Idam, F. V. (2003). Gelenkte Entwicklung : Industriearchäologie in Hallstatt ; industrielle Muster unter der alpinen Idylle [Dissertation, Technische Universität Wien]. reposiTUm. http://hdl.handle.net/20.500.12708/183321
E257 - Institut für Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Industriearchäologie
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Date (published):
2003
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Number of Pages:
427
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Keywords:
Hallstatt; Industriearchäologie; Siedlungsgang; Geschichte
de
Abstract:
Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut gilt als Denkmalgebiet von so herausragender Bedeutung, dass es 1997 in die "World Cultural Heritage" - Liste der UNESCO aufgenommen wurde. Die historischen Bausubstanz dient vorrangig als Kulisse für die touristische Nutzung des Ortes. Bauliche Interventionen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dem beginnenden 21. Jahrhundert fallen dabei größtenteils in die Kategorie "Imitationskitsch" und transformieren die seit dem Mittelalter nahezu ausschließlich zur Salzproduktion genutzte "single factory town" zu einer alpinen Idylle. Der fahrlässige Umgang mit der historischen Substanz hat aber, wie am Beispiel der Tourismusentwicklung in Hallstatt abzulesen ist, keinen nachhaltigen kommerziellen Erfolg gebracht. Unter dem Label "UNESCO Welterbe" könnte eine Neuorientierung der Fremdenverkehrswirtschaft zum Qualitätstourismus hin eingeleitet werden. Eine Grundvoraussetzung zur Realisierung dieses Konzepts ist die Authentizität des gesamten Ensembles, wobei die fachlich korrekte Sicherung und erhaltende Nutzung der noch vorhandenen Bausubstanz nur auf der Grundlage einer systematischen Bauforschung erfolgen kann. In der vorliegenden Arbeit werden mit der Edition des historischen Planmaterials und der darauf gegründeten Analyse der abstrakten Gestaltungskriterien erste Schritte gesetzt. Nach einer systematischen Durchsicht bisher unbearbeiteter oder nur teilweise bearbeiteter Faszikel aus den Beständen des Wiener Hofkammer- und Finanzarchivs können bisher unbekannte Primärquellen vorgelegt werden. In diesen neu erschlossenen Quellen finden sich neben unmittelbaren Angaben zum Bauwesen auch Daten über die industriellen Erzeugungsabläufe, die es erlauben, indirekt auf die funktionale Anordnung der Anlagen zu schließen. Die für das Untersuchungsgebiet relevanten Plandokumente, Bilder und Handschriften sind im Rahmen dieser Arbeit digital als Bilddateien erfasst worden, während wichtige schriftliche Quellen unter Beibehaltung der ursprünglichen Orthographie in Word-Dokumente umgeschrieben und kommentiert worden sind. Für Leser, die mit der Topologie des Untersuchungsgebietes nicht vertraut sind, ist ein kurzer Abriss, der die wesentlichsten Fakten enthält, ausgearbeitet. Das vorrangige Bestreben des Landesherrn und der staatlichen Verwaltung bestand darin für die industrielle Salzproduktion nachhaltig wirkende, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Daraus kann die über Jahrhunderte wirksame, signifikante Einflussnahme im Untersuchungsgebiet erklärt werden. Neben langfristigen betriebs- und verwaltungstechnischen Planungen, energiewirtschaftlichen Vorgaben und der Regulierung des Transportwesens wurden oft auch die nebensächlichsten Detailprobleme aus den unterschiedlichsten wirtschaftlichen und sozialen Bereichen determiniert, und damit die Entwicklungslinien des Untersuchungsgebietes geprägt. In einer Zusammenschau mit den gesamtstaatlichen Tendenzen sind diese Zusammenhänge dargestellt, wobei sich über das bearbeitete Quellenmaterial zum Teil neue Sichtweisen erschließen. Neue und abgesicherte Ergebnisse konnten auch auf dem Gebiet lokaler, nicht metrischer Maßeinheiten erzielt werden, die im Anhang festgehalten sind. Das Themenfeld der Salzerzeugung, das von der primären Produktion im Pfannhaus bis zur Umformung des Rohprodukts in eine transportabel verpackte Handelsware reicht, ist für den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert umfassend dargestellt. Die historischen Pläne sind als Gesamtaufmaß betrachtet oft ungenau und verzerrt, wobei