences.<br />