Weber, I. (2025). Der 23. Wiener Gemeindebezirk als Schlusslicht bei der Ökologisierung der Verkehrsmittelwahl : Ursachen und Maßnahmen zur Einleitung der Mobilitätswende am Stadtrand [Diploma Thesis, Technische Universität Wien]. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2025.123251
Verkehrsmittelwahl; Ökologisierung; Wien 23.Bezirk
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Choice of means of transport; Greening; Vienna 23rd district
en
Abstract:
Die Stadt Wien verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2030 rund 85% aller Wege im erweiterten Umweltverbund – bestehend aus öffentlichem Verkehr, Rad- und Fußverkehr sowie Sharing- und Pooling-Angebote - zurückzulegen. Mit einem Anteil des motorisierten Individualverkehrs von 50% des Modal Splits der BewohnerInnen des 23. Bezirks im Zeitraum von 2015-2019 ist Liesing noch deutlich unterhalb des angestrebten Zielniveaus. Diese Arbeit widmet sich der Analyse von Einflussgrößen auf die Verkehrsmittelwahl des 23. Wiener Gemeindebezirks sowie der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Erhöhung des Anteils umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Zur Beantwortung der ersten Forschungsfrage, welche Ursachen den geringen Anteil nachhaltiger Verkehrsmittel in Liesing bedingen, wurden Literaturrecherchen und die Analyse der Stadtstruktur des 23. Bezirks durchgeführt. Die Gliederung der Einflussparameter erfolgt nach De Witte et al. Dabei zeigte sich, dass ein Zusammenwirken mehrerer soziodemographischer, räumlicher und reisespezifischer Indikatoren die abweichende Verteilung der Verkehrsmittelwahl des 23. Bezirks von dem des Wiener Durchschnitts erklärt. Als relevante Einflussfaktoren auf die Verkehrsmittelwahl in Liesing können ein niedrigerer Bildungsstand, eine größere Haushaltszusammensetzung, eine höhere Autoverfügbarkeit sowie eine geringe Bevölkerungsdichte im Vergleich zum Wiener Durchschnitt genannt werden. Ebenfalls konnten eine eingeschränkte Vielfalt in der Flächennutzung und Attraktivität des Umfeldes bezogen auf Rad- und Fußwege sowie die fehlende Nähe zu Infrastruktur und Dienstleistungen ermittelt werden. Darüber hinaus wirken niedrige Frequenzen öffentlicher Verkehrsmittel, ein großes Angebot an Parkmöglichkeiten, große zurückzulegende Entfernungen, lange Reisezeit sowie ungünstige Umsteigebedingungen als fördernde Faktoren auf den motorisierten Individualverkehr im 23. Bezirk. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wurde zur Beantwortung der zweiten Forschungsfrage – welche Maßnahmen im 23. Bezirk zur Erhöhung des Anteils umweltfreundlicher Verkehrsmittel beitragen können – vier Szenarien entwickelt, die entsprechende Handlungsoptionen darstellen. Szenario 1 umfasst den Ausbau Liesings zur 15-Minuten-Stadt und die Verbesserung der Fußwege, Szenario 2 den Ausbau der Radinfrastruktur, Szenario 3 den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Szenario 4 eine Kombination aller drei Maßnahmen. Die Modellierung der Verkehrserzeugung, Verkehrsverteilung und Verkehrsaufteilung erfolgt dabei auf Grundlage des Ansatzes nach Schnabel und Lohse. Die zuvor identifizierten maßgeblichen Einflussfaktoren werden hierfür in „beeinflussbar“ und „nicht beeinflussbar“ unterteilt. Die Einflussfaktoren, die maßgebend und beeinflussbar sind, werden zur Beantwortung der zweiten Forschungsfrage herangezogen. Dabei handelt es sich um die Parameter: Vielfalt in der Flächennutzung und Attraktivität des Umfeldes, Nähe zu Infrastruktur und Dienstleistungen, Frequenz öffentlicher Verkehrsmittel, Parkmöglichkeiten, Reisezeit und Umsteigebedingungen. Diese Einflussindikatoren werden für die Modellierung der Szenarien in Form von Widerstandsparametern abgebildet. Durch gezielte Modifikation dieser Parameter werden die Auswirkungen der verschiedenen Maßnahmen auf die Verkehrsmittelwahl analysiert. In Szenario 1 führt der Ausbau Liesings zur 15-Minuten-Stadt sowie die Verbesserung der Fußverkehrsinfrastruktur zu einer Reduktion des motorisierten Individualverkehrs um 18 %. Die größte Verlagerung erfolgt erwartungsgemäß hin zum Fußverkehr, dessen Anteil um 13 % steigt. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs erhöht sich um 5 %, jener des Radverkehrs um 1 %. Die Verbesserung der Radinfrastruktur in Szenario 2 bewirkt eine Zunahme der ökologischen Verkehrsmittel um insgesamt 23 %. Der Radverkehr verzeichnet dabei den stärksten Zuwachs (+26 %), während der Fußverkehrsanteil um 2 % sinkt und der öffentliche Verkehr unverändert bleibt. In Szenario 3 führt der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes zu einer Steigerung des Anteils ökologischer Verkehrsmittel um 10 %. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs nimmt um 14 % zu, während der Fußverkehr leicht zurückgeht (–3 %). Die kombinierte Umsetzung aller Maßnahmen in Szenario 4 bewirkt die deutlichste Veränderung: Der Anteil der ökologischen Verkehrsmittel steigt von 50 % auf 80 %, was einer Zunahme um 30 % entspricht. Die größten Zugewinne sind beim Radverkehr (+18 %) und beim öffentlichen Verkehr (+11 %) zu beobachten, während der Fußverkehrsanteil konstant bleibt. Eine deutliche Steigerung des Anteils umweltfreundlicher Verkehrsmittel im 23. Bezirk gelingt nur durch ein umfassendes Maßnahmenpaket. Einzelne Verbesserungen, etwa bei Rad- und Fußwegen, zeigen eine begrenzte Wirkung. Erst die kombinierte Förderung von Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr kann die Mobilitätswende in Liesing vorantreiben und das Wiener Ziel von 85 % Wegen im Umweltverbund bis 2030 unterstützen.
