Stein, U. (2024). System. In C. Peer, E. Semlitsch, S. A. Güntner, M. Haas, & A. Bernögger (Eds.), Urbane Transformation durch soziale Innovation (pp. 211–218). TU Wien Academic Press. https://doi.org/10.34727/2024/isbn.978-3-85448-064-8_27
In der Planungswissenschaft, in Planungsstudiengängen und in der Praxis räumlicher Planung dominiert seit Langem ein technisch-naturwissenschaftliches Verständnis der Begriffe System und systemisch. Diese Tradition ist unverzichtbar, denn räumliche Entwicklung ist z. B. ohne die Arbeit mit technischen, komplexen Strukturen und Modellen nicht denkbar. Sie hat aber eine Schwäche: Sie denkt Systeme mechanisch und hat Schwierigkeiten, die Unwägbarkeit und Kreativität von Menschen einzubeziehen. Für die gewollte Transformation zu nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweisen ist zusätzlich ein sozialer Systembegriff nötig, der heute überwiegend im Zusammenhang mit konstruktivistischen Gedanken verwendet wird und auf die Individualität, Wirklichkeitskonstruktion und Selbststeuerung von Akteurssystemen aufmerksam macht. Arbeitet man mit Menschen, Gruppen und Institutionen, hilft systemisch-konstruktivistisch geprägtes Arbeiten dabei, Menschen zu motivieren, eigenen Einfluss zu relativieren und dann passender zu gestalten, Lernen und Reflexion Platz zu geben und für stets mögliche Überraschungen gewappnet zu sein.