Koller, N. (2026). „Kommen Sie zu uns – wir haben nichts.“ Ein anderer Weg der Tourismusentwicklung im alpinen Raum: Das Villgratental in Osttirol. [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.132649
Viele alpine Regionen sehen sich zunehmend mit dem Überschreiten von Belastungsgrenzen und wachsenden Besucher:innenströmen konfrontiert. Vor diesem Hintergrund beleuchtet die vorliegende Arbeit am Beispiel des Villgratentals in Osttirol einen bewusst reduzierten Tourismusansatz als Gegenentwurf. Im Zentrum steht die Frage, wie sich der Tourismus im Villgratental einordnen lässt und welche Ansatzpunkte sich daraus für dessen Weiterentwicklung ableiten lassen.Methodisch basiert die Arbeit auf einem Mixed-Methods-Ansatz. Dieser umfasst eine Literaturrecherche und die deskriptive Analyse von Sekundärdaten zur Untersuchungsregion sowie eine qualitative Erhebung, bestehend aus leitfadengestützten Expert:inneninterviews mit lokalen Akteur:innen sowie Kurzgesprächen mit Einheimischen und Tourist:innen. Dadurch werden sowohl strukturelle Entwicklungen als auch subjektive Einschätzungen und Erfahrungswissen berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Tourismus im Villgratental maßgeblich durch spezifische räumliche, gesellschaftliche und historische Rahmenbedingungen geprägt ist. Besonders ausschlaggebend für die Entwicklungen waren unter anderem die räumliche Abgeschiedenheit, eine historisch gewachsene Skepsis gegenüber externen Entwicklungsimpulsen, eine restriktive Widmungspolitik sowie die wiederholte Ablehnung größerer Erschließungsvorhaben. Das daraus entstandene Tourismusmodell weist inhaltliche Nähe zu mehreren Tourismuskonzepten auf, darunter Slow Tourism, sanfter Tourismus und naturnaher Tourismus. Auf dieser Grundlage werden elf konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des Tourismus im Tal formuliert. Dazu zählen unter anderem die Erarbeitung eines gemeinsamen Orientierungsrahmens für den Tourismus, der qualitative Ausbau des Bettenangebotes, die Verlängerung der Vermietungsdauer der Almhütten, die Sicherung von leistbarem Wohnraum sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität. Zugleich werden übertragbare Elemente für andere Regionen identifiziert, wie die bewusste Begrenzung touristischer Infrastruktur als Alleinstellungsmerkmal und die kontinuierliche Einbindung lokaler Akteur:innen. Außerdem werden die Grenzen der Übertragbarkeit reflektiert.
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Many Alpine regions are increasingly confronted with the strain of exceeding their carrying capacities and growing visitor numbers. Against this backdrop, this study examines a countertrend approach to tourism, one that is deliberately scaled back, using the example of Villgratental in East Tyrol, Austria. The central question is how tourism in Villgratental can be characterized and which recommendations can be derived from this for its further development. Methodologically, the study is based on a mixed-methods approach. This includes a literature review and the descriptive analysis of secondary data on the study region, as well as a qualitative study consisting of semi-structured expert interviews with local stakeholders and brief conversations with residents and tourists. This ensures that both structural developments and subjective assessments, as well as practical knowledge, are considered. The findings show that tourism in Villgratental is significantly shaped by specific spatial, societal and historical conditions. Key factors influencing these developments included the valley’s geographical isolation, a historically rooted scepticism towards external development initiatives, a restrictive land-use policy, and the repeated rejection of major development projects. The resulting tourism model shares conceptual similarities with several tourism concepts, including slow tourism, soft tourism and nature-based tourism. On this basis, eleven fields of action for further development are formulated. These include the development of a joint framework for tourism, the qualitative expansion of accommodation capacity, the extension of the rental periods for alpine huts, the safeguarding of affordable housing, and measures to improve mobility. At the same time, elements that can be transferred to other regions are identified, such as the deliberate decision not to expand tourism infrastructure as a unique selling point and the continuous involvement of local stakeholders. Furthermore, the limits of transferability are examined.
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