E311-01-4 - Forschungsgruppe Fertigungsmesstechnik und adaptronische Systeme
-
Date (published):
30-Sep-2025
-
Event name:
AKQ Tagung
de
Event date:
30-Sep-2025
-
Event place:
Wien, Austria
-
Keywords:
ISO GPS (Geometrische Produktspezifikation); Toleranzen der Mikro- und Makrogeometrie; Industrie 4.0; Geometrische Produktspezifikation und -verifikation
de
Abstract:
Die geometrische Produktspezifikation und ‑verifikation (GPS) nach ISO bildet das normative Fundament für die eindeutige Beschreibung geometrischer Anforderungen technischer Produkte. Mit dem Übergang von der klassischen technischen Zeichnung zur modellbasierten Produktbeschreibung (Model‑Based Definition, MBD) im Kontext von Industrie 4.0 gewinnt ein konsistentes, mathematisch fundiertes und digital nutzbares GPS‑Normensystem zunehmend an Bedeutung. Der 3D‑CAD‑Datensatz fungiert dabei als zentraler Informationsträger für Geometrie, Toleranzen, Bezugsdefinitionen sowie fertigungs‑ und prüfrelevante Daten.
Die Analyse zentraler ISO‑GPS‑Kernnormen zeigt jedoch, dass das bestehende Normensystem durch terminologische Unschärfen, Inkohärenzen und strukturelle Widersprüche geprägt ist. Dies betrifft insbesondere die uneinheitliche Verwendung grundlegender Begriffe wie Konzept, Prinzip, Regel und Merkmal sowie inkonsistente Beziehungen zwischen inhaltlich eng verknüpften Normen. Diese Defizite erschweren sowohl die eindeutige Interpretation als auch die durchgängige digitale Nutzung der Normen entlang des Produktlebenszyklus.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der funktionalen geometrischen Spezifikation. Bestehende GPS‑ und GD&T‑Werkzeuge stoßen an ihre Grenzen, wenn komplexe funktionale Anforderungen – etwa unterschiedliche Genauigkeitsforderungen für Abstands‑ und Winkelbedingungen zwischen Merkmalen – abgebildet werden sollen. Dies führt häufig entweder zu übermäßig engen Toleranzen mit erhöhten Kosten oder zu unzureichender Qualitätssicherung mit funktionalen Risiken.
Zur Überwindung dieser Einschränkungen wird ein erweiterter konzeptioneller Rahmen vorgestellt, der auf Situationsmerkmalen, Invarianzklassen und mathematisch konsistenten Modellierungsansätzen basiert. Konzepte wie ToLiP und CoToLiP ermöglichen eine systematische Reduktion geometrischer Lagesituationen auf eine minimale Menge unabhängiger Parameter. Aufbauend darauf wird eine Forschungs‑ und Entwicklungs‑Roadmap für einen globalen GPS²‑Prozess skizziert. Ziel ist ein konsistentes, interoperables und industrie‑4.0‑fähiges GPS‑System, das eine harmonisierte Verbindung zwischen Funktions‑, Fertigungs‑ und Verifikationsspezifikation gewährleistet.
de
Additional information:
F&E Roadmap einer geometrischen Produktspezifikation [GPS^2]