Pöhlmann, N. (2026). Urbaner Nomadismus : ein Entwurfsansatz auf die falsche Permanenz des Bauwesens [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.139599
Der Gebäudesektor gehört weltweit zu den größten Verursachern von Emissionen und Ressourcenverbrauch. Gleichzeitig weist die gebaute Umwelt ein grundlegendes Paradox auf: Gebäude werden als dauerhafte Strukturen konzipiert, besitzen jedoch häufig nur eine begrenzte Nutzungsdauer, da sich gesellschaftliche Anforderungen, Nutzungsformen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen stetig verändern. Gleichzeitig gibt es in immer mehr Städten Europas Wohnungsnot, die Miet- und Kaufpreise extrem ansteigen lässt und der Bedarf nicht annähernd durch klassische Neubauten oder Renovierungen von Bestandsbauten gedeckt werden kann. Andererseits steigt der Büroleerstand, durch veränderte soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die traditionelle Vorstellung permanenter Architektur noch zeitgemäß ist, oder ob zukünftige Bauweisen stärker auf Anpassungsfähigkeit, Mobilität und Reversibilität ausgerichtet werden müssen.Die vorliegende Arbeit untersucht Architektur als dynamisches System zwischen Permanenz und Veränderung. Im theoretischen Teil werden historische und zeitgenössische Ansätze flexibler Bauformen analysiert, darunter nomadische Architektur, modulare und temporäre Strukturen, sowie alternative Wohnformen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem japanischen Metabolismus und dessen Idee austauschbarer Gebäudeelemente und weiteren Architekten, wie Yona Friedman und Shigeru Ban, die Architektur als anpassungsfähigen Prozess begreifen. Die Analyse zeigt, dass sich langlebige architektonische Qualität aus der Fähigkeit zur Transformation und Akzeptanz der Impermanenz ergibt.Auf dieser Grundlage entwickelt der Entwurfsteil ein modulares Baukonzept aus mobilen Raumeinheiten, eingebettet in ein größers Stahlskelett, welches die Veränderung oder den Austausch der einzelnen Raummodule jederzeit ermöglicht, ohne die Gesamtfunktion des Gebäudes oder dessen Hülle zu beeinträchtigen. Ziel ist ein konstruktiv realistisches System, das transportabel, reversibel und wiederverwendbar ist und gleichzeitig ungewöhgliche, sich ständig verändernde räumliche Qualitäten bietet. Die Architektur wird dabei nicht als abgeschlossenes Objekt verstanden, sondern als veränderbare Infrastruktur, die sich an soziale und räumliche Prozesse anpasst.Die Arbeit argumentiert, dass eine zukunftsfähige Architektur weniger in der Optimierung permanenter Gebäude liegt als in der Entwicklung flexibler, ressourcenschonender Strukturen, die auf Unsicherheit und Wandel reagieren können. Damit wird Architektur als kontinuierlicher Prozess gedacht – zwischen temporärer Nutzung und langfristiger städtischer Transformation.
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The building sector is among the world’s largest contributors to emissions and resource consumption. At the same time, the built environment exhibits a fundamental paradox: buildings are conceived as permanent structures, yet they often have only a limited useful life, as social needs, patterns of use, and economic conditions continuously change. In addition, an increasing number of European cities are facing severe housing shortages, driving rental and purchase prices sharply upward, while demand can by no means be met through conventional new construction or the renovation of existing buildings. Conversely, office vacancy rates are rising as a result of shifting social and economic conditions. Against this background, the question arises whether the traditional notion of permanent architecture is still timely, or whether future modes of building must be more strongly oriented toward adaptability, mobility, and reversibility.This thesis investigates architecture as a dynamic system between permanence and change. The theoretical part analyzes historical and contemporary approaches to flexible forms of building, including nomadic architecture, modular and temporary structures, and alternative modes of habitation. A particular focus lies on Japanese Metabolism and its concept of replaceable building elements, as well as on architects such as Yona Friedman and Shigeru Ban, who understand architecture as an adaptive process. The analysis shows that enduring architectural quality arises from the capacity for transformation and from embracing impermanence.On this basis, the design component develops a modular construction concept consisting of mobile spatial units embedded within a larger steel skeleton, which enables the modification or replacement of individual modules at any time without impairing the building’s overall function or its envelope. The aim is a constructively realistic system that is transportable, reversible, and reusable, while also offering unusual spatial qualities that are constantly changing. Architecture is thus understood not as a finished object, but as an evolving infrastructure that adapts to social and spatial processes.The thesis argues that future-proof architecture lies less in optimizing permanent buildings than in developing flexible, resource-efficient structures capable of responding to uncertainty and change. Architecture is thereby conceived as a continuous process—between temporary use and long-term urban transformation.