Riha, L.-M. (2024). ESG – drei Buchstaben, ein globaler Megatrend : Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien bei Büroimmobilien [Master Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2024.120207
Bereits im Jahr 1713 wurde der Begriff der Nachhaltigkeit durch Hans Carl von Carlowitz in der Forstwirtschaft eingeführt, mit der Zielsetzung ein ausgewogenes Verhältnis an gerodeten und nachgepflanzten Bäumen zu erreichen. Nachhaltigkeit als Megatrend ist nun in aller Munde. Wird im Jahr 2023 über den Klimawandel, den ökologischen Fußabdruck, den Treibhauseffekt, oder gar über mögliche Maßnahmen zur Eindämmung der CO2-Bilanz diskutiert, wird die Relevanz der Baubranche oft außer Acht gelassen, obwohl diese weltweit für rd. 38 % der CO2-Emissionen verantwortlich ist – rd. 10 % entstehen dabei aus der Errichtung von Gebäuden, die verbleibenden 28 % aus der Bewirtschaftung. Eine Studie des Weltwirtschaftsrates für Nachhaltige Entwicklung veranschaulicht, dass sich die Herkunft der Emissionen von der Errichtung und Bewirtschaftung der Gebäude über die gesamte Wertschöpfungskette der Immobilienbranche verteilt. Wirtschaftliche Veränderungen gepaart mit konjunkturellen Schwankungen, einem wachsenden Umweltbewusstsein und einer veränderten Arbeitskultur bewirken einen Wandel der Sichtweise am Büromarkt. Aufgrund der aktuellen Marktlage – jener mit steigenden Zinsen und hoher Inflation – wird die Finanzierung im Neubau für viele Akteure in der Immobilienwirtschaft zur Herausforderung. Neben densignifikant hohen Baukosten stellen auch die gesetzlichen Vorschriften für „klimagerechte“ bzw. taxonomie-konforme Gebäude ProjektentwicklerInnen vor neue Aufgaben, die nach resilienten Lösungen suchen. Steigende ESG-Anforderungen, sinkende Nachfrage und eine verstärkte Unsicherheit bilden die derzeitig vorherrschende Situation am Immobilienmarkt ab.Darüber hinaus drohen aufgrund von Überalterung zahlreiche Bestandsobjekte als Stranded Assets unbrauchbar zu werden. Da rund drei Viertel aller europäischer Bürogebäude aufgrund steigender Nachhaltigkeitsanforderungen in Hinblick auf ESG und die EU-Taxonomie-Bestrebungen in die vollständige Wertlosigkeit zu schlittern drohen, steht zweifelsohne eines fest: es bedarf eines Umdenkens am Immobilienmarkt, indem die Revitalisierung bzw. Modernisierung von veralteten Gebäuden sowohl in technischer, funktionaler und raumplanerischer Sicht als Chance angesehen werden muss. Gleichwohl benötigt die Wirtschaft klare Vorschriften zur Reduzierung der Emissionen. Um die Klimaziele 2050 erreichen zu können, muss CO2-armer geplant, gebaut und gewirtschaftet werden. Doch damit sich dies von einer Ausnahme zur Regel entwickelt, braucht es genau das – Regeln.
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Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers