Bettinelli, L., & Fink, J. (2024, April 26). Einfluss der Koppelbalkenmodellierung auf Tragwerksschwingungen von Eisenbahnbrücken unter Hochgeschwindigkeitsverkehr [Conference Presentation]. ÖBV Baukongress 2024, Wien, Austria.
Die Transformation des Verkehrswesens hin zu nachhaltigen, effizienten und zuverlässigen Transportmitteln stellt planende und ausführende IngenieurInnen im schienengebundenen Infrastruktursektor vor neue Herausforderungen. Mit steigender Streckenauslastung, höheren Zuggeschwindigkeiten und Achslasten müssen alle betroffenen Eisenbahnbrücken, sowohl im Bestandsnetz als auch im Neubau, einer genauen dynamischen Überprüfung unterzogen werden. Insbesondere der Nachweis der Einhaltung der auftretenden Grenzbeschleunigungen der Brücken erfordert eine möglichst realitätsnahe Modellbildung, um zuverlässige und wirtschaftliche Vorhersagen der auftretenden Tragwerksschwingungen zu ermöglichen. Oft weichen die mit üblichen und stark vereinfachten Berechnungsmodellen ermittelten Schwingungen erheblich von den tatsächlich in-situ gemessenen Werten ab. Die Berücksichtigung der günstig wirkenden Interaktionsdynamik zwischen Gleisrost (Schienen und Schwellen) und Tragwerk kann wesentlich dazu beitragen, diese Diskrepanz zu miniminieren.
In diesem Beitrag wird der Einfluss dieser Interaktionsdynamik auf die berechneten Tragwerksschwingungen anhand einer umfangreichen numerischen Studie untersucht. Hierfür wird ein Koppelbalkenmodell der Brücke verwendet, das Brückentragwerk und Gleisrost als miteinander durch die dynamischen Eigenschaften des Schotterbetts gekoppelte Balken idealisiert und somit Energiedissipationsmechanismen sowie die Lastverteilung durch das Schotterbett berücksichtigen kann. Auch der Einfluss der Wechselwirkung zwischen überfahrendem Zug und Brückentragwerk wird durch die Verwendung von schwingungsfähigen Mehrkörpermodellen des Hochgeschwindigkeitszugs analysiert. Durch umfangreiche dynamische Analysen einer Railjet-Überfahrt über ein Parameterfeld an einfeldrigen Brückentragwerken, das den existierenden europäischen Brückenbestand widerspiegelt, werden die Eigenschaften jener Tragwerke identifiziert, die besonders stark von der Berücksichtigung des Schotterbetts in dynamischen Berechnungsmodellen profitieren. Zudem wird der positive Einfluss auf die berechneten Maximalbeschleunigungen in Abhängigkeit von variierenden Schotter- und Tragwerkseigenschaften quantifiziert. Es sind Reduzierungen der rechnerischen Tragwerksbeschleunigungen um bis zu 80 % gegenüber einfacheren Berechnungsmodellen erreichbar, wobei eine starke Abhängigkeit von den Brückeneigenfrequenzen, den Zuggeschwindigkeiten und der Schottersteifigkeit festgestellt wird. Diese Erkenntnisse bieten Potenzial zur Formulierung von Empfehlungen zur Anwendung unterschiedlich komplexer Modellierungsstrategien, die eine wirtschaftliche, sichere und effiziente Beurteilung der dynamischen Sensibilität von Brückentragwerken ermöglichen.
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Research Areas:
Mathematical and Algorithmic Foundations: 33% Modeling and Simulation: 34% Computational Materials Science: 33%