Bast, L. (2026). Stadt als umkämpfter Bedeutungsraum : der Fall des Wiener Westbahnareals im Spannungsfeld divergierender Übersetzungsregime [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.132342
E260 - Institut für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen
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Date (published):
2026
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Number of Pages:
253
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Keywords:
Urbane Transformationsprozesse; zivilgesellschaftliche Initiativen; Bedeutungsräume; Übersetzungsprozesse; Aushandlungsprozesse; Partizipation; Stadtentwicklung Wien
de
Urban transformation processes; civil society initiatives; spaces of meaning; translation processes; negotiation processes; participation; urban development in Vienna
en
Abstract:
Die Transformation ehemaliger Bahn- und Industrieareale in innerstädtischen Bestandsquartieren vollzieht sich in einem komplexen Spannungsfeld, in dem sich top-down gesetzte Entwicklungsimpulse mit lokalen, oft bottom-up organisierten Dynamiken ineinandergreifen und situativ verschränken. Am Wiener Westbahnareal überlagern sich institutionalisierte Steuerungs- und Beteiligungsarchitekturen, zivilgesellschaftliche Gegenöffentlichkeiten und Verwertungslogiken so, dass Konflikte nicht nur als Streit um Zukunftsbilder auftreten, sondern auch als Auseinandersetzungen darüber, nach welchen Regeln Bedürfnisse und Interessen in räumliche Festlegungen übersetzt werden. Der Fall macht damit greifbar, welche Anliegen im Verfahren als „planungsfähig“ stabilisiert werden – und welche an rechtlichen Rahmenbedingungen, Zuständigkeiten und Routinen scheitern. Die Arbeit rekonstruiert im Rahmen einer ethnographisch orientierten Einzelfallstudie, wie Transformationsansprüche im Planungsprozess zur Entwicklung des Wiener Westbahnareals in konkrete planerische Setzungen überführt werden und welche Akteur:innenkonstellationen diese Übersetzungen prägen. Darauf aufbauend arbeitet sie heraus, welche Rückschlüsse sich hinsichtlich institutioneller Lern- und Innovationsdynamiken unter konfliktiven Bedingungen sowie auf die Spielräume und Grenzen des Wiener Planungssystems ziehen lassen. Konzeptionell verbindet die Arbeit eine kritisch-urbane Perspektive als ontologischen Ausgangspunkt mit assemblagetheoretischen Ansätzen, um die Verschränkung von Top-down- und Bottom-up-Dynamiken als situativ ausgehandelte Konfigurationen zu fassen. Ergänzend wird das aus der Actor-Network-Theory entlehnte Konzept der Übersetzung als analytisches Instrument genutzt, um nachzuzeichnen, wie sich Problemdefinitionen, Zuständigkeiten und Allianzen stabilisieren –und wie daraus Planungsfähigkeit hervorgeht oder begrenzt wird. Die Analyse legt offen, wie im untersuchten Planungsprozess zwei divergierende Übersetzungsregime aufeinandertreffen: ein institutionelles Netzwerk, das über Verfahrensmacht Umsetzbarkeit herstellt, und ein zivilgesellschaftliches Netzwerk, das über gegen hegemoniale Imaginationsangebote Aufmerksamkeitsmacht erlangt und so normative Dringlichkeit erzeugen kann. Zugleich zeigt sich, wie sich trotz divergierender Rationalitäten diskursive Rahmungen, gegen hegemoniale Visionen und verwertungsorientierte Interessen im Verfahren selektiv zu institutionell bearbeitbaren Setzungen verdichten – und welche Formen von Anliegen dabei Anschluss finden oder im Verfahren an Reichweite verlieren.
de
The transformation of former railway and industrial sites in inner-city neighbourhoods unfolds within a complex field of tensions in which top-down development impulses interlock with local, often bottom-up organised dynamics and become situationally entangled. At Vienna’s Westbahnareal, institutionalised governance and participation architectures, community-based counter-publics, and logics of valorisation and property overlap in ways that render conflicts visible not only as disputes over future visions, but also as struggles over the rules by which needs and interests are translated into binding spatial designations. The case thus makes tangible which concerns are stabilised within the process as “plannable” – and which fail due to legal frameworks, competences, and established procedural routines. Drawing on an ethnographically oriented single-case study, the thesis reconstructs how transformation claims are translated into concrete planning determinations within the planning process for the development of the Westbahnareal, and which actor constellations shape these translations. Building on this, it specifies what can be inferred about institutional learning and innovation dynamics under conflictual conditions, as well as about the room for manoeuvre – and limits – of Vienna’s planning system. Conceptually, the thesis combines a critical-urban perspective as an ontological point of departure with assemblage-theoretical approaches to grasp the interweaving of top-down and bottom-up dynamics as situationally negotiated configurations. In addition, the concept of translation borrowed from Actor-Network Theory is used as an analytical tool to trace how problem definitions, competences, and alliances are stabilised – and how planning capacity emerges from, or is constrained by, these processes. The analysis shows two divergent regimes of translation colliding: an institutional network that produces implementability through procedural power, and a civil-society network that generates normative urgency through attention power and counter-hegemonic imagination. At the same time, it demonstrates how – despite divergent rationalities – discursive framings, counter-hegemonic visions, and valorisation-oriented interests selectively condense into institutionally processable planning decisions, while other concerns fail to gain traction within legal, administrative, and procedural constraints.