Moosbauer, D. (2023). Lernen vom Bauhaus : eine Genealogie der „Methode Bauhaus“ und ihre Anwendbarkeit auf die gegenwärtige Architekturpraxis [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2023.85182
Ausstellungsgestaltung; Szenografie; Inszenierte Räume; Bauhaus; Design; Wissensvermittlung; Museografie; arrativer Raum; Museum für angewandte Kunst
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Exhibition Design; Scenography; Staged Space; Bauhaus; Design; Knowledge Transfer; Museography; the Narrative Space; Museum of Applied Arts
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Abstract:
Das Bauhaus reagierte auf die tiefgreifenden Folgen der industriellen Revolution, den damit einhergehenden sozialen Veränderungen, auf zwei Weltkriege und Revolutionen. Wir sehen uns heute vor anders gewandeten Herausforderungen, die ähnlich folgenschwer unsere Gegenwart und Zukunft bestimmen. Klimawandel, geopolitische Veränderungen und künstliche Intelligenz – das Stichwort lautet Multiple Krisen. Die sozialen, ökonomischen und kulturellen Ungleichheiten, die daraus resultieren, fordern uns zum Handeln auf. Auch die derzeitige Corona-Pandemie (seit 2019) stellt uns vor neue, nicht da gewesene, Herausforderungen. Obwohl die Ausgangslage scheinbar eine andere ist, leben wir in einer ähnlichen Welt der Umbrüche, in der der Wille zur Veränderung neue Potentiale frei setzt: Jener Wille, unsere Gegenwart und Zukunft nachhaltig, inklusiv und demokratisch zu gestalten. Vom Bauhaus zu lernen bedeutet, diese Energie und diesen Willen zur Veränderung, welche aus den Umbrüchen resultieren, zu nutzen und die Problemstellungen gemeinsam anzupacken. Das Bauhaus hat mit seinem Mut, veraltete Strukturen aufzubrechen und – entgegen den bewährten Traditionen – neue Herangehensweisen in Design, Architektur, Bildung und dem Zusammenleben auszuloten, den Weg zu einer neuen Epoche geebnet: der Moderne. Diese muss durchaus kritisch befragt und untersucht werden, jedoch bleibt das Bauhaus eine kulturell prägende Institution. Es hat maßgeblich an einer neuen Ästhetik mitgewirkt, an neuen Wohnmodellen experimentiert, interdisziplinär gearbeitet, einen neuen kunstpädagogischen Diskurs gestartet und dabei Gemeinschaft gelebt. All das mit dem Ziel, einen neuen „Bau der Zukunft“ auf den Trümmern des vorangegangenen Jahrhunderts zu errichten. Kunst, Design und Architektur können uns dabei Werkzeuge anbieten, unsere Welt und unser Zusammenleben gemeinsam zu gestalten und unsere Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten zu erweitern. Globale Probleme können somit lokal angegriffen werden. Gestaltung wird dabei zum Instrument, um zu einem zukunftsfähigen Wandel sowie einem sorgetragenden Miteinander nachhaltig beizutragen. Es bedeutet dabei nicht, die Lösungsvorschläge des Bauhauses eins zu eins zu übernehmen. Es bedeutet auch nicht, das Bauhaus kritiklos zu glorifizieren. Vielmehr sollen die Mechanismen dahinter frei gelegt werden, um sie gezielt für unsere Bedürfnisse anzuwenden. Es bedeutet, mit Neugierde, Mut und viel Kreativität auf die brennenden Fragen unserer Zeit zu reagieren. Vom Bauhaus zu lernen bedeutet, den Jetzt-Zustand kritisch zu hinterfragen, Probleme und Potentiale zu identifizieren und den Herausforderungen unvoreingenommen, dynamisch und idealistisch zu begegnen. Den Fragestellungen unserer Gegenwart kann kollektiv und interdisziplinär begegnet werden um somit die Potenziale der Vielfalt zu nutzen. Ausgetretene Pfade werden hinter sich gelassen und neue Wege gedacht und erkundet. Vom Bauhaus zu lernen bedeutet außerdem, zu experimentieren, Expertisen aufzubauen und der Neugierde immer Raum zu lassen. Der Anspruch auf einen gleichberechtigten, demokratischen und menschenfreundlichen Entwurfsprozess wird dabei nicht nur angewandt, sondern gelebt und in alle dem soll - wie von den Bauhäusler*innen vorgelebt - niemals auf das Feiern vergessen werden! Ziel der Diplomarbeit ist eine umfassende Analyse, die sowohl den geschichtlichen Kontext, die treibenden Schlüsselfiguren, die Lehre als auch die ästhetischen Auffassungen am Bauhaus aufarbeitet. Komplettiert wird dies durch Einblicke in den Alltag am Bauhaus. Von der Faszination geleitet, die das Bauhaus in seinem lustvollen Umgang mit Gestaltung ausübt, ist das Bestreben, detailorientiert Bezüge zwischen den einzelnen Aspekten herzustellen um daraus Prinzipien abzuleiten, die uns ein zukunftsorientiertes Handeln ermöglichen. Im ersten Teil der Arbeit wird die „Methode Bauhaus“ dechiffriert. Es leiten sich neun Thesen ab, die wir vom Bauhaus auf unsere gegenwärtige Architekturpraxis anwenden können. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Rolle des Handwerks. Im Zuge des Projekts „Handwerk & Baukultur“ entstand die praktische Ausarbeitung des Raumprogramms des Auftaktworkshops am 10.3.2023 im Südbahnhotel am Semmering.
