Der Vortrag untersucht das Museo Anahuacalli in Mexiko-Stadt als architektonisches Paradox: Sein Name evoziert das abwesende Element Wasser und eröffnet so einen Raum der Imagination und Beziehung. Ausgehend von dieser poetischen Geste entwickelt der Essay eine Methodik, Architektur nicht über Anwesenheit, sondern über Abwesenheit und Leere zu erschließen. Inspiriert von Octavio Paz und Michel Serres, die das Kunstwerk als seine eigene Kritik verstehen, schlägt der Text eine „inverse Architektonik“ vor, die Bauen auch als Akt des Ent-Bauens begreift.
Dieser Zugang entfaltet sich durch vier narrative Figuren, die als analytische Werkzeuge dienen: Die Unterwelt thematisiert den initiatorischen Abstieg und Aufstieg als räumliche Allegorie. Die Wohnung (bei Luce Irigaray) denkt Wohnen als Praxis der Distanzwahrung in einem dynamischen Intervall. Der Tempel wird als temenos verstanden – ein Schnitt, der den Blick zum Himmel und zur Kontemplation öffnet. Schließlich führt der Horizont diese Bewegungen in die Weite, wo das abwesende Wasser als imaginärer Horizont zurückkehrt.
Zusammen zeigen diese Figuren das Anahuacalli als einen Ort, der weniger ausstellt als Beziehungen stiftet – zwischen Präsenz und Abwesenheit, Erde und Kosmos, Vergangenheit und Gegenwart. Architektur wird so zur Praxis der Sorge um ein Diastēma, einen fruchtbaren Abstand, der Begegnung ermöglicht.
de
Research Areas:
Development and Advancement of the Architectural Arts: 100%