Primschitz, E. (2025). Leerstand als Ressource : Ursachen, Auswirkungen und Strategien zur Revitalisierung für unterschiedliche Raumtypen [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.131183
Die Auseinandersetzung mit dem Thema Leerstand als wachsendes Phänomen räumlicher Transformation beruht auf einer Vielzahl struktureller, wirtschaftlicher, planerischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Seine Aktualität manifestiert sich in tiefgreifenden Prozessen, die auf unterschiedlichen Maßstabsebenen wirksam sind und verdeutlichen, dass die Frage nach dem Umgang mit Raum, Bestand und Ressource zu einer zentralen Herausforderung im planerischen Diskurs geworden ist.Das Spannungsfeld zwischen neu erschlossenen Flächen und gleichzeitig ungenutztem Bestand zeigt die räumlichen Disparitäten in urbanen und ruralen Gebieten. Während an den Orts- und Stadträndern neue Bauflächen entstehen, verlieren die Zentren zunehmend an Funktion und Aufenthaltsqualität. Leerstand beeinflusst zudem das Erscheinungsbild und die atmosphärische Wahrnehmung in Städten und Dörfern und wirkt in baukultureller Dimension als Träger historischer Entwicklungen und des kollektiven Gedächtnisses. Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Diplomarbeit der Betrachtung, Leerstand als Ressource zu begreifen - der Bezirk Baden, im niederösterreichischen Industrieviertel, dient dabei als Untersuchungsraum. Zwischen Wienerwald und Pannonischer Tiefebene gelegen, sind die räumlichen Dynamiken in der Region durch die Nähe zu Wien, durch Strukturwandel, Flächeninanspruchnahme und Wachstumsdruck geprägt.Ziel der Arbeit ist es, Ursachen, Auswirkungen, das historische Erbe und den regionalen Kontext zu analysieren und daraus ein Instrumentarium zu entwickeln, welches Gemeinden im Umgang mit un- und mindergenutzten Räumen unterstützt. Die drei Fallgemeinden Bad Vöslau, Tattendorf und Blumau-Neurißhof repräsentieren unterschiedliche Raumtypologien - urban, rural, post-industriell - und bilden die Grundlage für die Betrachtung von Raumstruktur, Gesellschaft und Baukultur.Methodisch basiert die Arbeit auf der Verknüpfung theoretischer, analytischer und kontextbezogener Verfahren. Der theoretische Teil verknüpft wissenschaftliche Grundlagen mit regionalen Analysen sowie den Ortsbegehungen und geht in einen praktischen Teil über, der durch Kartierungen und grafische Darstellungen ergänzt wird. Aus diesen Analysen entstehen die fünf Leitgedanken - Erfassen, Vermitteln, Aktivieren, Erhalten, Transformieren - die das entwickelte Instrumentarium strukturieren und Leerstand als räumliche, baukulturelle, soziale und atmosphärische Ressource begreifbar machen.Die Erkenntnisse zeigen, dass Leerstand stets im räumlichen und historischen Kontext zu betrachten ist, sich jedoch übergreifende Ansätze und Leitgedanken ableiten lassen. In Bad Vöslau steht die Reaktivierung der Kurkultur in ihren historischen Gebäuden im Vordergrund, in Tattendorf die Stärkung der dörflichen Identität und in Blumau-Neurißhof die Transformation des industriellen Erbes. Als gemeinsamer Ansatz wird die Stärkung der Ortskerne, die nachhaltige Innenentwicklung und die Bewusstseinsbildung für den Wert des Bestands verfolgt.Leerstand wird damit als Potenzial für räumliche, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen verstanden, als Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft, Funktionsverlust und Raumqualität, kultureller Identität und planerischem Handlungsbedarf.
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The examination of vacancy as a growing phenomenon of spatial transformation is based on a multitude of structural, economic, planning, and societal developments. Its relevance is reflected in profound processes operating across different scales, demonstrating that the question of how to deal with space, existing structures, and resources has become a central challenge within the planning discourse.The tension between newly developed areas and simultaneously unused building stock highlights spatial disparities in both urban and rural contexts. While new construction sites emerge on the edges of towns and cities, their centers are increasingly losing functions and quality of stay. Vacancy also affects the visual character and atmospheric perception of urban and rural settlements, acting as a mirror of historical developments and as a carrier of collective memory.Against this backdrop, the present thesis explores vacancy as a resource, focusing on the district of Baden, located in the industrial quarter of Lower Austria. Situated between the Vienna Woods and the Pannonian Basin, the region‘s spatial dynamics are shaped by proximity to Vienna, structural change, land consumption, and development pressure.The aim of the thesis is to analyze the causes, impacts, heritage, and regional context of vacancy in order to develop a set of instruments that can support municipalities in dealing with underused and unused building structures. The three selected case study municipalities - Bad Vöslau, Tattendorf, and Blumau-Neurißhof - represent different spatial typologies (urban, rural, and post-industrial) and provide the basis for a comparative examination of space, society, and building culture.Methodologically, the thesis combines theoretical, analytical and context-oriented approaches. The theoretical framework connects scientific foundations with regional analyses and on-site investigations and transitions into a practical part supported by mappings and graphic representations. From these analyses, five guiding principles emerge - Identify, Communicate, Activate, Preserve, Transform - which structure the proposed instrument and conceptualize vacancy as a spatial, architectural, social, and atmospheric resource. The findings reveal that vacancy as a resource must always be understood within its spatial and historical context, yet overarching approaches and guiding principles can be derived. In Bad Vöslau, the focus lies on reactivating the spa culture (Kurkultur) through its historic buildings, in Tattendorf, on strengthening village identity, and in Blumau-Neurißhof, on transforming the industrial heritage. As a shared approach, the thesis advocates for the revitalization of town centers, sustainable inner development, and raising awareness of the value of existing structures. Vacancy is thus understood as a potential for spatial, cultural, and societal development - a link between past and future, loss of function and spatial quality, cultural identity and planning action.