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The City of Vienna is pursuing the goal of covering around 85% of all journeys in the extended envi-ronmental network—consisting of public transport, cycling, walking, and sharing and pooling services—by 2030. With motorized private transport accounting for 50% of the modal split of residents in the 23rd district in the period 2015-2019, Liesing is still well below the target level. This work is dedicated to analyzing the factors influencing the choice of transport in Vienna's 23rd district and developing measures to increase the share of environmentally friendly modes of transport.To answer the first research question, which examines the causes of the low proportion of sustainable modes of transport in Liesing, literature research and an analysis of the urban structure of the 23rd district were carried out. The influencing parameters were classified according to De Witte et al. This revealed that a combination of several sociodemographic, spatial, and travel-specific indicators explains the deviation in the distribution of transport mode choice in the 23rd district from the Vienna average. Relevant factors influencing the choice of transport in Liesing include a lower level of education, larger household composition, higher car availability, and low population density compared to the Vienna average. Limited diversity in land use and attractiveness of the environment in terms of cycle paths and footpaths, as well as a lack of proximity to infrastructure and services, were also identified. In addition, low public transport frequencies, a wide range of parking options, long distances to be covered, long travel times, and unfavorable transfer conditions are factors that promote motorized private transport in the 23rd district. Based on these findings, four scenarios were developed to answer the second research question—which measures in the 23rd district can contribute to increasing the share of environmentally friendly modes of transport—representing corresponding options for action. Scenario 1 involves developing Liesing into a 15-minute city and improving footpaths, scenario 2 involves expanding the cycling infrastructure, scenario 3 involves expanding public transport, and scenario 4 involves a combination of all three measures. Traffic generation, traffic distribution, and traffic allocation are modeled based on the approach developed by Schnabel and Lohse. The previously identified key influencing factors are divided into “influenceable” and “non-influenceable” factors. The influencing factors that are decisive and influenceable are used to answer the second research question. These are the parameters: diversity in land use and attractiveness of the environment, proximity to infrastructure and services, frequency of public transport, parking facilities, travel time, and transfer conditions. These influence indicators are represented in the form of resistance parameters for the modeling of the scenarios. The effects of the various measures on the choice of transport mode are analyzed by specifically modifying these parameters.In scenario 1, the expansion of Liesing into a 15-minute city and the improvement of pedestrian infrastructure lead to an 18% reduction in motorized private transport. As expected, the biggest shift is towards pedestrian traffic, which increases by 13%. The share of public transport increases by 5%, and that of cycling by 1%. The improvement of cycling infrastructure in scenario 2 results in an overall increase of 23% in environmentally friendly modes of transport. Cycling records the strongest growth (+26%), while the share of walking decreases by 2% and public transport remains unchanged. In scenario 3, the expansion of the public transport network leads to a 10% increase in the share of eco-friendly modes of transport. The share of public transport increases by 14%, while walking declines slightly (-3%). The combined implementation of all measures in scenario 4 results in the most significant change: the share of eco-friendly modes of transport increases from 50% to 80%, which corresponds to an increase of 30%. The largest gains are observed in cycling (+18%) and public transport (+11%), while the share of walking remains constant. A significant increase in the share of environmentally friendly modes of transport in the 23rd district can only be achieved through a comprehensive package of measures. Individual improvements, such as to cycle paths and footpaths, have a limited effect. Only the combined promotion of walking, cycling, and public transport can drive forward the mobility transition in Liesing and support Vienna's goal of 85% of journeys being made by environmentally friendly means of transport by 2030.