Haydn, T. (2026). Mut zur Komplexität : zum Umgang der Raumplanung mit komplexen Planungsproblemen [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.137189
Während die Welt von zunehmender Komplexität geprägt ist, kann gleichzeitig ein wachsender Drang zur Simplifizierung komplexer Sachverhalte beobachtet werden. Diese Spannung betrifft die Raumplanung in besonderem Maße, da sie mit realen, meist vielschichtigen räumlichen Problemen konfrontiert ist. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Arbeit, wie mit komplexen Planungsproblemen umgegangen werden kann, welche Rolle die Vermittlung von Komplexität dabei spielt und welche spezifischen Erkenntnisse die Raumplanung daraus für ihren Fachbereich gewinnen kann. In der Methodik basiert die Arbeit auf einer Kombination aus theoretischen Ansätzen zu Komplexität bzw. komplexen Planungsproblemen sowie der Analyse und Diskussion zweier aktueller Planungsbeispiele aus der Praxis. Untersucht werden in Beispiel 1 die Gemeindeentwicklung von Thunstetten (Schweiz) mittels eines Testplanungsverfahrens sowie in Beispiel 2 die Erstellung und Umsetzung einer Photovoltaik-Freiflächenstrategie im Bezirk Freistadt (Oberösterreich). Diese Arbeit zeigt, dass der Umgang mit Komplexität als eine prozesshafte Annäherung an komplexe Planungsprobleme zu verstehen ist, bei der die Komplexität konsequent berücksichtigt werden sollte. Die Vermittlung von Komplexität ist eine grundlegende Voraussetzung für die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses aller Beteiligten über die Planung und kann sich positiv auf die Vertrauensbildung auswirken. Die charakteristischen Eigenschaften der Raumplanung wie Offenheit, Flexibilität und ihr Querschnittsbezug sind zentrale Ressourcen in der Handhabung der Komplexität. Ein adäquater Umgang mit Komplexität gegenüber simplifizierten Darstellungen ist nicht nur realistischer, sondern auch fachlich zielführender. Daher sollten sich Planer:innen mutig mit Komplexität auseinandersetzen, diese anerkennen und vermitteln, da das in der Folge zu besseren Ergebnissen führt als eine simplifizierte Behandlung.
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While the world is becoming increasingly complex, there is also a growing urge to simplify complex issues. This tension is particularly relevant to spatial planning, as it is confronted with real, often multi-layerd spatial problems. Against this backround, this thesis examines how complex planning problems can be dealt with, what role the communication of complexity plays in this, and what specific insights spatial planning can gain from this for ist discipline. In terms of methodology, the thesis is based on a combination of theoretical approaches to complexity and complex planning problems, as well as the analysis and discussion oft wo current planning examples from practice. Example 1 examines the municipal development of Thunstetten (Switzerland) using a test planning procedure (Testplanung), and example 2 examines the creation and implementation of a photovoltaic open space strategy (PV-Freiflächenstrategie) in the district of Freistadt (Upper Austria). This thesis shows that dealing with complexity should be understood as a process-oriented approach to complex planning problems, in which compelxity should be consistently taken into acount. Communicating complexity is a fundamental prerequisite for developing a common understanding of planning among all stakeholders and can have a openness, flexibility, and ist cross-cutting nature, are key resources in managing complexity. Dealing with complexity in a appropiate manner is not only more realistic than simplified representations, but also more effective from a technical point of view. Planners should therefore bravely address complexity, acknowledge it, ans communicate it, as this leads to better results than a simplified approach.