Kirisits, N. (2026). Über die Notation von Klangräumen oder wie man Architektur klangbasiert denkt [Dissertation, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.81782
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Untersuchung von Klangräumen als integraler Bestandteil der architektonischen Praxis und schlägt eine klangbasierte Architektur vor, die traditionelle Soundscape-Forschung überwindet. Bisherige Ansätze betrachten Soundscapes zwar als räumliches Phänomen, untersuchen diese in ihren materiellen Grundlagen aber entweder als musikalische Komposition oder als rein akustisches Problem und verstehen sie deshalb nicht als architektonische Aufgabe. Über die Notation von Klangräumen schlägt stattdessen vor, Klangräume als genuin architektonische Elemente zu betrachten, die nicht durch bestehende Disziplinen wie Musik oder Akustik definiert, sondern aus einer architekturimmanenten Perspektive gedacht werden müssen, womit auch das Verständnis von Architektur überdacht werden muss. Zentrale Konzepte, die in dieser Arbeit entwickelt werden sind das architektonische Hören und die Klangraum-Sequenz. Das architektonische Hören beschreibt die aktive Wahrnehmung von klangbasierten räumlichen Elementen. Eine Klangraum-Sequenz wird als improvisierte Bewegung durch den Raum verstanden, bei der klangbasierte Elemente entlang eines Pfades wahrgenommen und dokumentiert werden. Klangräume lassen sich als die Summe aller möglichen Klangraum-Sequenzen definieren; zumindest müssen so viele Sequenzen realisiert werden, wie man benötigt, um einen Klangraum genau zu erfassen und die multisensorische sowie rhythmische Qualität dieses Raumes zu dokumentieren. Die Arbeit geht von einer medialen Konstruktion der architektonischen Praxis aus, die aus einer seit der Neuzeit gewachsenen Dichotomie zwischen wahrgenommenem Raum (externe Position) und geometrischem Raum (interne Position) besteht. Diese Trennung, die zwar prinzipiell viele Möglichkeiten für die architektonische Praxis eröffnet, führte jedoch zu einer visuellen Dominanz und einer Vernachlässigung multisensorischer Aspekte, insbesondere des Hörens. Mit Über die Notation von Klangräumen schlage ich daher vor, die aktuelle architektonische Ontologie durch Klang und klangbasierte Elemente, die ich als eigenständige architektonische Gestaltungselemente betrachte, weiterzuentwickeln, um Klangräume als architektonische Elemente zu verstehen. Dafür wird auf Basis der Beschreibung von Klang im Raum mittels eines ereignisbasierten Ansatzes, der Theorie der räumlich verteilten Klangeffekte, dem Konzept der raumbasierten Klangatmosphären7 und der Art und Weise, wie diese Elemente wahrgenommen wer-den eine theoretische Grundlage geschaffen. Ziel dieser Untersuchung ist es, die in die Architektur integrierten und aus dieser Sicht definierten Klangräume in etablierten Medien, z.B. zweidimensionalen Plänen darzustellen, um sie so nicht nur phänomenologisch, sondern vollständig in die architektonische Praxis zu integrieren. Dazu wird eine Notationsmethode entwickelt, die klangbasierte Architektur visualisiert. Bei dieser Methode werden Klänge nicht als zeitlose Objekte dargestellt, sondern der Pfad der Wahrnehmung in den Plänen dokumentiert. Im Unterschied zu verwandten Disziplinen wie der Klangkunst oder der auditiven Architektur sowie aktuellen Forschungen zur Notation von Klängen positioniert sich diese Arbeit explizit im Kontext der architektonischen Praxis. Ziel ist es, Klang und Architektur nicht nur als nebeneinander existierend zu betrachten, sondern sie zu verschmelzen und Architektur klangbasiert zu denken.
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The text is dedicated to the investigation of sound spaces as an integral part of architectural practice and proposes a sound-based architecture that overcomes traditional soundscape research. Previous approaches have considered soundscapes as a spatial phenomenon, but in their material basis they are either considered as musical compositions or as a purely acoustic problem, and are therefore never seen as an architectural task. Instead, this text proposes considering sound spaces as genuine architectural elements that cannot be defined by existing disciplines such as music or acoustics, but must be thought of from an architecture-immanent perspective, which also requires a rethinking of our understanding of architecture. Central concepts developed in this work are architectural listening and sound space sequence. Architectural listening describes the active perception of sound-based spatial elements. A sound space sequence is understood as an improvised movement through space, in which sound-based elements are perceived and documented along a path. Sound spaces can be defined as the sum of all possible sound space sequences needed at the very least to sufficiently capture a sound space and document the multi-sensory and rhythmic quality of this space. The work assumes a media construction of architectural practice that consists of a dichotomy between perceived space (external position) and geometric space (internal position), which has grown since modern times. This separation, which might offer many possibilities for architectural practice, has led to a visual dominance and a neglect of multi-sensory aspects, especially hearing. This analysis therefore suggests developing the current architectural ontology further, by including sound and sound-based elements, which are considered as independent architectural design elements, in order to be able to refer to sound spaces as architectural elements. To this purpose, a theoretical basis is created on the basis of the description of sound in space using an event-based approach, the theory of spatially distributed sound effects, the concept of space-based sound atmospheres and the way these elements are perceived. The aim of this work is to represent sound spaces integrated into architecture and de fined from this point of view in established media, e.g. 2D plans, in order to integrate them not only phenomenologically, but fully into architectural practice. To this aim, a notation method is developed that visualizes sound-based architecture. In this method, sounds are not represented as timeless objects, but the path of perception is documented in the plans. In contrast to related disciplines such as sound art or auditory architecture, as well as current research on the notation of sounds.20 this work is explicitly positioned in the context of architectural practice. The aim is to consider sound and architecture not only as coexisting, but to merge them and to think architecture in a sound-based way.
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