Oberroither, A. (2024). Vergleich der Regelung des Straßenverkehrs in Hinblick auf die Priorisierung des Fahrrads in Österreich und den Niederlanden [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2025.119555
Auf dem Weg zu Klimaneutralität und lebenswerten Städten ist die Mobilitätswende aktueller denn je. Der österreichische Mobilitätsmasterplan 2030 setzt dabei unter anderem auf Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Straßenverkehrsordnung, so die Hypothese der vorliegenden Studie, ist nach wie vor weitgehend auf einen reibungslosen Ablauf des Kfz-Verkehrs ausgerichtet. Mit den letzten Novellierungen wurden in Österreich Änderungen eingeführt, die die aktive Mobilität und insbesondere den Radverkehr fördern sollen. Dazu gehört das “Rechtsabbiegen bei Rot” für Radfahrende, eine Regelung, die dem Radverkehr mehr Rechte gegenüber dem Kfz-Verkehr einräumt. Ermöglicht wird dies durch die Charakteristika des Radverkehrs, wie z.B. höhere Agilität und geringeres Gefährdungspotenzial.Das Forschungsinteresse dieser Diplomarbeit besteht darin, weitere Regelungen im Straßenverkehrsrecht zu identifizieren, die aufgrund der oben beschriebenen Charakteristika zur Förderung des Radverkehrs beitragen. Zu diesem Zweck wurde ein Rechtsvergleich mit den Niederlanden durchgeführt. Dieser gibt Aufschluss über den Status quo des österreichischen Radverkehrsrechts im Vergleich zu einem Vorreiterland des Radfahrens und identifiziert neue Ansätze zur Regelung des Radverkehrs. Mittels Expert:inneninterviews und unter Einbeziehung bestehender Studien wurden ausgewählte Regelungsunterschiede hinsichtlich ihrer Potenziale und Herausforderungen bei einer Einführung in Österreich näher untersucht.Der Vergleich zeigt eine deutlich höhere Regelungsdichte im österreichischen Radverkehrsrecht. Dies hat Auswirkungen auf die Komplexität und auf jene Regelungen, die den Radverkehr priorisieren. So sind in Österreich insgesamt mehr priorisierende Regelungen gesetzlich verankert. Im Gegensatz zu den Niederlanden wird die priorisierende Wirkung jedoch häufig durch Ausnahmen abgeschwächt. In Österreich werden anderen Verkehrsmitteln öfters bewusst Pflichten zu Gunsten des Radverkehrs auferlegt. Umgekehrt werden Radfahrende bewusst zu Gunsten anderer Verkehrsmittel benachteiligt. Der „Sondernachrang für den Radverkehr“ stellt so eine Regelung dar. Dessen Abschaffung hat jedoch weitgehend symbolischen Charakter, wenn die Vorrangverhältnisse vor Ort nicht geändert werden. Das „Rechtsabbiegen bei Rot“ ohne Anhaltegebot, so wie in den Niederlanden, hat internationalen Studien zufolge kaum Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Durch die Abschaffung des Anhaltegebots würde die heute weit verbreitete Missachtung eben jenes Gebots legalisiert werden und mehr Radfahrende könnten von einem schnelleren Vorankommen an Lichtsignalanlagen profitieren.
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On the journey towards climate neutrality and liveable cities, the mobility transition is more relevant than ever. The Austrian „Mobilitätsmasterplan 2030“ focuses, among other things, on changes to the legal framework. The road traffic regulations, according to the hypothesis of this study, are still largely geared towards the flow of motor vehicle traffic. The latest amendments in Austria have introduced changes that are intended to promote active mobility and cycling in particular. These include „right turn on red“ for cyclists, a regulation that gives cyclists more rights than motorised traffic. This is made possible by the characteristics of cycling, such as greater agility and lower hazard potential.The research interest of this thesis is to identify further regulations in road traffic law that contribute to the promotion of cycling due to the characteristics described above. To this purpose, a legal comparison with the Netherlands was carried out. This provides information on the status quo of Austrian cycling law in comparison to a pioneering country for cycling and identifies new approaches to regulate cycling. Using interviews with experts and drawing on existing studies, selected regulatory differences were analysed in more detail with regard to their potential and challenges if introduced in Austria.The comparison shows a significantly higher density of regulations in Austrian cycling law. This has an impact on the complexity and on those regulations that prioritise cycling. Overall, more prioritising regulations are laid down in law in Austria. In contrast to the Netherlands, however, the prioritising effect is often weakened by exceptions. In Austria, obligations are often deliberately imposed on other modes of transport in favour of cycling. Vice versa, cyclists are deliberately disadvantaged in favour of other modes of transport. One such rule is the requirement to give way at the end of cycle paths under certain conditions („Sondernachrang für den Radverkehr“) is one such regulation. However, its discontinuation is largely symbolic if the priority conditions on the site are not changed. According to international studies, „right turn on red“ without stopping, as in the Netherlands, has hardly any impact on road safety. The discontinuation of the obligation to stop would legalise the currently widespread disregard of this very requirement and more cyclists could benefit from faster travel at traffic lights.
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Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers