Pointner, T. (2023). Rifugio Tabià - Entwurf einer Berghütte mit Biwak am Lago di Sorapis in den Venezianischen Dolomiten [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2023.112363
Als gebürtige Oberösterreicherin begleiteten mich Berge, Tradition und Landleben seit meiner Kindheit. Im Laufe des Studiums entwickelte sich die Intention, ein Bauwerk im alpinen Hochgebirge zu entwerfen. Die zweite maßgebende Komponente, die zur Themenfindung meiner Masterarbeit beitrug, war mein Studienaufenthalt in Italien im Rahmen des Erasmus-Programms. Nach insgesamt 1,5 Jahren italienischem Einfluss, 6 Jahre Studium und die Liebe zu den Bergen, formte sich im Mai letzten Jahres die selbst aufgetragene Aufgabe, eine Berghütte in den Dolomiten, in unmittelbarer Nähe des Lago di Sorapis (bei Cortina d’Ampezzo), als finalen Entwurf der Ausbildung zu erarbeiten. Der ländliche Raum steht unter starkem Einfluss einer zunehmenden baulichen Verdichtung. Die kennzeichnenden Qualitäten des sensiblen Lebensraumes kommen dabei aufgrund von Zeit- oder Kostendruck oder wegen mangelndem Kulturbewusstsein oft abhanden. Der gewissenhafte Einsatz von natürlich-vorkommenden Materialien und der bewusste Umgang mit der Ressource Boden werden in vielen Fällen vernachlässigt. Dies hat eine Distanzierung der geschichtlichen Baukulturen und -traditionen zur Folge. Die Diplomarbeit versucht, diesen Tendenzen entgegenzuwirken, indem sie die Prinzipien und Denkweisen vernakulärer Architektur aufzeigt, einbettet und mit respektvoller Methodik fortentwickelt. Das Baugebiet der Arbeit, die venezianischen Dolomiten, beeindrucken mit einer unvergleichlichen Architekturlandschaft, welche unter anderem durch den Architekten Edoardo Gellner dokumentiert und beeinflusst wurden. Die präzise Untersuchung der vorhandenen Modalitäten schafft die Basis zur Übersetzung ruraler Gegebenheiten in eine architektonische Neuinterpretation. Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte. Das erste Kapitel geht auf die Geschichte des Bauens in den Bergen ein, um einen Einblick in die Entfaltung der ersten primitiven Schutzhütten hin zu einem eigenständigen Solitär unter Berücksichtigung historischer und politischer Einflüsse zu schaffen. Darüber hinaus werden Neuinterpretationen und Experimente in Richtung effizientes und innovatives Bauen hinsichtlich Materialneuheiten und Energiegewinnung behandelt.