Kürzdörfer, A. (2025). Il teatro di Gibellina : vom Trauma zur Teilhabe [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2025.132780
E260 - Institut für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen
-
Date (published):
2025
-
Number of Pages:
340
-
Keywords:
Sizilien; Traumastruktur; Partizipativer Prozess
de
Sicily; Structure of Trauma; Participatory Process
en
Abstract:
Die vorliegende Arbeit untersucht die süditalienische Stadt Gibellina Nuova auf Sizilien. Der Ort ist in der Folge des verheerenden Erdbebens im Januar 1968 als gebaute Utopie entstanden und untrennbar mit der Zerstörung seines Vorgängers, Gibellina Vecchia, verbunden. Das Erdbeben wird dabei nicht nur als geophysikalisches Ereignis, sondern auch als Auslöser eines Traumas verstanden, das Gesellschaft und Raum gleichermaßen geprägt hat. Ziel ist es, dieses Trauma als räumlich-soziales Phänomen zu analysieren und Wege für einen zeitgemäßen Umgang mit dem daraus entstandenen urbanen Raum aufzuzeigen. Untersucht wird, wie sich das Trauma in der Stadtstruktur, Typologie und Nutzung öffentlicher Räume manifestiert und wie die neue Stadt, die eigentlich als Symbol von Erneuerung und Zukunft gelesen werden soll, zugleich Entfremdung erzeugt. Gibellina Nuova steht für eine Traumastruktur, in der alte kulturelle Muster fortwirken und die Aneignung der neuen Stadt verhindern. Das Trauma wird als metaphorisches, generationenübergreifendes Gefühl verstanden, das weit über die physische Zerstörung hinausreicht. Es bleibt als unsichtbare Schicht im kollektiven Gedächtnis bestehen und prägt Wahrnehmung, Identität und alltägliche Praktiken. Diese Form des Traumas ist nicht abgeschlossen mit dem Wiederaufbau, sondern lebt in den Rissen zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen Erinnerung und Zukunft weiter. Jede neue Typologie und jede architektonische Entscheidung tragen Spuren dieses Bruchs in sich. Um den Raum wieder mit Bedeutung füllen zu können, braucht es einen gemeinschaftlichen, kulturellen und emotionalen Prozess durch eine bewusste Aneignung des öffentlichen Raumes. Erst wenn alte Gewohnheiten sich in die neue Stadtstruktur integrieren lassen und neue kulturelle Narrative akzeptiert werden, kann eine versöhnte, resiliente Identität entstehen. Gibellina Nuova wird so zur Projektionsfläche für die Suche nach Identität im Spannungsfeld von Verlust und Erneuerung. Die Wiedergewinnung einer kollektiven Identität kann nur gelingen, wenn Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Beziehung treten durch Erinnerung, Dialog und die gemeinschaftliche Aneignung der kollektiven Räume als Orte des Zusammenlebens.
de
This thesis examines the southern Italian town of Gibellina Nuova in Sicily. The settlement emerged after the devastating earthquake of January 1968 as built utopia, inseparably linked to the destruction of its predecessor, Gibellina Vecchia. The earthquake is understood not merely as a geophysical event, but as the catalyst of a trauma that has shaped both society and space. The aim is to analyze this trauma as a spatial and social phenomenon and to explore ways of engaging with the urban landscape that arose from it in a contemporary manner. The study investigates how trauma manifests itself in the city‘s structure, typology, and the use of public space, and how the town, intended as a symbol of renewal and the future, simultaneously generates alienation. Gibellina Nuova thus represents a structure of trauma, in which old cultural patterns persist and hinder the appropriation of the new city. Trauma is understood here as a metaphorical, intergenerational sentiment that extends far beyond physical destruction. It endures as an invisible layer within the collective memory, shaping perception, identity, and everyday practices. This form of trauma does not end with reconstruction; it continues to live in the fissures between past and present, between memory and future. Every new typology and architectural decision carries traces of this rupture. To restore meaning to space, a collective, cultural, and emotional process is required, one grounded in the conscious appropriation of public space. Only when old habits can be integrated into the new urban structure and new cultural narratives are embraced can a reconciled and resilient identity emerge. Gibellina Nuova thus becomes a projection surface for the search for identity amid loss and renewal. The recovery of a collective identity can only succeed when past, present, and future are brought into relation, through remembrance, dialogue, and the communal appropriation of shared spaces as sites of coexistence.
en
Additional information:
Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers