Schüle, V. (2026). Orte der Einkehr – Ein säkularer Rückzug auf Zeit [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.130967
Die Leopoldsburg auf dem Wiener Leopoldsberg ist ein Ort des Rückzugs und der Distanz. Der Weg hinauf markiert eine allmähliche Loslösung vom städtischen Alltag; die Mauern der Anlage bilden eine klare Grenze zwischen Außen und Innen. Der heutige Leerstand der Anlage eröffnet die Möglichkeit, diesen Ort neu zu lesen und als Raum jenseits funktionaler oder repräsentativer Zuschreibungen zu interpretieren. Die Arbeit nähert sich der Leopoldsburg aus der Perspektive mentaler Erholung und Achtsamkeit. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Architektur Bedingungen schaffen kann, die innere Sammlung und temporären Rückzug ermöglichen, ohne auf religiöse oder therapeutische Programme zurückzugreifen. Dabei wird Rückzug nicht als vollständige Isolation verstanden, sondern als bewusste Neuordnung von Raum, Zeit und Aufmerksamkeit. Ausgehend von Untersuchungen zu Wahrnehmung, Tageslicht, räumlicher Struktur und Rhythmus setzt sich die Arbeit mit architektonischen Strategien auseinander, die das Verhältnis von Innen und Außen, Offenheit und Begrenzung, Bewegung und Aufenthalt neu verhandeln. Die konzeptionelle Grundlage für die Nutzung der Leopoldsburg bildet ein säkulares Retreat, das in seiner Struktur an klösterliche Lebensweisen erinnert, jedoch ohne religiösen Rahmen funktioniert. Der Entwurf entwickelt auf dieser Grundlage ein räumliches Gefüge für einen säkularen Rückzugsort auf Zeit. Die Architektur organisiert sich über klare Strukturen und Abfolgen, die unterschiedliche Grade von Gemeinschaft und individuellem Rückzug ermöglichen. Sichtbeziehungen, Raumfolgen und Lichtverhältnisse werden als Mittel zur Fokussierung und bewussten Wahrnehmung des eigenen Aufenthalts eingesetzt. Die Architektur versteht sich als einen stillen Vermittler zwischen äußerer Umgebung und innerer Erfahrung. Sie formuliert einen Beitrag zur Frage, wie gebaute Räume als Instrumente mentaler Erholung wirken können und wie bestehende Orte, wie die Leopoldsburg, zu zeitgenössischen Rückzugsräumen weitergedacht werden können, ohne ihre Offenheit und Wandelbarkeit zu verlieren.
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The Leopoldsburg on the Viennese Leopoldsberg is a place of withdrawal and distance. The path upward marks a gradual detachment from everyday urban life; the walls of the complex create a clear boundary between outside and inside. The current vacancy of the site opens up the possibility to reinterpret this place and understand it as a space beyond functional or representational attributions. This work approaches the Leopoldsburg from the perspective of mental restoration and mindfulness. At its core is the question of how architecture can create conditions that allow for inner focus and temporary retreat without relying on religious or therapeutic programs. Withdrawal is not understood as complete isolation but as a conscious reordering of space, time, and attention. Based on investigations of perception, daylight, spatial structure, and rhythm, the work engages with architectural strategies that renegotiate the relationship between interior and exterior, openness and limitation, movement and stillness. The conceptual foundation for the use of the Leopoldsburg is a secular retreat that, in its structure, recalls monastic ways of life but functions without a religious framework. The design develops, on this basis, a spatial arrangement for a secular temporary retreat. The architecture organizes itself through clear structures and sequences that enable varying degrees of communal and individual retreat. Visual connections, spatial sequences, and lighting conditions are employed as tools for focus and conscious awareness of one’s own presence. Architecture is understood as a quiet mediator between the external environment and inner experience. It offers a contribution to the question of how built spaces can function as instruments of mental restoration and how existing sites, like the Leopoldsburg, can be reimagined as contemporary spaces of retreat without losing their openness and adaptability.
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