Hollmann, L. (2025). Das Menschliche in der Architektur : menschenwürdige Daseinsgestaltung : eine Biosphären-Werkstatt als Nahrungsraum für den Menschen [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2025.135482
Humanismus; humanistische Architektur; Nahrungsraum; Gewächshaus; Piazza del Campo; Piazza Pio ll; Piazza del Campidoglio; Piazza San Marco; Piazza del Municipio; Linke Wienzeile; Alfred-Grünwald-Park
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Humanism; humanistic Architecture; Nourishing Space; Greenhouse; Piazza del Campo; Piazza Pio ll; Piazza del Campidoglio; Piazza San Marco; Piazza del Municipio; Linke Wienzeile; Alfred-Grünwald-Park
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Abstract:
Architektur ist Raum für, von und durch den Menschen. Sie schafft Identität, Zugehörigkeit und Interaktion. Architektur beeinflusst den Menschen auf emotionaler, sowie physischer Ebene, während der Mensch als Gestalter*in den Raum prägt. Angesichts dieser fundamentalen Wechselwirkung zwischen Mensch und Raum stellt sich die Frage: Sollte der Begriff des Humanismus nicht eigentlich maßgebend für die gebaute Umwelt sein? Ziel dieser Diplomarbeit ist es, zu verdeutlichen, dass eine humanistische Perspektive auf den Raum einer zeitgemäßen (Neu-)bewertung bedarf und dass die Begrifflichkeit des Humanismus als grundlegendes Gestaltungsprinzip fungieren sollte.Im Fokus der Analyse stehen italienische Piazzaarchitekturen aus dem Spätmittelalter und der Renaissance, die über Jahrhunderte hinweg als symbolträchtige öffentliche Räume Bestand halten. Gesetzliche Vorgaben der Zeit, wie die Loggia als repräsentativer Außenraum, mit Schutz vor Witterung, oder die Gestaltung des Stadtraums als Hintergrund für die Gesellschaft, zeigen, wie tief das Menschliche in der Architektur der Zeit verankert war. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Beständigkeit und Zeitlosigkeit der Stadtplätze. Trotz gesellschaftlicher, politischer und kontextueller Veränderungen haben diese öffentlichen Räume ihre Bedeutung und Aufenthaltsqualität bis in die Gegenwart bewahrt. Diese Beständigkeit wirft die Frage auf, ob und welche räumlichen und gestalterischen Qualitäten diese Orte so dauerhaft und anpassungsfähig gemacht haben. Und wie diese Aspekte in der heutigen Architektur angewendet werden könnten, um dem Menschen, als emotional geprägte Nutzer*in, (wieder) mehr Bedeutung im Raum zu geben. Die Analyse soll aufzeigen, ob und wie die Entwurfsideen und Prinzipien von italienischen Platzarchitekturen trotz ihrer historischen Verwurzelung auf aktuelle Herausforderungen in der Architektur übertragen werden können. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Untersuchung der Rolle des öffentlichen Raumes als Ort der sozialen Interaktion und Identifikation. Dabei werden die räumlichen und sozialen Funktionen, der sorgsam ausgewählten Analysebeispiele, aber auch die baurechtlichen Vorschriften der Zeit analysiert. Ausschlaggebend für die Analyse ist die theoretische Begriffsbestimmung von Humanismus, sowohl alleinstehend als auch im Kontext der Architektur und der Stadt. Nicht nur die historische Definition wird hierbei erörtert, sondern auch die Entwicklung des Begriffs über unterschiedliche politische und soziale Veränderungen und dienen als Grundlage für das Formen des humanistischen Gestaltungsprinzips. Die gewonnenen Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen dienen als Grundlage für die Entwicklung eines architektonischen Entwurfs, welcher versucht Humanismus in meiner erarbeiteten Definition und die Ergebnisse aus Theorie und Analyse unter einem Dach zusammenzufassen. Die Biosphären-Werkstatt als Nahrungsraum für den Menschen befindet sich an der Linken Wienzeile und formuliert einen klaren Standpunkt zum Thema der humanistischen Architektur. Dieser Ansatz soll aufzeigen, wie sich die menschliche Perspektive in der heutigen Architektur und Stadtplanung (erneut) einbinden lassen kann und sollte, um den Raum für, von und durch den Menschen, als prägende und geprägte Nutzer*in, zu gestalten.
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Architecture is about people, created by people and experienced through people. It fosters identity, belonging and interaction. Architecture influences people on emotional and physical levels, while people shape space as designers. Given this fundamental interaction between people and space, the question arises: Shouldn‘t humanism actually be the decisive factor in the built environment? This thesis aims to demonstrate that a humanistic approach to space requires (re-)evaluation in the contemporary context, and that humanism should serve as a fundamental design principle.The analysis focuses on Piazza architecture in Italy from the late Middle Ages and the Renaissance, which has remained a symbolic public space for centuries. The legal requirements of the time, such as the Loggia being used as a representative outdoor space offering protection from the weather or urban spaces being designed as backdrops for social gatherings, demonstrate the deep integration of human values into the architecture of the period. Particular attention is paid to the consistency and timelessness of city squares. Despite social, political and contextual changes, these public spaces have retained their significance and improved quality of life to this day. This raises the question if spatial and design qualities have made these places so durable and adaptable. It also considers how these aspects could be applied in today‘s architecture to give people, as emotionally driven users, more significance in space. This analysis aims to demonstrate how the design ideas and principles of Italian square architecture can be applied to contemporary architectural challenges, despite their historical origins. Particular attention is paid to the role of public spaces, as places of social interaction and identity formation. The spatial and social functions of carefully selected examples are analysed, as are the building regulations in force at the time.A crucial part of the analysis is the theoretical definition of humanism, both in isolation and in the context of architecture and the city. The historical definition is discussed, as well as the development of the term through various political and social changes, which form the basis of the humanistic design principle.These investigations provide the basis for an architectural design that combines humanism, as I define it, with the results of theory and analysis. Located at Linke Wienzeile, the Biosphere Workshop is a nourishing space for humans that takes a clear position on the topic of humanistic architecture. This approach demonstrates how the human perspective can and should be (re-)integrated into contemporary architecture and urban planning to create spaces designed by, for and with humans as formative and shaping users.