Rosca, T.-I. (2025). Villa Misselbacher / Sanatorium Wachsmann in Hermannstadt : auf den Spuren der Architektur von Otto Wagner im heutigen Rumänien [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2025.93140
Der Trend des Wohnens in grüner Lage erreichte kurz vor 1900 auch Sibiu/Hermannstadt, eine Provinzstadt mittelalterlicher Prägung in Siebenbürgen im heutigen Rumänien. Nur 700 Meter südlich der befestigten Kernstadt, auf der „Hallerwiese“, entstand wohl nach dem Vorbild des Wiener Cottages in Währing und Döbling ein ausgedehntes Villenwohnviertel. Die hier errichteten Villen liefern ein eher homogenes Bild, das den Stilvorstellungen des Historismus entspricht. Ein einziges Bauwerk jedoch steht eindeutig im architektonischen Widerspruch: eine um 1903 gebaute Jugendstil-Villa, deren Schöpfer angeblich der berühmte Wiener Architekt Otto Wagner (1841–1918) war.Zu Wagners Autorschaft existieren bis heute nur zwei Indizien, und die Originalpläne der Villa sind nach wie vor unauffindbar. Darüberhinaus fällt dieser Bau zeitlich an den Beginn der wichtigsten und arbeitsintensivsten Schöpfungsphase Wagners von etwa 1898 bis 1912. Daher besteht die Vermutung, dass der Entwurf der Villa einem Schüler oder Mitarbeiter übertragen worden ist, oder nur durch die Wagner-Schule inspiriert wurde.Diese Arbeit nimmt sich nun vor, das Bauwerk stilistisch im architekturhistorischen Kontext zu untersuchen und über diesen Weg auf den eigentlichen Planer der Villa zu schließen. Zuerst werden die typischen Gestaltungsmerkmale der publizierten Projekte von Wagners Schülern an der Akademie der bildenden Künste in Wien und vor allem seines Mitarbeiters Joseph Maria Olbrich (1867–1908) aus der Zeit von Wagners Professur (1894-1912) identifiziert. Im zweiten Schritt wird dann die Villa in Hermannstadt auf diese Merkmale geprüft.Aufgrund der erkannten gestalterischen Ähnlichkeiten zwischen dem Bau in Hermannstadt und den Werken, insbesondere den Villen von Wagner, Olbrich sowie den Villenentwürfen der Wagner-Schule, kann eine stilistische Verwandtschaft festgestellt werden, die jedoch nicht zu einer eindeutigen Zuordnung des Planers führt.
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Shortly before 1900, the trend towards living in a green residential area also reached Sibiu, a provincial town of medieval character in Transylvania. Around this period, just 700 metres south of the fortified city centre, on the Hallerwiese, an extensive housing district was built, likely inspired by the Währing Cottage in Vienna. The villas here present a rather homogeneous picture that corresponds to Historicism. There is only one building that clearly contrasts the style: an Art Nouveau villa, probably built around 1903, which was supposedly designed by the famous Viennese architect Otto Wagner (1841–1918).To this day, there are only two clues as to Wagner’s authorship and the original plans of the villa are still untraceable. Furthermore, this building coincides with the beginning of Wagner’s most important and labour-intensive creative phase, from around 1898 to 1912, which lead to the assumption that the design of the villa in Sibiu could have come from one of his students or employees.Taking all of this into account, the work aims to analyse the building stylistically within its historical context and, as a result, potentially identify the true designer of the villa. First, however, the typical design features of the published projects by Wagner’s students at the Academy of Fine Arts in Vienna, and especially those of his collaborator Joseph Maria Olbrich (1867–1908) from the period of Wagner’s professorship (1894–1912), need to be identified. In the second step, the Art Nouveau villa is to be examined in relation to these features.Due to the resulting design similarities between the villa in Sibiu and the works, particularly the villas by Wagner, Olbrich, and the villa designs of the Wagner School, a stylistic relationship can be established, although it doesn’ t lead to a definitive attribution of the designer.
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Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers