Kendlbacher, S. (2025). ESG-Maßnahmen im Wiener Gründerzeitbestand : Einfluss auf Planung, Ankauf und nachhaltige Revitalisierung historischer Gebäude [Master Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2025.123747
Die vorliegende Masterarbeit untersucht den Einfluss von Nachhaltigkeits- und ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance) auf die Planung und den Ankauf von Wiener Gründerzeithäusern. Vor dem Hintergrund globaler Klimaziele, steigender regulatorischer Anforderungen und einer zunehmenden gesellschaftlichen Sensibilisierung werden internationale und nationale Rahmenbedingungen analysiert, wobei der Fokus insbesondere auf der EU-Taxonomie und den Zielsetzungen des Pariser Klimaschutzabkommens liegt. Im Planungsprozess nehmen ESG-Kriterien mittlerweile eine zentrale Rolle ein. Sie bestimmen maßgeblich, welche Sanierungsmaßnahmen im Bestand umgesetzt werden, in welcher Form Energieeffizienz, Ressourcenschonung und soziale Aspekte wie Barrierefreiheit oder leistbarer Wohnraum berücksichtigt werden. Nachhaltigkeitszertifikate, Förderinstrumente und steuerliche Anreize setzen deutliche Impulse, diese Standards zu erfüllen. Projektentwickler erkennen zunehmend, dass ESG-Maßnahmen nicht nur ökologische und soziale Mehrwerte generieren, sondern auch als strategisches Steuerungsinstrument zur langfristigen Wert- und Zukunftssicherung fungieren. Im Ankauf dominieren nach wie vor klassische Faktoren wie Lage, Substanzqualität und Renditepotential, jedoch werden Nachhaltigkeitsaspekte zunehmend in die Due-Diligence-Prüfungen integriert. Banken und Investoren bevorzugen Objekte mit Potential zur ESG-konformen Sanierung, da diese langfristig ein geringeres Risiko regulatorischer Auflagen und bessere Finanzierungskonditionen versprechen. Immobilien mit hohem energetischen Sanierungsbedarf werden zunehmend als potentielle „Stranded Assets“ wahrgenommen. Die empirischen Experteninterviews belegen, dass ESG-Kriterien in der Praxis bereits heute als wichtiger Bestandteil nachhaltiger Projektentwicklung gelten. Dennoch bestehen nach wie vor Hemmnisse, insbesondere in Form hoher Investitionskosten, komplexer Genehmigungsverfahren und der Unsicherheit künftiger regulatorischer Entwicklungen. Die Masterarbeit zeigt jedoch zugleich, dass Gründerzeithäuser durch ihre solide Bausubstanz ein erhebliches Potential bieten, um innovative Nachhaltigkeitskonzepte umzusetzen und so einen substanziellen Beitrag zu einer klimafreundlichen Stadtentwicklung zu leisten. Perspektivisch eröffnet die konsequente ESG-Orientierung Chancen, historische Gebäude zukunftssicher, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich akzeptiert weiterzuentwickeln.
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Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers