Title: Pontische und alpine Lebensräume : Einheimische Architektur gestern, heute und morgen
Other Titles: Pontic and alpine habitats: Indigenous architectures in the past, present and future
Language: Deutsch
Authors: Nasya, Bahanur 
Qualification level: Diploma
Advisor: Lehner, Erich 
Issue Date: 2019
Number of Pages: 434
Qualification level: Diploma
Abstract: 
Die Gestaltung der Lebensräume deckt zum einen Grundbedürfnisse und erfüllt zugleich eine starke Repräsentationsfunktion für die Gesellschaft. In jeder Gesellschaft ist die physische und kulturelle Umwelt das Ergebnis einer Vielzahl von Faktoren. In dieser Arbeit wurden die Einflüsse auf örtliche und wirtschaftliche Gegebenheiten, sowie kulturelle und häusliche Dynamiken hin untersucht, um einen sinnvollen Vergleich zwischen der traditionellen Architektur im österreichischen Osttirol und türkischen Ikizdere anzustreben. Auf der materiellen Ebene wurde auf das geografische, klimatische und vegetative Umfeld eingegangen. Die wirtschaftliche Betrachtung hatte den Zweck, alle Tätigkeiten und deren Raumbedürfnisse, wie Agrarwirtschaft, Handel, Viehwirtschaft, inklusive die Bauwirtschaft ganzheitlich zu verstehen. Die kulturellen Visionen - dazu gehören Machtstrukturen, Religionen, Modeerscheinungen - determinieren die soziale Ebene und manifestieren sich vor allem in der Organisation der Bauwerke und der Siedlungsstruktur. Die häusliche Ebene bezieht sich in dieser Arbeit, neben der Raumorganisation pro Wohneinheit, sehr stark auf die familiäre, beziehungsweise persönliche Ebene der Gesellschaft. Das Dorf Yağcılar liegt in Nordanatolien. Es herrscht Schwarzmeerklima und die Topographie ist durch steile Hänge gekennzeichnet. Die älteren Häuser stehen auf einem Südwesthang und sind durch Fußpfade an der hinteren Giebelseite erschlossen. Die Stallräume sind im Untergeschoss untergebracht und zu den Feldern hin orientiert. Es gab eine Volksschule, einen Dorfladen und ein Kaffeehaus im Dorf. Nur die Moschee ist als Gemeinschaftseinrichtung im Dorf geblieben. Das traditionelle Wirtschaftsmodell war eine Mischung aus Landwirtschaft und Viehwirtschaft für die Selbstversorgung. Die Häuser, die vor den 1980ern gebaut wurden, sind im gleichen Stil, in derselben Materialzusammensetzung, Orientierung und Raumorganisation errichtet worden. Heute liegen die Erwerbsund Bildungsfelder in urbaneren Räumen, was die Landflucht verstärkt. Verbleibende und zu Besuch kommende DorfbewohnerInnen bauen massive Häuser in Ziegel und Stahlbeton. Die Neubauten werden in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Straßen erbaut. Neben den alten Häusern sind daher auch die Tierunterkünfte und Felder von Leerstand geprägt. Das Dorf Hopfgarten befindet sich in Osttirol. Trotz der Randlage innerhalb Österreichs und der Trennung von Südtirol durch die Staatsgrenze haben das Dorf und das Tal, beziehungsweise ihre Bewohnerinnen und Bewohner, immer wieder Wege gefunden, ihr Leben finanziell zu meistern. Die für die Region typischen Paarhöfe wurden ebenfalls traditionell in mittlerer Lage der Südhänge errichtet und vor allen für die Milchwirtschaft genutzt. Die Siedlungseinheiten streuen sich über den gesamten Hang. Neubauten jedoch verdichten sich im Talboden an der Landstraße und machen die abgelegenen Dorfteile von der Dorf-Mitte abhängig. 2012 wurde im Dorfteil „Hof“ die Kleinschule mangels Schüler geschlossen. Hunderte Gästebetten ermöglichen den EinwohnerInnen einen Zuverdienst im Tourismus. Auch hier liegen die Erwerbsfelder der Dorfbewohner nicht mehr in den Bauernhöfen, sondern in den urbaneren oder Industriegebieten außerhalb des Dorfes. Die Spaltung der BewohnerInnen in kleine Kernfamilien resultiert in der Verdichtung des Dorfes mit Einfamilienhäusern auf wertvollen Landwirtschaftsflächen. Somit entwickelt sich das Dorf zunehmend zu einem Wohnort. Gearbeitet und studiert wird anderswo. Jüngste wirtschaftliche Entwicklungen reduzieren Stück für Stück die Bauernzahlen und gefährden somit die künftige Weiterführung der lokalen Paarhöfe. Die energieautarke Gemeinde legt großen Wert auf Bürgerbeteiligung, was sich hauptsächlich in Revitalisierungsund Bauprojekten bemerkbar macht. Der Vergleich der beiden Dörfer hebt die Wichtigkeit lokaler Bedingungen hervor. Lokale Ressourcen und Erfordernisse können sich von Nachbarschaft zu Nachbarschaft unterscheiden. Daher kann eine universale Bauweise den örtlichen Gegebenheiten nicht gerecht werden. Aus diesen Differenzen resultierten auch die lokalen Betätigungsfelder, welche mit dem derzeitigen Wirtschaftsmodell obsolet werden. Ohne lokale Produktion sind diese Ortschaften aber einer wichtigen (der bäuerlichen) Funktion entraubt, welche das dörfliche Leben und die Erwerbstätigkeit für lange Zeit determinierte. Gesellschaftlich sind diese Gemeinschaften ebenfalls von großflächigen Trends (nationale Werte, religiöse Werte, Digitalisierung, Mode und dergleichen) beeinflusst. Die derzeitigen Erhaltungsbestrebungen greifen vor allem in den oberflächlichen Stil der Bauwerke, sowie in die Ortsbilderhaltung ein. Auch die häuslichen Aufgaben und Organisation der Funktionen sind von großem Wandel betroffen, werden aber zu wenig thematisiert.

