Stangl, B. (2019). Das Zuhause als Ort sozialer Roboter : Ko-Konstitution sozialer Räume durch Assistenzsysteme [Dissertation, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2019.28227
Technik hält in immer mehr Produkte, Dienstleistungen und Orte des privaten Lebens Einzug. Fortschritte im Bereich der Robotik und der künstlichen Intelligenz bereiten den Weg zu konkreten Anwendungen in menschlichen Lebensräumen. Zukünftig sollen soziale Roboter Aufgaben in Wohnräumen übernehmen, etwa als Komponente der Heimautomation, als Unterstützer von Routinetätigkeiten im Haushalt oder als Assistenzsysteme für ältere Menschen. Die soziale Robotik ist ein Innovationsfeld, in dem technische, soziale, ethische, wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen verhandelt werden. Die aktuellen Diskurse in der sozialen Robotik und der Architektur haben sich bislang kaum gegenseitig rezipiert. Sie finden größtenteils unabhängig voneinander und ohne Bezugspunkte zueinander statt. Diese Arbeit entwickelt aus theoretischen und praktischen Ansatzpunkten eine räumliche Perspektive auf das interdisziplinäre Forschungsfeld der sozialen Robotik. Am Beispiel sozialer Roboter werden die Handlungszusammenhänge soziotechnischer Konstellationen aus Mensch und Maschine in ihrem Verhältnis zu sozialen Räumen untersucht. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf privaten Wohnräumen, da diese durch ein verstärktes Interesse an Heimautomation und altersgerechten Assistenzsystemen im Fokus aktueller Technologieentwicklungen stehen. Ausgehend von der techniksoziologischen Position einer verteilten Handlungsträgerschaft menschlicher und nicht-menschlicher Akteure wird ein Modell zur Konstitution sozialer Räume um soziale Roboter als Handlungsträger erweitert. Die Elemente Technik und Raum werden über die Handlungsträgerschaft von Technik und die Konstitution von Raum durch Handeln miteinander verbunden. Daraus wird der Ansatz einer Ko-Konstitution sozialer Räume durch soziale Roboter und Assistenzsysteme entwickelt. Die Zusammenführung und Erweiterung technik- und raumsoziologischer Modelle eröffnet eine Perspektive auf die Prozesse und Wechselwirkungen, durch die soziale Roboter und Assistenzsysteme soziale Räume mitgestalten. Anhand konkreter Anwendungen in Wohnumgebungen werden die Prozesse einer verteilten Ko- Konstitution sozialer Räume beschrieben. Die Küche als architektonischer Raum und soziales System dient als Beispiel für einen Bereich des Wohnens, für den verstärkt Assistenzsysteme und soziale Roboter entwickelt werden. Die Ko-Konstitution sozialer Räume wird entlang von vier Dimensionen konzipiert. Die Dimension der materialen Verschränkung beschreibt die relationale Positionierung einer Technik zur Umgebung. Die Dimension des Handlungsbezuges erfasst, wie soziale Roboter über Handlungen mit anderen Akteuren und der materiellen Umwelt verbunden sind. Die Dimension der Synthese von Räumen beschreibt, welche Aspekte des Raumes durch ein technisches System erfasst und in einem Raummodell abgebildet werden. Die Dimension der atmosphärischen Verschränkung zeigt, in welcher Weise Roboter über ihre wahrnehmbare Außenwirkung auf die Atmosphären eines Raumes wirken. Ergänzend werden für jede Dimension Leitfragen formuliert, an denen sich eine Technikgestaltung orientieren kann. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Wechselwirkungen zwischen gegenständlichen Techniken und menschlichen Lebensräumen am Beispiel sozialer Roboter aufzuzeigen. Das interdisziplinäre Forschungsfeld der sozialen Robotik soll so um eine räumliche Betrachtungsebene erweitert werden, um eine Technikentwicklung zu unterstützen, die zu einer wünschenswerten Gestaltung zukünftiger Lebensräume beiträgt.
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Technology is finding its way into more and more products, services and spaces of private life. Advances in robotics and artificial intelligence are paving the way for specific applications in human habitats. In the future, social robots could take over tasks in living environments, such as controlling a home automation system, facilitating household chores, or supporting older people to live independently at home. The innovation field of social robotics negotiates technical, economic, social, legal and ethical questions. Yet, the current discourses in social robotics and architecture have hardly received each other. For the most part, they take place independently of each other and without reference points to each other. This work develops a spatial perspective on the interdisciplinary research field of social robotics from theoretical and practical starting points. Using the example of social robots, the interrelations of sociotechnical constellations of man and machine in their relationship to social spaces are examined. The focus of this work is on private living spaces, as these are the focus of current technological developments due to an increased interest in home automation and age-appropriate assistance systems. Based on the techno-sociological position of a distributed agency among human and non-human actors, a model of constituting social spaces through social robots as actors is extended. The elements of technology and space are connected by technology as actors and the constitution of space through action. The concept of a co-constitution of social spaces through social robots and assistance systems is developed. The combination and extension of technical and spatial sociological models open up a perspective on the processes and interactions through which social robots and assistance systems shape social spaces. Based on specific applications in home environments, the processes of a distributed co-constitution of social spaces are described. The kitchen as an architectural space and social system serves as an example of domestic space to illustrate the concept. The co-constitution of social spaces is conceived along four dimensions. The dimension of material entanglement describes the physical relational arrangement of technology with its surroundings. The dimension of the reference to action captures how social robots are connected with other actors and the material environment through actions. The dimension of the synthesis of spaces describes which aspects of space are captured
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