OpenAI's GPT-4 halluziniert in 9,3 % der Antworten von Retrieval-Augmented Generation (RAG)-Systemen, doch bestehende Halluzinierungserkennungsmethoden erzwingen eine Entscheidung zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit. Schnelle Token-Klassifikatoren übersehen semantische Fehler und genaue Sampling-Methoden wie zum Beispiel Semantic Entropy erfordern das fünf- bis zehnfache der Generierungskosten. Diese Diplomarbeit stellt eine latenzgestufte Erkennungsarchitektur vor, die einen Transformer-Klassifikator mit unüberwachten Hidden-State-Probes kombiniert und dabei auf Erkennungslatenz unter 100 ms auf im Handel erhältlichen GPUs abzielt. Zwei Kombinationsstrategien werden evaluiert: Cascade Routing, bei dem sichere Halluzinationsvorhersagen einer früheren Stufe teurere spätere Stufen überspringen, und Score Blending, bei dem Stufen parallel ausgeführt und ihre Ausgaben über einen gewichteten Durchschnitt kombiniert werden.Der zentrale technische Beitrag ist die Grounding Probe: ein logistischer Regressionsklassifikator, der die Hidden States eines separaten Beobachtermodells als Eingabe verwendet, das die zu bewertende Antwort liest, ohne sie selbst erzeugt zu haben. Da die Probe auf internen Repräsentationen statt auf Oberflächentext operiert, erkennt sie semantische Inkonsistenzen, die Token-basierte Methoden übersehen. Ein früherer Ansatz, die Reading Probe, trainiert auf Korrektheit bei Frage-Antwort-Aufgaben als Proxy für Halluzination, leidet jedoch unter einem sogenannten Distribution Shift bei Anwendung auf RAG-Evaluierungsdaten. Die Grounding Probe vermeidet das durch direktes Training auf menschlich annotierten Halluzinationslabels aus dem RAGTruth-Dataset (15.090 Samples). Hidden-State-Repräsentationen sind hochdimensional (2.048–5.120 Dimensionen je nach Modellgröße), was bei begrenzten Trainingsdaten zu Overfitting führt. Die Anwendung von Principal Component Analysis (PCA), einem Verfahren zur Dimensionsreduktion, das Merkmale auf ihre informativsten Richtungen projiziert, auf 512 Dimensionen reduziert die Train-Test-AUROC-Lücke von 0,087–0,202 auf 0,009–0,013 bei Erhalt der Diskriminierungsfähigkeit. Grounding Probes erreichen 0,879–0,894 AUROC über vier Modellgrößen hinweg, wobei 28-mal weniger Trainingssamples benötigt werden als bei Reading Probes, die auf 428.619 Frage-Antwort-Paaren trainiert wurden.Cascade Routing verbessert AUROC sowohl für den Base-Transformer (+0,038 bis +0,048) als auch für den Large-Transformer (+0,019 bis +0,029), verschlechtert jedoch den F1-Wert für den Large-Transformer um −0,026 bis −0,042 aufgrund bimodaler Score-Verteilungen, die durch Mischung zweier unkalibrierter Score-Skalen entstehen. Score Blending löst dieses Problem: Die Kombination beispielsweise des LettuceDetect-Large-Transformers (29 ms) mit einer Qwen 2.5 14B Grounding Probe (94 ms) erreicht 0,924 AUROC, 0,820 F1@0,5 und 0,820 OptF1 auf dem RAGTruth-Testset, was den Transformer in allen Metriken übertrifft (+0,060 AUROC, +0,028 F1@0,5, +0,027 OptF1). In der gemischten Generatorevaluierung übertrifft dieses Ergebnis das unserer Kenntnis nach beste publizierte RAGTruth-Resultat (LUMINA, 0,857 in Einzelgenerator-Evaluierung), wobei die unterschiedlichen Evaluierungsprotokolle einen direkten Vergleich einschränken. Eine kosteneffiziente Variante mit Qwen 2.5 3B erreicht 0,915 AUROC bei 49 ms paralleler Latenz. Score Blending verbessert beide Transformer-Varianten, während Cascade Routing den F1-Wert nur für den Base-Transformer erhält.Eine Komponentenanalyse von sechs Erkennungskomponenten zeigt, dass viele Token-Augmentierungen (z.B. Named Entity Recognition, numerische Verifikation) den AUROC auf Pipeline-Ebene trotz starker Einzelleistung nicht verbessern. Alle Quelltexte, trainierten Probes und Evaluierungsskripte werden als Erweiterungen des Open-Source-Frameworks LettuceDetect veröffentlicht.