Mändl, A. (2026). Wo Länder sich berühren – Entlang der deutsch-tschechischen Grenze [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.137127
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Ende des Kalten Kriegs, gab es eine Vision von einer verbundenen Welt, weg von dem Konzept einzelner Nationalstaaten. Aber während die EU immer weiter wuchs und mit dem Schengener Abkommen die Grenzen innerhalb immer unsichtbarer wurden, begann weltweit das Aufrüsten der Grenzen erst. Seit dem Terroranschlag am 11. September 2001 steigt der Ausbau von Grenzen an. Mit der Flüchtlingskrise von 2015 wurde diese Entwicklung noch weiter verstärkt. Während diese Entwicklung jahrelang in einem eurozentrischen Weltbild nicht für jeden spürbar war, haben spätestens die letzten Jahre die Vision von einer grenzenlosen Welt zum Bröckeln gebracht. Kriege rücken immer näher an Europa heran und auf einmal sind nationalistische Denkweisen und rechtsextreme Parteien wieder salonfähig. In diesem Kontext richtet sich diese Diplomarbeit auf den Ort, an dem politische Veränderungen sich oft sofort zeigen: die Grenze. Dass eine Mauer nicht nur Land trennt, sondern auch in den Köpfen der Gesellschaft Spaltung verursacht, auch über das Bestehen der Mauer hinaus, zeigt sich deutlich in der deutschen Geschichte. Noch heute lässt sich anhand der Wahlergebnisse der ehemalige Verlauf der innerdeutschen Grenze ablesen.In der Diplomarbeit wird der Blick noch weiter in den Süden gerichtet, auf die deutsch-tschechische Grenze, wo der ehemalige Eiserne Vorhang das Territorium in Ost und West, in demokratisch und sozialistisch teilte. Die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien ist nicht nur eine geografische Trennlinie, sondern ein historisch, kulturell und politisch geprägter Raum, dessen Auswirkungen auf Architektur und Siedlungsstrukturen bis heute spürbar sind. Dort wo die Sperrzone verlief, wurden viele Dörfer, die in diesem Gebiet lagen, einfach abgerissen. So konnte sich dort zwar das Ökosystem gut entwickeln, aber es wurden wichtige Verflechtungen der beiden Länder nachhaltig zerstört. Entlang der Grenze gibt es immer wieder ein Denkmal zu finden, dass auf die Vergangenheit verweist. Stärker ist die Grenze aber geprägt von anderen Einrichtungen wie Rastplätzen, Tankstellen und einfache Infrastruktur. Es gibt bestimmte Nutzungen, wie Casinos, Bordelle oder Duty-Free Shops die vermehrt an den Grenzübergängen zu finden sind. Diese Einrichtungen bringen auch eine eigene Architektursprache mit sich. Diese Nutzungen zeugen von der Zeit nach der Grenzöffnung, als sich plötzlich ein weiterer Markt eröffnete und die tschechische Seite auf Konsumangebote und Dienstleistungen setzte. Bei der Fahrt entlang der Grenze wird jedoch deutlich, dass diese Zeit der Vergangenheit angehört. Es gibt viel Leerstand, verfallende Gebäude und die Verkehrsflächen wirken überdimensioniert. Vor allem diese Orte scheinen in ihrer Zeit stehen geblieben zu sein. Aber nicht alle Einrichtungen verfallen. Einige haben sich über die Zeit hinweg etabliert, sowie das Casino in dem tschechischen Grenzort Rozvadov. Es ist das größte Pokercasino Europas und bringt dem Ort viel Profit. Gleichzeitig steht es aber auch in Konkurrenz zu den Einwohner:innen, denn es nimmt immer mehr öffentlichen Raum ein. Wie beeinflusst die Grenze Architektur und städtebauliche Strukturen und damit das Leben der Menschen vor Ort?
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After the fall of the Iron Curtain and the end of the Cold War, there was a vision of a connected world, moving away from the concept of individual nation states. While the EU continued to grow and borders within it became increasingly invisible with the Schengen Agreement, the fortification of borders began. Since the terrorist attack on 11 September 2001, the strengthening of borders has been on the rise. The refugee crisis of 2015 further reinforced this development. For years, this process was not visible to everyone within a Eurocentric worldview, but in recent years, the vision of a borderless world has started to crumble. Wars are moving closer to Europe and suddenly nationalist thinking and right-wing extremist parties have become socially acceptable again. In this context, the thesis focuses on the place where political changes often manifest themselves immediately: the border. German history clearly shows that a wall not only separates land, but also causes division in the minds of society, even beyond the existence of the wall. Even today, the former course of the inner-German border can still be seen in the election results. This thesis looks further south, to the German-Czech border, where the former Iron Curtain continued to divide the territory into East and West, into democratic and socialist. The border between Germany and Czechia is not only a geographical dividing line, but also a historically, culturally and politically significant area whose impact on architecture and settlement structures can still be felt today. Where the restricted zone ran, many villages located in this area were simply demolished. This allowed the ecosystem to develop well, but important links between the two countries were permanently destroyed. When driving along the border today, there are only a few monuments that refer to the past. The border is more strongly characterized by other facilities such as rest areas, petrol stations and simple infrastructure. There are certain functions, such as casinos, brothels or duty-free shops, that are increasingly found at border crossings with Germany. These facilities also bring with them their own architectural language. These uses bear witness to the period after the border was opened, when a new market suddenly opened up. When you drive along there, you realise that this area is a product of the past. Many properties are vacant, buildings are decaying, and traffic areas seem oversized. Above all, these places appear frozen in time. But not all facilities are in decline. Some have managed to establish themselves over the years, such as the casino in the Czech border town of Rozvadov. It is the largest poker casino in Europe and generates significant profit for the area. At the same time, however, it also competes with local residents, as it occupies more and more public space. How does the border influence architecture and urban structures and, in turn, the lives of the people who live there?
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