Ostermayer, L. (2022). Besonderheiten bei der Vergütung von Gewichtseinheiten - Analyse der Kalkulierbarkeit von Bewehrungsarbeiten [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2022.92981
E234 - Institut für Interdisziplinäres Bauprozessmanagement
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Date (published):
2022
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Number of Pages:
122
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Keywords:
Vergütung; Gewichtseinheiten; Bewehrungsarbeiten
de
remuneration; weight units; reinforcement work
en
Abstract:
Ein großer Teil der Hochbauten in Österreich wird aus Stahlbeton errichtet. Die hohe Anpassbarkeit und breite Einsetzbarkeit des Betons ist nur durch die Armierung mit Bewehrungsstahl möglich. Die Bewehrung eines Bauteils setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Der erforderliche Bewehrungsquerschnitt wird in erster Linie durch nationale und internationale Normen vorgeschrieben. Er ist von den Einflüssen auf das jeweilige Bauteil abhängig. Wie die Bewehrung zusammengesetzt wird, um die Anforderungen zu erfüllen, steht der Tragwerksplanung, die für die Erstellung der Bewehrungspläne zuständig ist, weitgehend frei.Die in Österreich wegweisende und für öffentliche Auftraggeber verpflichtend anzuwendende Leistungsbeschreibung Hochbau sieht für die Ausschreibung von Bewehrungsarbeiten die Vergütung in Gewichtseinheiten vor. Dabei differenziert sie zwischen unterschiedlichen Bauteilen. Eine Unterteilung nach der Dimension von Bewehrungbestandteilen oder Erschwernissen findet weitgehend nicht statt. Bei Bewehrungsarbeiten handelt es sich um eine preislich inhomogene Leistung. Je nach Zusammensetzung der Bewehrung, variiert der Aufwandswert für die Verarbeitung des Bewehrungsstahls deutlich. Aus diesem Grund sind Werkverträge mit Baustahlunternehmen in der Regel sehr detailliert aufgebaut. Für Baumeisterbetriebe, welche die Bewehrungsarbeiten an einen Subunternehmer vergeben, stellen die Divergenzen in der Beschreibung der Bewehrungsarbeiten des Auftraggebers und jener des Baustahlunternehmens ein Risiko dar.Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Kalkulierbarkeit von Bewehrungsarbeiten. Diese wurde insbesondere anhand der Zusammensetzung der Bewehrung, der Kosten der Bewehrung, der Abbildung von Bewehrungsarbeiten in der aktuellen Version der Leistungsbeschreibung Hochbau und der Gestaltung der Werkverträge von Baustahlunternehmen untersucht. Im empirischen Teil dieser Arbeit wurden neun fertiggestellte Wohnbauten in Stahlbeton-Massivbauweise untersucht. Von diesen Projekten wurden Ausschreibungs- und Abrechnungsunterlagen erhoben. Aus den Ausschreibungsunterlagen wurden Kennwerte zu Projekteigenschaften gebildet, die während der Angebotskalkulation bereits bekannt waren. Mit Hilfe der Abrechnungsunterlagen konnten Charakteristika der Ausführung und Abrechnung von Bewehrungsarbeiten ermittelt werden. In einem nächsten Schritt wurden die Projekteigenschaften den ausgeführten Bewehrungsarbeiten gegenübergestellt.Bei der Analyse der erhobenen Daten konnte kein eindeutiger Zusammenhang zwischen den Projekteigenschaften und den tatsächlich abgerechneten Bewehrungsarbeiten ermittelt werden. Bei Kennwerten wie etwa der Masse des Bewehrungsstahls, den Regiestunden oder auch dem durchschnittlichen Kaliber des Stabstahls konnte bei einem Teil der Projekte ein Zusammmenhang bzw. ein Muster festgestellt werden. Der Vergleich der Kaliberverteilung des Stabstahls zeigt deutlich, dass die Zusammensetzung der Bewehrung ohne vorliegende Bewehrungspläne nicht vorhersehbar ist. Obwohl es sich bei allen untersuchten Projekten um Wohnbauten in Stahlbeton-Massivbauweise handelt, unterscheidet sich die Zusammensetzung der verwendeten Bewehrungseisen enorm. Selbst ähnliche Bauteile desselben Projekts weisen unterschiedliche Konfigurationen auf. In Anbetracht der Tatsache, dass die Aufwandswerte verschiedener Dimensionen von Stabstahl enorm divergieren, erscheint alleine diese Unvorhersehbarkeit gravierend.
de
A large proportion of buildings in Austria are made of reinforced concrete. The high adaptability and wide range of uses of concrete is only possible through reinforcement with reinforcing steel. The reinforcement of a structural element consists of different components. Depending on the actions on the respective component, the required reinforcements cross-section is primarily prescribed by national and international standards. The structural engineer who creates the reinforcement plans is largely free to choose how the reinforcement is put together in order tomeet the requirements.The current version of the Leistungsbeschreibung Hochbau, which is guiding in Austria and mandatory for public clients, determines the remuneration in weight units for the tender for reinforcement work. In doing so, it differentiates between structural elements. A differentiation between reinforcement components according to dimensions and difficulties does not take place to a large extent. Reinforcement work is a price-inhomogeneous service. Depending on the composition of the reinforcement, the cost of cutting, bending and laying the reinforcement steel varies significantly. For this reason, service contracts with structural steel companies are usually much more detailed. For construction companies, which assign the reinforcement works to a subcontractor, the divergences in the description of the reinforcement work by the client and the one by the structural steel company represent a risk.The present work therefore analyzes the calculability of reinforcement work.The analysis of the calculability is based on the composition of the reinforcement, the costs, the determinations regarding the reinforcement work in the current version of the Leistungsbeschreibung Hochbau and the design of the contracts for work of structural steel companies.In the empirical part, nine completed residential buildings in solid reinforced concrete construction have been examined. Tender and billing documents were collected from these projects. Characteristic values for project properties, that were known in the course of the offer calculation, were formed from the tender documents. The billing documents made it possible to determine the characteristics of the execution and billing of the reinforcement works. In the course of the evaluation, characteristic values of the project property and characteristic values of the reinforcement work were compared.During the evaluation, no clear connection could have been determined between the compared project properties and the reinforcement work actually billed. Some projects show a correlation or pattern when comparing the mass of rebar, hours worked or the average caliber of rebar, while other projects deviate from this.The comparison of the caliber distribution of the bar steel between the projects clearly shows that the composition of the reinforcement cannot be predicted without available reinforcement plans. Although all projects are residential buildings in solid reinforced concrete construction, the proportion of different diameters varies enormously. Even multiple similar buidlings within a project have different configurations. In view of the diverging cost values of different dimensions of bar steel, this unpredictability alone appears to be serious.