im selben Ausmaß auch die latent vorhandenen geometrischen Grundmuster mitverzerrt und damit nicht mehr sicher rekonstruierbar sind. Zur Ehrenrettung der Verfasser der historischen Pläne muss bedacht werden, dass die Aufnahme längerer Kontrollmaße und damit der großräumigen Muster in den engen, teilweise gewundenen Gassen äußerst schwierig war, und erst mit Hilfe moderner Messtechniken eine exakte Aufnahme des Bestandes möglich geworden ist. Die Aufmaße einzelner Objekte oder auch Baublöcke hingegen, erweisen sich im historischen Material oft als sehr genau und auch für eine exakte Untersuchung durchaus brauchbar. Aus diesen Gegebenheiten war zur genauen Rekonstruktion der ursprünglichen Muster eine grafische Entzerrung des historischen Planmaterials erforderlich. Dabei wurden die Blätter digital als Pixelgrafiken erfasst und manuell in Vektorgrafiken umgewandelt. Als exakte Aufnahme des Untersuchungsgebietes liegt die Digitalen Katastral Mappe des Bundesamtes für Eich und Vermessungswesen als AutoCAD Datei vor, welche Messgenauigkeiten im Zentimeter-Bereich erlaubt, wodurch Interpretationen, die nur dem Wunschdenken des Forschers entsprungen sind, leicht als Fehleinschätzungen erkannt werden können. Die untersuchten Strukturen beinhalten mehrere übereinanderliegende Layer, wie Grundstücksgrenzen, Wegemuster und die Gebäudegrundrisse, die in zahlreichen Plandarstellungen erfasst sind. Im Zuge dieser Untersuchungen verdichteten sich immer mehr Indizien zu einem Gesamtbild, aus dem eine gewollte mitelterliche städteplanerische Konzeption des Untersuchungsgebietes abgeleitet werden kann. Auf diesen Ergebnisse aufbauend war es in weiterer Folge möglich, die Lage und Gestalt der durch eine Brandkatastrophe in der Mitte des 18. Jahrhunderts zerstörten Produktionsanlagen und öffentlichen Gebäude im rezenten Ortsgefüge zu lokalisieren. Für den Markt Hallstatt kann nunmehr davon ausgegangen werden, dass das auf den ersten Blick "organische gewachsen" anmutende Ortsgefüge auf einem geometrisch, streng systematischen Muster gegründet ist.
de
Hallstatt in the Upper Austrian Salzkammergut is considered an area of preservation of such importance, that it is on the list of the "World Cultural Heritage" of the UNESCO since 1997. Defining Single Factory Towns as places where one company structures the entire communal life, Hallstatt could be considered as the European prototype of this form of settlement. Making abstraction of the prehistorical mining the treatment of the brine that was extracted in the saltworks of Hallstatt took place since 1305 and demanded at this very early stage an appropriate concentration of the plant, specific forms of manufacturing, organisation, as well as a certain technology and structure of transportation. Within the scope of this project the site of the historical central area of the so called "market" will be investigated, that was completely destroyed in 1750 by a conflagration and structurally overworked in the following period. In the course of this the structural or functional development within the company of the area of investigation will be analysed and reconstructed with the aid of methods of the industrial archaeology. In future those parts of the surviving structures of buildings and paths that correspond with the original ones will be recorded. This process can be seen as an analogy to a "Palimpsest", whose erased original text still shimmers through and eventually influences or even marks the new text. In comparison to nowadays use for living and business purposes of the area of investigation, the durability and suitability of the original industrial urban pattern for later reuse is to be shown. In the course of the editing and studying of sources an inventory will be made of all cadaster maps, site plans and building plans from divers stocks of archives and they will be digitalized with the modern technology of picture processing. Without touching and thus endangering the originals furthermore, this records will later on be "restored digitally" on separate layers. By this procedure the contents of the plans can be revealed without loosing the handed down pictorial information.