David, L. (2026). St. Marx in Wien: Vom Freiraum zur Eventindustrie. Über die Durchsetzung nicht-nachhaltiger Raumnutzungen [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2026.130873
Planung; Machtverhältnisse; Diskursanalyse; St. Marx-Wien; Freiraum; Eventindustrie
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Planning; Relations of Power; Discourse Analysis; St. Marx - Vienna; Free Space; Event Industry
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Abstract:
Die Rolle von Städten in der Klimawandelmitigation und -adaption ist ein allgegenwärtiges Thema - sowohl in öffentlichen Diskursen als auch in der Raumplanung. Themen wie aktive Mobilität, erneuerbare Energiesysteme oder Hitzeschutzpläne stehen dabei zumeist im Vordergrund. Dass aber auch kulturelle Infrastrukturen und Kulturplanung aus einer Nachhaltigkeitsperspektive betrachtet werden, ist ein weniger beleuchtetes Thema. Daher legt diese Arbeit den Fokus auf den Diskurs zum geplanten Projekt einer multifunktionalen Eventhalle auf einer unbebauten, großteils versiegelten Fläche in St. Marx im 3. Bezirk in Wien, welche von Vereinen, Initiativen und Anwohner:innen genutzt wurde, und betrachtet dabei vor allem die Machtverhältnisse, die die Legitimität von Sprecher:innen und damit auch den Einfluss auf Ergebnisse in Planungsprozessen strukturieren. Dabei wird mit einer suffizienz-orientierten Perspektive auf die Durchsetzung kultureller Infrastrukturprojekte geblickt. Mit einer Sensibilisierung auf Machteffekte, welche im Diskurs wirken, soll das Verständnis von Planenden erweitert werden. Es wird nach den Interessen, die es für die Nutzung der Fläche gibt, und wie dabei das Projekt der Multifunktionshalle diskursiv durchgesetzt wird, gefragt. Die klima-, kultur- und demokratiepolitischen Implikationen, welche sich aus der Entscheidung für die Eventhalle ergeben, werden dabei kritisch hinterfragt. Die Eventhalle als Wirtschaftsförderungsprojekt und gemeinwohlorientierte und partizipative Stadtentwicklung wurden als die diskursprägenden Interessen identifiziert, die aber aus einer Machtperspektive sehr unterschiedlich sind. Die ökonomische Bewertung der Interessen, welche vordergründig durch Akteur:innen aus Tourismus und Wirtschaft gestützt wird, konnte als eine hegemoniale Deutung identifiziert werden, die auch das Verständnis von Kultur prägt. Nachhaltigkeit wird, im Gegensatz zu den Effekten des Tourismus, weniger weitreichend gedacht. Entpolitisierung des Konflikts und Intransparenz können als Strategien benannt werden, die über Zuständigkeiten hergestellt werden, und Mitbestimmung und Partizipation verhindern. Machteffekte zeigen sich im Hinblick darauf, wer sich mit welcher Wirkung in den Diskurs einbringt, oder bewusst auch nicht Stellung bezieht. Mit der Methode der Wissenssoziologischen Diskursanalyse nach Keller wurde die Außenkommunikation, über die Akteur:innen ihre Interessen für die langfristige Nutzung der Fläche in den Diskurs einbringen, qualitativ nach der Grounded-Theory analysiert. Die Arbeit will aufzeigen wie sich trotz Zielsetzungen zu nachhaltiger Stadtentwicklung und Kulturpolitik auf strategischer Ebene, eine kommerzielle Eventhalle in der Praxis durchsetzen kann. Für Planende ist die Sensibilisierung wie Machteffekte in Planungsprozessen wirken relevant, um die eigene Position und Handlungsmacht zu reflektieren. Darüber hinaus hilft diese Perspektive auch zu verstehen, wieso sich anstelle von Gemeinwohl und Nachhaltigkeit, ökonomische Verwertungsinteressen durchsetzen können.
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The role of cities in climate change mitigation and adaptation is a ubiquitous topic – both in public discourse and in spatial planning. Issues such as active mobility, renewable energy systems and heat protection plans are usually at the forefront of this debate. However, the consideration of cultural infrastructure and cultural planning from a sustainability perspective is a less-explored topic. This thesis therefore focuses on the discourse surrounding the planned project for a multifunctional event hall on an undeveloped, largely sealed-off site in St. Marx in Vienna’s 3rd district, which was used by associations, initiatives and local residents, and examines in particular the power relations that structure the legitimacy of spokespersons and thus also the influence on outcomes in planning processes. In doing so, it adopts a sufficiency-oriented perspective on the implementation of cultural infrastructure projects. By raising awareness of the power dynamics at play in the discourse, the aim is to broaden the understanding of planners. The study examines the various interests regarding the use of the site and how the multifunctional hall project is being discursively implemented. The implications for climate, cultural and democratic policy arising from the decision to build the event hall are critically examined. The event hall as an economic development project and public-interest-oriented, participatory urban development were identified as the interests shaping the discourse, yet these differ significantly from a power perspective. The economic assessment of these interests, which is primarily supported by stakeholders from the tourism and business sectors, was identified as a hegemonic interpretation that also shapes the understanding of culture. Sustainability, in contrast to the effects of tourism, is conceived of in less far-reaching terms. Depoliticisation of the conflict and a lack of transparency can be identified as strategies established through the allocation of responsibilities, which prevent co-determination and participation. Power dynamics are evident in terms of who contributes to the discourse and with what impact, or who deliberately decides not to take a stance. Using Keller’s method of discourse analysis (Wissenssoziologische Diskursanalyse), the external communication through which stakeholders bring their interests regarding the long-term use of the site into the discourse was analysed qualitatively using grounded theory. This study aims to demonstrate how, despite strategic objectives relating to sustainable urban development and cultural policy, a commercial event hall can prevail in practice. For planners, an awareness of how power dynamics operate in planning processes is relevant for reflecting on their own position and agency. Furthermore, this perspective also helps to understand why economic development interests can prevail over the common good and sustainability.
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