The design of living spaces covers basic needs and fulfils a strong representative function in society. In every society, the physical and cultural environment is the result of a multitude of factors. In this work, the influences of local and economic conditions, as well as cultural and domestic dynamics, were examined in order to draw a meaningful comparison between the traditional architecture in Austrian East Tyrol and Turkish Ikizdere. On the material level, the village itself as well as the geographical, climatic and vegetative environment was addressed. The economic approach carried the purpose of understanding all activities and their space-needs, such as agriculture, trade, and livestock farming, as well as the construction industry. The cultural visions, including power structures, religions, fashion trends and similar, determine the social level and manifest themselves above all in the organization of buildings and in the settlement structure. The domestic level, in addition to the spatial organisation per housing unit, refers very strongly to the family or the personal level of society. The village of Yağcılar in Ikizdere is located in northern Anatolia. The climate is determined by the Black Sea and its steep slopes characterize the topography. The older houses lie on a southwest slope and are accessible via footpaths located at the gable on the rear side. The stable rooms are located in the basement and oriented towards the fields. There was a primary school, a rudimental shop and a coffee house in the village. But only the mosque survived the changes of the last decades and still serves as a communal facility. The traditional economic model was a mixture of agriculture and animal husbandry for selfsufficiency. All houses built before the 1980s were built in the same style, with the same material composition, orientation and spatial organization. Today, people work and learn in more urban areas, causing an increase in the rural-urban migration. The remaining villagers and seasonal visitors build massive houses with bricks and reinforced concrete structures in the immediate vicinity of public roads. Consequently, in addition to the old houses, the animal shelters and fields are also characterised by vacancy. The village Hopfgarten in Defereggental is located in East Tyrol. Despite the peripheral location within Austria and the separation from South Tyrol through the state border, the inhabitants have constantly found ways to financially master their lives. Also here the traditional farming buildings in pairs, in German called “Paarhöfe”, were built in the middle of the south oriented mountain slopes. Hundreds of guest beds enable the inhabitants to earn additional income via tourism. However, since the beginning of the 21st century economic developments have resulted in decrease of farmers, endangering the survival of traditional farms and their buildings. The social change transforms big households into small core families, which resulted in a dense village with detached single-family houses on valuable agricultural land. As a result, the village is increasingly developing into a place to live, while work and study is done elsewhere. The energy wise self-sufficient community attaches great importance to citizen participation and has renovated buildings and public infrastructure installations, thanks to the great participation of the inhabitants and tries hard to keep all village relevant functions in the village. The comparison of the two villages emphasizes the importance of local conditions. Local resources and needs can differ from neighbourhood to neighbourhood. Therefore a universal construction method cannot do justice to the local conditions. By denying the local differences, diversities and local sustainability is endangered, since the global economic model suppresses the smallscale activities. Without local production however, these villages are deprived of an important agricultural function that had determined the structure of village life and employment for a lengthy period of time. The communities are socially influenced by large-scale trends (national values, religious values, digitalisation, fashion and similar). The current efforts exerted to preserve the culture and identities have a major impact on the style of construction and the superficial appearance of the villages. The domestic tasks and the organization of the functions are also affected by massive change, but those are too less present in the current architectural discourse.
Keywords: vernakuläre Architektur; Österreich; Vorarlberg; Anatolien; Rize
vernacular architecture; Austria; Vorarlberg; Anatolia; Rize
URI: https://resolver.obvsg.at/urn:nbn:at:at-ubtuw:1-122985
http://hdl.handle.net/20.500.12708/7569
Library ID: AC15341737
Organisation: E251 - Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege 
Publication Type: Thesis
Hochschulschrift
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