Roßbach, P. L. (2026). Potenziale der Erdgeschosszone : kollektive Revitalisierung von Leerstand [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.130806
E251 - Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege
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Date (published):
2026
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Number of Pages:
282
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Keywords:
Leerstand in Erdgeschoss-Zonen; Kulturelle Identität; nachhaltige Nutzung
de
Vacancies on the ground floor; cultural identity; sustainable use
en
Abstract:
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht das Potenzial leer stehender Erdgeschosse in Wien und analysiert, welche baulichen, sozialen und rechtlichen Faktoren deren Revitalisierung begünstigen oder behindern. Ausgangspunkt ist das Verständnis der Erdgeschossebene als Teil des Stadtparterres, einer fließenden Zone zwischen öffentlichem Straßenraum und privaten Innenhöfen. Diese Verknüpfungsebene prägt die Lebendigkeit und soziale Durchmischung urbaner Quartiere und wirkt unmittelbar auf die Wahrnehmung des Stadtraums. Damit beeinflusst sie sowohl die kulturelle Identität als auch die Vitalität eines Grätzls. Durch historische und nutzungsbedingte Veränderungen kommt es im Erdgeschoss jedoch zunehmend zu Leerständen. Vor diesem Hintergrund rückt die Diplomarbeit folgende Forschungsfrage in den Mittelpunkt: Wie wirken sich leer stehende Erdgeschosse auf das soziale Gefüge urbaner Grätzl aus und welche kollektiven Nutzungsstrategien fördern eine nachhaltige, kollektive und gemeinschaftsorientierte Belebung? Ausgehend vom Konzept des Stadtparterres gibt die Arbeit die historische Entwicklung Wiens wieder – von der Eingliederung der Vorstädte und der damit einhergehenden baulichen Verdichtung der Gründerzeit über die Nachkriegszeit und das Leitbild der autogerechten Stadt bis hin zur heutigen Gestalt der Erdgeschosszone. Daran anschließend werden Ursachen und Folgen der gegenwärtigen Krise des Stadtparterres untersucht, die maßgeblich zum Anstieg von Leerstand beitragen. Bedingt durch ein verändertes Konsumverhalten im Zuge der Digitalisierung, steigende Mieten, rechtliche Hürden sowie deren Auswirkungen auf das soziale Gefüge. Ergänzend dazu analysiert die Diplomarbeit aktuelle Leerstandsdynamiken in Wien, relevante Rahmenbedingungen und planerische Strategien.Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf gemeinschaftlich organisierten Bewegungen. Vereine, Kollektive und zivilgesellschaftliche Initiativen werden als Akteur*innen einer neuen Stadtpraxis betrachtet, die durch gemeinschaftliche Nutzung leer stehender Räume urbane Teilhabe neu verhandeln.Die Fallstudie zum Yppenplatz-Grätzl verdeutlicht diese Themen exemplarisch im Kontext der Gründerzeitstrukturen Ottakrings und Hernals. Eine filmische Dokumentation erweitert die schriftliche Analyse um eine visuelle Forschungsebene, die räumliche Atmosphären und Expert*inneninterviews verbindet. Das Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, wie leer stehende Erdgeschosse in Wien durch kollektive, gemeinwohlorientierte Nutzungen nachhaltig reaktiviert werden können. Dazu werden sowohl strukturelle Ursachen des Leerstands als auch das Potenzial zivigesellschaftlicher Initiativen analysiert, um konkrete Strategien für eine soziale und räumlich Belebung urbaner Grätzl abzuleiten.
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This thesis examines the potential of vacant ground floors in Vienna and analyses which structural, social and legal factors promote or hinder their revitalisation. The starting point is the understanding of the ground floor level as part of the city‘s parterre, a fluid zone between public street space and private courtyards. This connecting level shapes the liveliness and social mix of urban neighbourhoods and has a direct impact on the perception of urban space. It thus influences both the cultural identity and the vitality of a neighbourhood. However, historical changes to how buildings are used have resulted in increased vacancies of ground floors. Against this backdrop, the thesis focuses on the following research question: How do vacant ground floors affect the social fabric of urban neighbourhoods, and which collective utilisation strategies promote sustainable, collective and community-oriented revitalisation? Based on the concept of the Stadtparterre, the thesis traces the historical development of Vienna - from the integration of the suburbs and the accompanying architectural densification of the Gründerzeit period, through the post-war period and the model of the car-friendly city, to the current design of the ground floor zone. Subsequently, the causes and consequences of the current crisis in urban parterres, which contribute significantly to the increase in vacancy rates, are examined. This is due to changes in consumer behaviour in the wake of digitalisation, rising rents, legal hurdles and their impact on the social fabric. In addition, the thesis analyses current vacancy dynamics in Vienna, relevant framework conditions and planning strategies.Another focus is on collectively organised movements. Associations, collectives and civil society initiatives are considered actors of a new urban practice that renegotiates urban participation through the collective use of vacant spaces.The case study on Yppenplatz-Grätzl illustrates these issues in the context of the Gründerzeit structures of Ottakring and Hernals. A film documentary expands the written analysis that combines spatial atmospheres and expert interviews. The aim of this work is to investigate how vacant ground floors in Vienna can be sustainably reactivated through collective, public-interest uses. To this end, both the structural causes of vacancy and the potential of civil society initiatives are analysed in order to derive concrete strategies for the social and spatial revitalisation of urban neighbourhoods.
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Additional information:
Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers