Schmutzer, S. (2025). Nachverdichtung von Einfamilienhäusern im Kontext des demographischen Wandels - Chancen und Herausforderungen anhand einer Fallstudie in der “Blumensiedlung” [Master Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2025.137004
Das Einfamilienhaus stellt in Österreich zwar für viele die bevorzugte Wohnform dar, gilt jedoch als ein zentraler Treiber der Flächeninanspruchnahme. Die vorliegende Masterarbeit untersucht mittels Literaturrecherche, Interviews und Auswertung von Unterlagen und Daten aus Grundbuch, Bauakten und Verträgen die Nachverdichtung von Einfamilienhäusern als Ansatz nachhaltiger Innenentwicklung, der sowohl intrafamiliär als auch privatwirtschaftlich Lösungswege für die sich wandelnden Wohnbedürfnisse im Alter bietet. Die theoretische Grundlage bilden die Konzepte Autonomie, Selbstbestimmung und Sicherheit im Alter, verknüpft mit demografischen Entwicklungen wie Überalterung und abnehmenden Haushaltsgrößen sowie raumplanerischen Fragestellungen des verantwortungsvollen Umgangs mit der Ressource Boden, der Flächeninanspruchnahme und -versiegelung. Empirisch wurden drei nachverdichtete Einfamilienhäuser emer niederösterreichischen Kleinstadtsiedlung analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Nachverdichtung sehr unterschiedliche intrafamiliäre Mehrgenerationenhäuser hervorbringen kann. Das Gelingen des Wohnkonzepts hängt einerseits von der familiären Disposition, andererseits von bauliche Aspekten wie z.B. Barrierefreiheit und getrennten Eingängen ab. Für die langfristige Nutzung wären jedoch flexiblere, modulare Bauweisen förderlich, die an sich ändernde Bedürfnisse angepasst werden können. Die Interviews verdeutlichen die starke emotionale Bindung insbesondere Bewohnender der Generarion 75+ an das Eigenheim, während die Nachkommengeneration häufig Zweifel an dessen zukünftiger Erhaltbarkeit bzw. Finanzierbarkeit äußert. Gespräche mit die Gemeinde vertretenden Personen machen die Spannungsfelder zwischen individuellen Wohnpräferenzen, rechtlichen Rahmenbedingungen, ökologischer Nachhaltigkeit und sozialen Herausforderungen sichtbar. Dabei wird die Bedeutung einer aktiven Gemeindepolitik betont, die über gesetzliche Steuerung hinaus auf Netzwerkbildung, direkte Ansprache und Infrastrukturentwicklung setzt. Ein Interview mit dem Gründer einer „ betreuten Seniorenwohngemeinschaft" zeigt, dass seniorengerechtes Co-Living zwar kein Ersatz für Familie oder Pflegeheim darstellt, aber eme wichtige ergänzende Wohn- und Betreuungsform bietet, die Selbstbestimmung, Gemeinschaft und Ressourcenschonung verbindet. Damit solche Modelle Wirkung entfalten, sind gezielte politische Unterstützung und Fördermaßnahmen, aber auch ein breiteres gesellschaftliches Umdenken notwendig.
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Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers