Falser, M. (2025). Tourismus/Landschaft : eine Möglichkeit zum (rück)bauen eines Refugiums [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.131791
transformation of Alpine building culture; tourism
en
Abstract:
Das heutige Eingreifen in die Landschaft ist viel stärker vom Menschen geprägt, als wir es zugeben wollen. Die fortschreitende Zersiedlung, die zunehmende Versiegelung durch Freizeit- und Tourismusinfrastrukturen sowie die „Inszenierung“ der Berge sind Entwicklungen, die kritisch hinterfragt werden müssen. Intakte Natur und funktionierende Ökosysteme sind nach wie vor elementare Ressourcen, auf denen touristischer Erfolg basiert. Dennoch ist der Umgang mit ihnen stark vom angestrebten wirtschaftlichen Erfolg des Tourismus geprägt.Die Arbeit untersucht den Wandel alpiner Baukultur zwischen architektonischer Tradition und Transformation am Beispiel der italienischen Region Trentino-Südtirol. Im Fokus stehen die Entwicklungen der Landschaften, Ortsbilder und gebauten Strukturen, die seit dem 20. Jahrhundert tiefgreifenden Veränderungen unterliegen. Diese bedingt durch sozioökonomische und politische Umbrüche, sowie insbesondere den Einfluss des (Über)Tourismus. Dieser Wandel von einer Landschaft zur Tourismuslandschaft wurde in einem fotografischen, kartografischen und historischen Dialog festgehalten. Der vorliegende Entwurf diskutiert vor dem Hintergrund aktueller klimatischer Herausforderungen eine zeitgemäße Renaissance der „Sommerfrische“. Dieses Phänomen ist zwar nicht neu, erscheint jedoch im Kontext urbaner Überhitzung und steigendem Ressourcenverbrauch aktueller und relevanter denn je. Ein neuer Aufschwung darf allerdings nicht als flächige Expansion verstanden werden, die weiteren Leerstand und Landschaftsverbrauch provoziert. Er muss vielmehr situativ und sensibel am Bestand und im alpinen Kontext ansetzen. Durch eine Revitalisierung soll ein ungenutzter touristischer Bestand in eine zukünftige, temporäre und gemeinschaftliche Wohnform umgewandelt werden, um einen sanften und nachhaltigen Tourismus einzuleiten. Prinzipien des modernen Holzbaus sowie der Logik der vernakulären Bauweise bilden den Rahmen für die neue Typologie. Im Vordergrund stehen die Wiederverwendung von Baumaterialien und Strategien für eine flexible temporäre Nutzung. Es wird der Versuch unternommen, ein modulares, rückbaubares und landschaftsverträgliches Tourismusmodell zu konzipieren, das Landschaft als gemeinschaftlich genutztes Gut versteht. Die Architektur von heute bildet den zukünftigen Bestand und muss den aktuellen und zukünftigen klimatischen sowie sozialen Herausforderungen gerecht werden.
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Today's landscape is much more influenced by humans than we are willing to admit. Ongoing urban sprawl, the growing impermeabilization of land through leisure and tourism infrastructure, and the deliberate 'staging' of mountain scenery are developments that demand critical scrutiny. Intact nature and functioning ecosystems remain fundamental resources for sustained tourism success. Yet, how these are managed is increasingly dictated by the pursuit of economic gain in tourism.This work examines the transformation of Alpine building culture between architectural tradition and transformation, using the Italian region of Trentino–South Tyrol as a case study. The focus lies on the evolution of landscapes, townscapes, and built structures, all of which have undergone profound changes since the 20th century. This transformation has been shaped by socio-economic and political upheaval, and, in particular, by the influence of overtourism. The gradual shift from an landscape toward a 'tourism landscape' has been documented through a photographic, cartographic, and historical dialogue. Against the backdrop of current climatic challenges, this proposal discusses a contemporary renaissance of the Alpine ‘Sommerfrische’, the tradition of summer holidays in the Alps. While not a new phenomenon, it appears more relevant now than ever, in the face of urban overheating and soaring resource consumption. This new wave of adaptation, however, must not be seen as a widespread expansion that risks aggravating vacancy rates and unchecked land consumption. Transformations must be context-sensitive, focusing on the existing building stock and the realities of the Alpine setting. Unused tourist accommodation should be revitalised to serve as a future, temporary, sustainable, and communal form of living, and to initiate slow tourism. Principles of modern timber construction and the logic of vernacular building form the framework for the new typology. Central to the concept are the reuse of building materials and strategies for flexible, temporary habitation. The aim is a modular, demountable, and landscape-compatible model – one that treats the landscape as a common good. Architecture today forms the building stock of tomorrow and must address both present and future climatic and social challenges.