Ateş, S. (2023). Urban Galata: Handlungpraktiken zur Raumaneignung und Besetzung von öffentlichem Straßenraum. Feldstudie in Istanbuls Geschäftsviertel [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2023.107202
Urban design; public space; informal use of public space; Istanbul; Galata district; Gecekondular
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Abstract:
Der Altwarenhändler direkt vor dem Galata-Turm ist da. Er preist laut schreiend seine Ware an. Eine alte Frau handelt um den Preis der Matratze. Die Menschen kommen und gehen. Die Warteschlange vor dem Turm reicht bis zum Mais-Wagen.Die Nutzung des urbanen Raums und die Handlungspraktiken der Menschen im Straßenleben prägen das Bild einer Stadt. Die Straßen definieren nicht nur geometrische Orte, sondern sie bilden Alltagsräume für die Öffentlichkeit. Das Verständnis der Straßenräume unterscheidet sich jedoch, abhängig von der Handlung, von menschlichem Verhalten oder politischen und wirtschaftlichen Normen. Auch werden die urbanen Räume in unterschiedlichen Kulturkreisen unterschiedlich wahrgenommen. Die Stadt Istanbul beinhaltet vielfältige spontane und ungeplante Aktivitäten im öffentlichen Raum. IstanbulerInnen nutzen die Straßen nicht nur als einen Durchgangsraum, sondern sie verwenden den städtischen Raum auch für ihre häuslichen und kommerziellen Aktivitäten. Durch diese Art von Verständnis des urbanen Raums entstehen unklare Definitionen von öffentlichen und privaten Räumen, da urbane Räume in diesem Sinne auch für private Zwecke verwendet werden können. Viele dieser Aktivitäten im öffentlichen Raum sind illegal oder informell, werden aber größtenteils toleriert. Insbesondere das vielfältige und multikulturelle Galata-Viertel in Istanbul weist mit seiner bedeutenden Handels- und Konsumkultur spannende Beispiele für die informelle und spontane Raumbildung und Aneignung im urbanen Raum auf.Wie sich die urbane Raumaneignung durch diverse Handlungspraktiken in dem Istan-buler Geschäftsviertel manifestiert, in welcher Weise sich die TagesbenützerInnnen des Galata-Viertels den Straßenraum aneignen und was solche mehrschichtigen Gebiete, die den menschlichen Aktivitäten eine besondere Bedeutung verleihen, für die Stadt und ihre BewohnerInnen bedeuten, wird in dieser Arbeit analysiert. Außerdem beinhaltet der auf den ersten Blick unruhig und unregelmäßig wirkende Straßenraum ein in sich hoch organisiertes System. Die Unordnung, beziehungsweise die auf informelle Weise geplante Straßenordnung, machen die menschlichen Beziehungen und Handlungen im Galata-Viertel sichtbar. Dieses Phänomen der Besetzung und Raumaneignung durch diverse Handlungspraktiken kann als ein Instrument zur Förderung des Zusammenseins und der partizipativen Gestaltung und Nutzung von öffentlichen Räumen gesehen werden.
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The junk dealer right in front of the Galata Tower is there. He is shouting loudly to sell his goods. An old woman bargains for the price of the mattress. People come and go. The queue from the tower comes up to the corn cart.The use of urban space and the action practices of people in street life shape the image of a city. Streets not only define geometric places, but they form everyday spaces for the public. However, the understanding of street spaces differs depending on the action, human behaviour or political and economic norms. Urban spaces are also perceived differently in different cultural circles.The city of Istanbul contains diverse spontaneous and unplanned activities in public space. Istanbul residents use the streets not only as a transit space, but they also use urban space for their domestic and commercial activities. This kind of understanding of urban space creates unclear definitions of public and private spaces, as urban spaces can be used for private purposes in this sense. Many of these activities in public space are illegal or informal, but largely tolerated. In particular, the diverse and multicultural Galata district in Istanbul, with its significant commercial and consumer culture, has exciting examples of informal and spontaneous space-making and appropriation in urban space. How the urban appropriation of space manifests itself through diverse practices of ac-tion in Istanbul’s business district, in which way the day users of the Galata district ap-propriate the street space, and what such multi-layered areas, which give human activities a special meaning, mean for the city and its inhabitants, were analysed in this work. The street space, which at first glance seems restless and irregular, contains within itself a highly organised system. The disorder, or rather the street order planned in an informal way, makes the human relations and actions in the Galata quarter visible. This phenomenon of occupation and appropriation of space through diverse practices of action can be seen as an instrument for promoting togetherness and the participatory design and use of public spaces.
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Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers