Coqui, S. (2025). Materieller Imperativ : das prozessuale Weiterschreiben eines Hofes mit vorhandenen Ressourcen [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.138260
Conversion; Transformation; Courtyard; Material Sufficiency; Bioregional Planning; Resonances; Material Agency; Actants; Architectural Processes
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Abstract:
Der landwirtschaftliche Hof meiner Familie in Mroków, Polen dient als Ausgangspunkt dieser Arbeit. Ein Ensemble, das sich über Jahrzehnte hinweg bricolagehaft weiterentwickelt hat und geprägt ist von improvisierten Ergänzungen und pragmatischer Wiederverwendung. Spuren sozialer und ökonomischer Umbrüche lassen ihn nicht als geschlossenes Werk erscheinen, sondern als lebendiges Materialarchiv. Heute stellt sich die Aufgabe, diesen Hof nicht durch einen radikalen Neubeginn, sondern durch ein Weiterschreiben möglichen Zukunftsszenarien zu unterziehen. Ausgehend von der These des Neuen Materialismus, Materie als aktiven Mitspieler zu begreifen und mitsamt der Folgen seiner Prozesse wahrzunehmen, entwickelt die Arbeit fünf Resonanzen, die den Umbauprozess beeinflussen: Iteration, Vernetzung, Ressourcensammlung, Mitsorge und Impulse der Ästhetik. Diese sind keine losgelösten Strategien, sondern verschränken sich im Prozess: Materialien werden gesammelt, in neue Beziehungen gesetzt und ihre Pflege schließlich in einer Ästhetik sichtbar, die Spuren nicht überdeckt, sondern fortschreibt. Das alte Bauernhaus als Katalysator setzt einen iterativen Prozess in Gang, der den Umbau des Hofes in vier Akten versteht. Damit zeigt sich die Architektur für den Hof nicht als Masterplan, sondern als prozessuales Weiterschreiben, das Raum lässt für unvorhersehbare Entwicklungen. Der materielle Imperativ bewirkt ein Umdenken im Umgang mit den Ressourcen unserer Welt und strebt ein Entwerfen mit ihnen an. Der Hof wird so zum Labor einer Umbaukultur, der Materie als wirksame Kraft erkennt und mit ihr neue Formen von Resonanz zwischen Mensch, Stoff und Kontext eröffnet.
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The agricultural farm of my family in Mroków serves as the starting point for this work. It‘s an ensemble that has evolved over decades in a bricolage-like manner, characterized by improvised additions and pragmatic reuse. Traces of social and economic upheaval render it not a complete work, but rather a living archive of materials. Today, the task is to subject this courtyard not through a radical new beginning, but rather through the continuation of possible future scenarios.Based on the thesis of New Materialism, which understands matter as an active participant and perceives it along with its processes and consequences, the work develops five resonances that influence the conversion process: iteration, networking, resource collection, shared care, and impulses of aesthetic. These are not isolated strategies, but intertwine in the process: Materials are collected, placed in new relationships, and their care ultimately becomes visible in an aesthetic that doesn‘t cover up traces but perpetuates them. The old farmhouse acts as a catalyst to initiate an iterative process that understands the conversion of the courtyard in four acts. The architecture for the courtyard thus presents itself not as a master plan, but as a processual continuation that leaves room for unforeseeable developments.The material imperative prompts a rethinking of how we use our world‘s resources and strives to design with them. The courtyard becomes a laboratory for a culture of transformation that recognizes matter as an effective force and uses it to open up new forms of resonance between people, material, and place.
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Additional information:
Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers