Biotechnologisches Unternehmertum ist geprägt von hoher wissenschaftlicher Unsicherheit, langen Entwicklungszeiträumen, strengen regulatorischen Anforderungen und einem erheblichen Kapitalbedarf. Biotechnologische Unternehmen in der Frühphase müssen strategische Entscheidungen mit langfristigen Auswirkungen treffen, während sie gleichzeitig unter Bedingungen begrenzter Ressourcen, verzögerter Rückmeldungen und unvollständiger Informationen operieren. Entsprechend kommt Gründer:innen und frühen C-Level-Führungskräften eine zentrale Rolle bei der Ausrichtung des Unternehmens zu, da sie durch ihre frühen strategischen Entscheidungen maßgeblich den weiteren Verlauf des Unternehmens prägen.Die vorliegende qualitative Studie untersucht, wie Gründer:innen und C-Level-Führungskräfte österreichischer Biotechnologieunternehmen in der Frühphase mit herausfordernden strategischen Entscheidungen umgehen und diese reflektieren. Anstatt Entscheidungsergebnisse oder die Unternehmensperformance zu bewerten, liegt der Fokus auf dem Verständnis von Entscheidungsprozessen unter Unsicherheit. Zudem wird analysiert, ob sich Entscheidungsfindung zwischen unerfahrenen und erfahrenen Unternehmer:innen sowie zwischen wissenschaftlich und betriebswirtschaftlich geprägten Gründer:innen unterscheidet und wie solche Unterschiede mit frühen Entwicklungssignalen wie Finanzierung, Teambildung, Aktivitäten im Bereich geistiges Eigentum und Partnerschaften zusammenhängen.Die Studie stützt sich auf die Entrepreneurship-Forschung sowie auf Entscheidungslogiken, die Entscheidungsfindung als dynamischen und kontextabhängigen Prozess begreifen. Es wurden zehn halbstrukturierte Interviews mit Gründer:innen und Führungskräften aus acht österreichischen Biotechnologieunternehmen durchgeführt, die unterschiedliche Geschäftsmodelle und Entwicklungsstadien repräsentieren. Die Interviewpartner:innen reflektierten konkrete strategische Entscheidungen, ihre Denk- und Abwägungsprozesse, Informationsquellen, die Einbindung anderer Personen sowie ihren Umgang mit Unsicherheit.Die Ergebnisse zeigen keinen stabilen oder deterministischen Zusammenhang zwischen dem Hintergrund der Gründer:innen oder ihrer unternehmerischen Vorerfahrung und den angewandten Entscheidungslogiken. Stattdessen beschrieben alle Befragten hybride Entscheidungsansätze, die – je nach Art der Entscheidung – Elemente von Causation, Effectuation, Bricolage, Lean Startup und dem wissenschaftlichen Ansatz kombinierten. Unterschiede zeigten sich jedoch zwischen unerfahrenen und erfahrenen Gründer:innen: Erfahrene Unternehmer:innen berichteten häufiger von einem bewussten Wechsel zwischen verschiedenen Entscheidungslogiken, während weniger erfahrene Gründer:innen ähnliche Veränderungen eher als Reaktion auf externe Zwänge oder Ratschläge darstellten.Die Entscheidungsfindung wurde weniger durch Unternehmensmerkmale oder den Typ der Gründer:innen geprägt als vielmehr durch kontextuelle Faktoren wie regulatorische Meilensteine, Finanzierungsbedingungen und wissenschaftliche Unsicherheit. Die Zusammensetzung des Teams, der Zugang zu erfahrenen Berater:innen sowie professionelle Netzwerke spielten eine zentrale Rolle dabei, individuelle Wissenslücken auszugleichen und strategische Urteilsbildung zu beeinflussen.Insgesamt unterstreicht die Studie, dass unternehmerische Entscheidungsfindung in der Biotechnologie eine kollektive und adaptive Fähigkeit darstellt, die maßgeblich durch Erfahrung, Reflexion und den sozialen Kontext geprägt ist.
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Biotechnology entrepreneurship is characterised by high scientific uncertainty, lengthy development timelines, stringent regulatory requirements, and substantial capital needs. Earlystage biotechnology ventures must make strategic decisions with long-term consequences while operating under conditions of limited resources, delayed feedback, and incomplete information. Consequently, founders and early C-level executives play a central role in shaping venture trajectories through their early strategic decisions. The qualitative study presented examines how founders and C-level executives of early-stage Austrian biotechnology companies approach and reflect on challenging strategic decisions.Rather than assessing decision outcomes or firm performance, the focus is on understanding decision-making processes under uncertainty. The study also explores whether decisionmaking differs between novice and experienced entrepreneurs, between scientifically and business-oriented founders, and how such differences relate to early development signals such as financing, team building, intellectual property activity, and partnerships.The study draws on entrepreneurship research and decision logic frameworks that conceptualise decision-making as a dynamic and context-dependent process. Ten semistructured interviews were conducted with founders and senior executives from eight Austrian biotechnology ventures, which represented a variety of business models and development stages. The interviewees reflected on concrete strategic decisions, their reasoning processes, the sources of their information, how they involved others, and how they coped withuncertainty. The findings reveal no stable or deterministic relationship between founder background or prior entrepreneurial experience, and the decision logics applied. Instead, all interviewees described blended decision-making approaches, combining elements of causation, effectuation, bricolage, lean-startup and the scientific approach depending on the nature of the decision. The study revealed differences between novice and experienced founders. Experienced entrepreneurs were more likely to describe deliberate switching between decision logics,whereas novices tended to frame similar shifts as responses to external constraints or advice. Rather than being shaped by company characteristics or founder type, decision-making wasstrongly influenced by contextual factors such as regulatory milestones, financing conditions,and scientific uncertainty. Team composition, access to experienced advisors, andprofessional networks played a crucial role in compensating for individual knowledge gaps andshaping strategic judgement.Overall, the study emphasises that entrepreneurial decision-making in biotechnology is acollective and adaptive ability influenced by experience, reflection, and social context.
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