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The Bauhaus reacted to the profound consequences of the industrial revolution, the accompanying social changes, two world wars and revolutions. Today, we are faced with challenges of a different nature that have a similar impact on our present and future. Climate change, geopolitical changes and artificial intelligence - the keyword is multiple crises. The social, economic and cultural inequalities that result from these call us to action. The current Corona pandemic (since 2019) also presents us with new, unprecedented challenges. Although the starting point is seemingly different, we live in a similar world of upheaval, where the will to change unleashes new potentials: That will to shape our present and future in a sustainable, inclusive and democratic way. Learning from Bauhaus means using this energy and this will to change, which result from the upheavals, and tackling the problems together. With its courage to dismantle outdated structures and - contrary to established traditions - to explore new approaches in design, architecture, education and coexistence, the Bauhaus paved the way for a new epoch: modernity. Although this epoch must be critically questioned and examined, the Bauhaus remains a culturally formative institution. It has been influential in creating a new aesthetic, experimenting with new housing models, working in an interdisciplinary way, launching a new discourse on art education and living community in the process. All this with the aim of establishing a new „building practice for the future“ on the ruins of the previous century. Art, design and architecture can offer us tools to shape our world and our coexistence together and to expand our possibilities for action and decision-making. Global problems can thus be addressed locally. Design becomes an instrument to contribute to a sustainable change and a caring coexistence. It does not mean adopting the Bauhaus‘ proposed solutions one-to-one. Nor does it mean glorifying the Bauhaus without criticism. Rather, it means uncovering the mechanisms behind it in order to apply them specifically to our needs. It means responding to the urgent questions of our time with curiosity, courage and a great deal of creativity. Learning from Bauhaus means critically questioning the current state of affairs, identifying problems and potentials and meeting the challenges in an unbiased, dynamic and idealistic way. The questions of our present can be addressed collectively and interdisciplinarily in order to use the potential of diversity. Well-trodden paths are left behind and new paths are thought out and explored. Learning from the Bauhaus also means experimenting, building up expertise and always leaving room for curiosity. The claim to an equal, democratic and philanthropic design process is not only applied, but lived, and in all of this - as exemplified by the Bauhäusler*innen - celebration should never be forgotten!The aim of the diploma thesis is a comprehensive analysis, which examines both the historical context, the driving key figures, the teaching and the aesthetic views at the Bauhaus. This is completed by insights into everyday life at the Bauhaus. Guided by the fascination that the Bauhaus exerts in its joyful handling of design, the effort is to establish detail-oriented connections between the individual aspects in order to derive principles from them that enable us to act in a future-oriented way.In the first part of the thesis, the „Bauhaus method“ is deciphered. Nine theses are derived that we can apply from the Bauhaus to our current architectural practice. The second part of the thesis deals with the current role of craftsmanship. In the course of the project „Handwerk & Baukultur“, the the spatial programme of the opening workshop on 10.3.2023 in the Südbahnhotel at Semmering was developed.
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Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers