Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit Frauen*häusern als architektonischen Schutz- und Lebensräumen für von patriarchaler Gewalt betroffene Frauen* und ihre Kinder. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Erkenntnis, dass häusliche Gewalt kein individuelles Ausnahmephänomen darstellt, sondern ein strukturelles gesellschaftliches Problem ist, dem räumlich und architektonisch begegnet werden muss. Frauen*häuser sind dabei nicht nur Orte akuter Sicherheit, sondern auch Räume des Ankommens, der Stabilisierung und der schrittweisen Rückgewinnung von Selbstbestimmung. Die Arbeit untersucht, welche Rolle Architektur in diesem Kontext übernehmen kann und wie sie aktiv zur Sicherheit, Heilung und Empowerment der Bewohnerinnen beitragen kann.Im theoretischen Teil werden zunächst die gesellschaftlichen, politischen und historischen Rahmenbedingungen von Frauen*häusern analysiert. Dabei werden Formen und Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt ebenso thematisiert wie die Entwicklung von Frauen*häusern in Österreich, insbesondere in Wien. Ein zentraler Fokus liegt auf der räumlichen Übersetzung von Schutzbedürfnissen: Sicherheit, Privatsphäre, Rückzugsmöglichkeiten, Gemeinschaft, Alltagstauglichkeit sowie die besonderen Anforderungen von Kindern als eigenständige Betroffene von Gewalt. Ergänzend werden Fragen der Inklusion, Barrierefreiheit und der Sichtbarkeit beziehungsweise Anonymität von Frauen*häusern im urbanen Kontext diskutiert.Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit sind zwei qualitative Interviews, die mit einer Sozialarbeiterin eines Frauen*hauses sowie mit der Leiterin eines Frauen*hauses geführt wurden. Diese Expertinnenperspektiven liefern praxisnahe Einblicke in den Alltag der Einrichtungen, in bestehende räumliche Defizite sowie in jene architektonischen Qualitäten, die von Bewohner*innen als besonders unterstützend oder belastend wahrgenommen werden. Die Interviews dienen nicht als statistische Auswertung, sondern als vertiefende Grundlage zur Überprüfung und Schärfung der theoretischen Annahmen und zur Ableitung konkreter räumlicher Anforderungen.Auf Basis der theoretischen Analyse und der Interviewergebnisse wird im praktischen Teil der Diplomarbeit ein architektonischer Entwurf für ein Frauen*haus in der Mollardgasse 50 in Wien entwickelt. Der Entwurf umfasst 17 Wohneinheiten für bis zu 46 Frauen* und Kinder und verfolgt das Ziel, einen geschützten, würdevollen und alltagstauglichen Lebensraum zu schaffen. Durch eine Holzbauweise, klar strukturierte Sicherheitszonen, differenzierte Rückzugs- und Gemeinschaftsbereiche sowie die bewusste Einbindung von Licht, Materialität und Außenräumen wird Architektur als aktives Gegenmodell zu Gewalt verstanden. Die Arbeit zeigt, dass Frauen*häuser mehr sein müssen als versteckte Zufluchtsorte: Sie sind gebaute Haltungen, die Schutz nicht nur ermöglichen, sondern sichtbar verteidigen.
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This diploma thesis explores women*’s shelters as architectural spaces of protection and everyday life for women* and children affected by patriarchal violence. The work is based on the understanding that domestic violence is not an individual or isolated phenomenon, but a structural societal issue that requires spatial and architectural responses. Women*’s shelters are therefore not only places of immediate safety, but also environments that support stabilization, healing, and the gradual regaining of autonomy. The thesis investigates how architecture can actively contribute to these processes and how built space can function as a form of resistance against violence.The theoretical part examines the social, political, and historical framework of women*’s shelters, with a particular focus on Austria and the city of Vienna. Different forms and dimensions of gender-based violence are discussed alongside the institutional development of women*’s shelters. A central emphasis is placed on architectural requirements such as security, privacy, trauma-sensitive design, the balance between retreat and community, and the specific needs of children as independent victims of violence. Additionally, issues of inclusion, accessibility, and the tension between anonymity and visibility of women*’s shelters within the urban fabric are addressed.An essential component of the research consists of two qualitative expert interviews conducted with a social worker from a women*’s shelter and the director of a women*’s shelter. These interviews provide practical insights into everyday life within the facilities, highlighting spatial challenges, safety concerns, and architectural qualities that are perceived as either supportive or stressful by residents. Rather than serving as quantitative data, the interviews are used to deepen the theoretical discussion and to translate lived experience into concrete spatial requirements for architectural design.Building on the theoretical analysis and the findings from the interviews, the practical part of the thesis presents the design of a women*’s shelter located at Mollardgasse 50 in Vienna. The project includes 17 residential units accommodating up to 46 women* and children. The architectural concept aims to create a protected, dignified, and functional living environment that supports both safety and everyday routines. Timber construction, clearly defined security zones, differentiated private and communal spaces, and the deliberate use of light, materiality, and outdoor areas position architecture as an active agent against violence. The thesis demonstrates that women*’s shelters should not merely be hidden places of refuge, but visible architectural statements that stand for protection, dignity, and self-determination.
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