Humer, J. (2024). Analyse österreichischer Allianzmodelle im Tunnelbau auf Grundlage des australischen Modells [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2024.126481
Tunnel construction; project alliancing; contract analysis; project execution; construction contract
en
Abstract:
Die Abwicklung von Großprojekten geht in der Baubranche in der Regel mit einem komplexen Risikomanagement einher. Daraus resultiert der Wunsch der Beteiligten nach Abwicklungsformen, welche die wirtschaftlichen Folgen von Risiken eindämmen. In konventionellen Verträgen werden Risiken durch vertragliche Pflichten den Vertragsparteien zugeordnet. Das Allianzmodell, welches aus Australien stammt, ist eine alternative Abwicklungsform in der eine gemeinsame Risikosphäre etabliert wird. In den letzten Jahren wurden die ersten österreichischen Allianzmodelle veröffentlicht. Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die hierzulande ausgeschriebenen Allianzmodelle im Tunnelbau und stellt diese dem australischen Modell und der konventionellen österreichischen Abwicklung gegenüber. Für eine detaillierte Darstellung des australischen Allianzmodells wird eine umfassende Literaturrecherche durchgeführt. Die Kernmerkmale bilden die gemeinsame Risikosphäre, das Vergütungsmodell, die gemeinsame Organisationsstruktur und das mehrstufige Konfliktmanagement. Das Vergütungsmodell einer Allianz beruht vor allem auf leistungsbasierten Zahlungsmechanismen, wobei die Bewertungsbereiche der AG festlegt. Das gemeinsame Risikomanagement bedarf einer integrativen Projektorganisation, weshalb in dieser Arbeit neben den Kernmerkmalen auch die Auswahlkriterien des Allianzpartners im australischen Modell erläutert werden. Die Grundlagen des Projektmanagements sowie des konventionellen Bauvertrags werden in der weiteren Ausarbeitung erläutert, um das Verständnis des konventionellen Vertrages zu vertiefen. Dafür ist es zudem erforderlich, auf die hierzulande bauspezifischen Werkvertragsnormen, die ÖNORM B 2110 und ÖNORM B 2118, einzugehen. Die Ausführung dieser Themengebiete bildet schlussendlich die Grundlage für die qualitative Untersuchung der Allianzmodelle mithilfe von sechs veröffentlichten Allianzverträgen. Hierfür wird eine Analyse der Vertragsbestandteile zur Identifizierung der Allianzgrundsätze durchgeführt. Die einzelnen Bestandteile des australischen Modells und jene des konventionellen Bauvertrages auf Basis der ÖNORM B 2110 werden den in hierzulande veröffentlichten Vertragsentwürfen gegenübergestellt. Die Untersuchung zeigt, dass in Österreich neben der gemeinsamen Risikosphäre die individuellen Sphären der Beteiligten bestehen bleiben. Die Risiken in den individuellen Sphären spiegeln dabei Risiken der ÖNORM B 2110 und projektspezifische Risiken wider und sind in den Vertragsentwürfen ähnlich vertreten. Die hierzulande veröffentlichten Modelle implementieren zudem unterschiedliche Bonus-Malus-Regeln. Dabei weichen alle österreichischen Modelle von der australischen Standard-Kostenbeteiligung ab. Im Gegensatz zur ÖNORM B 2110 stellen die Basis der Vergütung die tatsächlichen Kosten und die Zielkostenprognose dar. Der Einfluss einer dritten gemeinsamen Risikosphäre im Allianzmodell anstelle der ausschließlichen Risikozuordnung nach ÖNORM B 2110 ist der markanteste Unterschied zwischen den Modellen. Die vorliegende Gegenüberstellung der Modelle ist für alle Personen, welche sich mit alternativen Modellen in der Baubranche auseinandersetzen, von Interesse. Die Erkenntnisse aus der Gegenüberstellung mit dem australischen Modell ermöglicht eine Einordnung des österreichischen Allianzmodells. Der Vergleich mit der ÖNORM B 2110 gibt zudem Aufschluss über die Abweichungen vom konventionellen Vertrag.
de
The execution of large-scale projects in the construction industry typically involves a complex risk management. The aspiration to adopt and evolve execution models that limit the economic consequences of risks is therefore mandatory. In conventional contracts, risks are allocated to the contracting parties through contractual obligations. The alliance model, which has its origins in Australia, represents an alternative approach through the establishment of a shared risk sphere. In recent years, the first Austrian alliance models have been published. This diploma thesis addresses alliance models in tunnel construction published in Austria and provides a comparison with the Australian model. A detailed description of the Australian alliance model is provided by an extensive literature review. The key features are the shared risk sphere, the compensation model, the joint organisational structure and the multi-level conflict management. The compensation model of an alliance is primarily based on performance-based payment mechanisms, with the client defining assessment areas. Joint risk management requires an integrative project organisation, which is why, in addition to the key features, this thesis also explains the selection criteria for the alliance partner in the Australian model. For an elaborate discussion on the disparities and shared characteristics of the alliance models studied, fundamentals of project management and conventional construction contracts in Austria are outlined. The ÖNORM B 2110 and ÖNORM B 2118 are specific guidelines in Austria, serving as a basis for conventional Austrian contracts. These legal standards shape the foundation for Austrian alliance models in tunnel construction. Based on published contract drafts, an analysis of integral parts of the six published contracts is conducted. These individual components are compared with the Australian model and the construction contract based on ÖNORM B 2110. The evaluation highlights that individual risk spheres, beside those shared by the participants, remain untouched. The risks in these individual spheres reflect the regulations in ÖNORM B 2110 as well as project-specific risks and are similarly outlined in the Austrian contract drafts. The Austrian models also implement different gain and pain share systems. In this regard, all Austrian models deviate from the Australian standard, introducing project-specific regulations of the gain and pain share. In contrast to ÖNORM B 2110, the basis for compensations are transparent cost reports from the contractor and the updated project forecasts. Furthermore, the influence of a third common risk sphere in the alliance model instead of the exclusive risk allocation according to ÖNORM B 2110 is the most striking difference between the models.The present study of alliance models is of interest to anyone involved with alternative contract forms in the construction industry. The conclusions from the comparison with the Australian and conventional models enable an assessment of the Austrian alliance model. Furthermore, the comparison with ÖNORM B 2110 provides insights regarding the deviations from the conventional contract.